Hamburger Stadtgeschichte

Harburger Kanalplatz wird zur archäologischen Fundgrube

| Lesedauer: 2 Minuten
Die Archäologen Mustafa Altun (l.) und Kay-Peter Suchowa haben eine mehrere 100 Jahre alte Hausecke freigelegt, die den historischen Straßenverlauf zeigt

Die Archäologen Mustafa Altun (l.) und Kay-Peter Suchowa haben eine mehrere 100 Jahre alte Hausecke freigelegt, die den historischen Straßenverlauf zeigt

Foto: Angelika Hillmer

Archäologen begleiten Straßenbauarbeiten am Binnenhafen und fördern neue Erkenntnisse zur Hamburger Stadtgeschichte zutage.

Harburg. Die Bauarbeiten zur Veloroute 10 auf dem Kanalplatz im Binnenhafen gewähren Einblicke in Harburgs Vergangenheit. Denn dort liegt die Keimzelle der einstmals selbstständigen Stadt. Deshalb hat Mustafa Altun vom Archäologischen Museum Hamburg (AMH) einen Blick auf das, was die Baggerschaufeln freilegen.

Zusammen mit zwei Archäologie-Studenten ist er seit drei Wochen auf der Baustelle. „Wir finden sehr viel Keramik aus dem 17. bis 19. Jahrhundert“, sagt er. „Aber auch ältere Zeugnisse wie zwei Feldsteinmauern eines Hauses, das zwischen 1396 und 1654 gebaut sein muss.“

Geschichtsträchtiger Hafenbereich gilt als Grabungsschutzgebiet

Der geschichtsträchtige Hafenbereich gilt als Grabungsschutzgebiet, weil sicher ist, dass dort historisch relevante Hinterlassenschaften liegen. Dazu gehört auch das uralte Straßenpflaster, das gut einen Meter unter der heutigen Straßendecke bei Arbeiten für eine neue Straßenentwässerung zum Vorschein kam. Die Wissenschaftler bargen die Pflastersteine. „Wir finden hier Bodendenkmäler, die wir bergen und damit zerstören müssen“, bedauert Archäologe Kay-Peter Suchowa vom AMH. „Sie stören die Bauarbeiten. In meinen fast 40 Berufsjahren habe ich es noch nie erlebt, dass Funde als so bedeutend eingeschätzt wurden, dass für ihren Erhalt die Arbeiten gestoppt oder anders durchgeführt wurden.“ Von der alten Pflasterstraße war auch vor diesem Eingriff nur wenig übrig geblieben. Diverse Leitungsbauarbeiten hatten ihr bereits zugesetzt.

Suchowa greift in den Kofferraum des Museumsbusses, in dem, nach Fundorten sortiert, mehrere Scherbenhäuflein liegen: „Das hier ist chinesisches Porzellan aus dem 18. Jahrhundert. Es zeigt, dass hier durchaus wohlhabende Leute wohnten. Obere Mittelschicht.“ Älter kann das Fundstück nicht sein, weil zuvor solches Porzellan hierzulande nicht vorhanden war. Zudem lag die Scherbe in einer Bodenschicht, die dem 18. Jahrhundert zuzuordnen sei.

Bodenschichten Zeugen vom großen Stadtbrand 1396

Eine weit ältere Schicht fällt sofort ins Auge: Sie ist pechschwarz und zeugt vom großen Stadtbrand anno 1396. Suchowa sagt: „Damals hatte Hamburg den lästigen Konkurrenten Harburg niedergebrannt.“ Das finde man bei jeder Grabung im Binnenhafen. Die alten Feldsteinmauern seien interessanter: „Sie zeigen, wo genau die Häuserzeile verlief, die beim Festungsbau Mitte des 17. Jahrhunderts abgerissen wurde.“ Weitere Erkenntnisse könnten folgen, denn die Archäologen werden mindestens noch zwei bis drei Wochen vor Ort sein.

( hi )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Harburg