Verkehr Hamburg

In Harburg fährt noch immer kein einziger Elektrobus

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Lars Hansen
Hochbahn-Elektrobusse laden ihre Akkus im Carport auf dem Betriebshof Alsterdorf.

Hochbahn-Elektrobusse laden ihre Akkus im Carport auf dem Betriebshof Alsterdorf.

Foto: DAVID GOLTZ / HHA

In zehn Jahren soll die gesamte Busflotte emissionsfrei sein – davon ist im Süden der Stadt noch nicht viel zu spüren. Die Gründe.

Harburg.  Seit 2020 schaffen die beiden Busbetriebe der Freien und Hansestadt Hamburg keine Dieselbusse mehr an. Bis 2030, so das ursprüngliche Ziel, soll die gesamte Hamburger Busflotte emissionsfrei fahren, sei es mit batteriebetriebenen Elektrobussen oder mit Brennstoffzellenantrieb. Das ist mittlerweile ein wenig gestreckt worden, bis 2032, aber immer noch ambitioniert. „Hamburg ist derzeit der größte Einzelbesteller von Elektrobussen in Europa“, referierte Sophie Schaar, Projektleiterin bei der Hamburger Hochbahn AG im Mobilitätsausschuss der Harburger Bezirksversammlung,

110 elektrisch angetriebene Busse fuhren für Hochbahn und Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) Ende 2021 durch Hamburg, bis Ende 2022 werden es 180 sein. Das ist nahezu ein Fünftel der Flotte. In Harburg fährt allerdings noch keiner. Das wird sich in den nächsten Jahren auch nicht ändern, denn um den Busverkehr zu elektrifizieren braucht es nicht nur neue Busse, sondern auch neuen Busbetriebshöfe und da gibt es im Hamburger Süden ein Problem: Von den drei Betriebshöfen der HHA im Bezirk Harburg eignet sich nur einer zur Aufrüstung für Elektrobetrieb und auch der ist zu klein.

Verkehr Hamburg: Wo sollen die Elektrobusse geladen werden?

Auf dem Betriebshof Harburg II an der Hannoverschen Straße könnte bis Ende 2024 Ladeinfrastruktur entstehen, mit der mindestens 20 Busse versorgt werden könnten - ein Zehntel der derzeitigen Busflotte. Gelingt es, den Betriebshof zu erweitern, könnte die Kapazität hier bis 2030 auf 56 Lade-Stellplätze anwachsen. Für die anderen beiden, Harburg I an der Winsener Straße und Süderelbe am Heykenaukamp müssen Ersatzstandorte gesucht werden.

Süderelbe ist zu klein und Harburg I nicht ausbaufähig. Eine reine Abstell- und Lade-Anlage reiche nämlich nicht aus, erklärte Söhnke Hornsmann, Architekt und Betriebshofspezialist bei der Hochbahn. „Wir brauchen auch eine zentrale Werkstatt im Hamburger Süden.“

Zwar sei an der Winsener Straße eine Buswerkstatt vorhanden, aber während Dieselbusse größtenteils von unten gewartet werden, muss man Elektrobusse auch von oben aufschrauben können, denn die Akkus und große Teile der Regelelektronik sind im oder auf dem Dach verbaut. „Dafür brauchen wir Dacharbeitsstände und für diese müssten wir das Gebäude erhöhen“, sagt Hornsmann. „Die Genehmigung dafür erhalten wir aber nicht, denn der Bezirk plant an dieser Stelle Wohnungsbau.“

Ohne zentrale Werkstatt geht die Elektrifizierung im Süden nicht voran

Aber auch an anderen Stellen beiße man beim Bezirk oder bei der städtischen Gewerbeflächengesellschaft Hamburg Invest immer wieder auf Granit, beschwert sich der Hochbahn-Architekt und nennt Beispiele: Die Fläche, die Daimler-Benz nicht mehr zur Werkserweiterung braucht, Neuland 23 oder Flächen am Radeland. Die Daimler-Fläche war einst explizit für die Werkserweiterung genehmigt worden, um für Harburg den Produktionsstandort zu sichern und steht ausdrücklich für keine andere Nutzung zur Verfügung. Auf anderen Flächen schwebt der Stadt eher Hightech, als Hochbahn vor -- obwohl sich das nicht ausschließe, wie Schaar und Hornsmann sagen.

Ohne zentrale Werkstatt geht die Elektrifizierung des Busverkehrs im Süden nicht voran, so Hornsmann. Auch der geplante neue Mobilitätshub auf der Veddel nütze da wenig: „Wir bräuchten dann für jede Harburger Linie einen weiteren Bus, um morgens die Fahrtzeiten von der Veddel zur Starthaltestelle wieder einzutakten“, sagt er. „Wir müssen deshalb hier einen Betriebshof mit Werkstatt haben!“

Sechs Jahre, um den ausreichenden Stromanschluss zu bekommen

Die Zeit drängt, denn wenn eine Fläche gefunden ist, steht da noch kein Betriebshof - erst recht kein Elektrobus-tauglicher. „Im Schnitt brauchen wir sechs Jahre, um an einem Betriebshof den ausreichenden Stromanschluss zu bekommen, sagt Hornsmann.

Hoffnung setzt er auf eine Fläche im Bezirk Mitte: Am Pollhornbogen in Wilhelmsburg, nahe der Süderelbbrücken wird gerade ein Grundstück geprüft. Es ist eine ehemalige Mülldeponie. Die Hochbahn hofft, dass der Untergrund nicht kontaminiert ist und sie bald losbauen kann. Auch die Erweiterung von Harburg II scheint realistisch, wenn man Zugriff auf die Flächen in Richtung Seevestraße bekommt.

„Der Vortrag hat viele Ausschussmitglieder aufgeweckt“, sagt Michael Sander (Grüne), Vorsitzender des Mobilitätsausschusses. „Da wird uns das Bezirksamt einiges erklären müssen!“

Verkehr Hamburg: Bezirk sucht Flächen für Elektrobus-Standorte

„Die Verzögerung ist ärgerlich“, sagt der SPD-Verkehrsexperte Frank Wiesner. „Es gibt viele Stellen in Harburg, wie etwas die Moorstraße, die von den leiseren Elektrobussen profitieren würden!“

Fragt man im Harburger Rathaus, gibt es keine Blockadehaltung: „Seit Anfang 2022 werden kleinere Flächen von ein bis zwei Hektar für mehrere, dezentrale Standorte gesucht“, sagt Bezirks-Pressesprecher Dennis Imhäuser. Einige Fläche seien identifiziert worden. „Alle Flächen aus der Untersuchung werden aktuell von der Hochbahn geprüft.“

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