Bezirks Harburg

Harburger Politiker wehren sich gegen Velorouten-Pläne

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Lars Hansen
Zwischen Schlossmühlendamm und Wilstorfer Straße soll der Harburger Ring einmal mehr umgebaut werden: Verkehrsinseln, Radspuren auf der Fahrbahn und neue Busbuchten brauchen Platz. Dafür sollen Bäume weichen.

Zwischen Schlossmühlendamm und Wilstorfer Straße soll der Harburger Ring einmal mehr umgebaut werden: Verkehrsinseln, Radspuren auf der Fahrbahn und neue Busbuchten brauchen Platz. Dafür sollen Bäume weichen.

Foto: Lars Hansen / xl

Die Pläne für die Veloroute 11 stoßen im Bezirk auf harsche Kritik – doch eine Entscheidung muss schon bald fallen.

Hamburg.  Die Pläne des Landesbetriebs Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) für die Führung der Veloroute 11 (Hamburger Rathaus – Eißendorf) über den Harburger Ring stießen schon vor viereinhalb Jahren auf wenig Gegenliebe bei den Harburger Verkehrspolitikern: Zu viele Bäume sollen weichen, und auch die parallele Führung von Rad- und Busspuren wurde kritisch gesehen. Jahrelang hörte man nichts mehr aus dem LSBG. Dessen langjährige Radverkehrsplanerin Heinke Wiemer wechselte ins Bezirksamt Wandsbek. Der LSBG verschob große Teile der Veloroutenplanung im Süden an das Bezirksamt Harburg. Jetzt legte das Bezirksamt dem Harburger Mobilitätsausschuss unter dem Tagesordnungspunkt „Mitteilungen“ überraschend seine aktuelle Planung für den Harburger Ring vor. Es sind im Wesentlichen noch die des LSBG von vor viereinhalb Jahren. Die Bezirkspolitiker reagierten verärgert. Die Vertreter des Bezirksamts erzeugten Zeitdruck: Wenn nicht in diesem Jahr begonnen wird, fällt der Umbau des Herbert-Wehner-Platzes wahrscheinlich aus.

Der Radverkehr zwischen Wilstorfer Straße und Schlossmühlendamm verläuft seit jeher über den Harburger Ring, wenn auch derzeit unterbrochen durch die Harburg-Center-Baustelle. Die Radwege aus den 1980er-Jahren würden aber modernen Standards nicht genügen, hatten schon LSBG-Planerin Heinke Wiemer und Verkehrsplaner Daniel Reinke vom Ingenieurbüro Münster seinerzeit referiert: Sie seien untermaßig, unterdimensioniert, unstet und defekt. Vor allem aber verliefen sie im Wartebereich von Bushaltestellen und oft sogar im Ein- und Aussteigebereich von Bussen.

Die Veloroute soll am Harburger Ring auf der Fahrbahn verlaufen

Die Lösung der Planer ist die Verlagerung des Radverkehrs auf die Fahrbahn. Dort sollen Radfahrstreifen markiert werden. Ganz ohne Konflikte mit dem Busverkehr ist auch das nicht, moniert die Bezirkspolitik, zumal am Ring auch noch zwei neue Bushaltestellen in Richtung Harburg Rathaus geplant sind: Eine für die Busse aus dem Harburger Osten in Richtung Eißendorf und Hausbruch an alter Stelle vor dem Harburg-Center-Neubau und eine für alle anderen Linien vor dem Gesundheitszentrum. „Jedes Mal, wenn ein Bus hier hält, muss er den Radstreifen kreuzen und wenn er abfährt, noch einmal“, sagt Frank Wiesner, Verkehrsexperte der SPD. „das ist unglücklich gelöst.“

Der Fahrplan bestätigt Wiesners Skepsis. In der Spitzenstunde zwischen 16 und 17 Uhr würden schon nach jetzigem Fahrplan 54 Busse stündlich die Haltestelle Harburger Ring anfahren und wieder abfahren. Innerhalb einer Stunde müsste also 108-mal ein Bus die Radspur kreuzen – nahezu alle 30 Sekunden. Dabei sollen sowohl Busfrequenz als auch Radfahrerquote noch steigen, hoffen die Vordenker der Verkehrswende. „Entweder müssen die Busfahrer dann lange in der Busbucht warten, bis die Radspur frei ist, oder sie zwingen die Radfahrer zum Bremsen“, kritisiert Wiesner.

Von 55 Bäumen, die gefällt werden sollen, ist die Rede – da gibt es Protest

Kritisiert wurde auch, dass für den insgesamt breiter werdenden Harburger Ring Bäume gefällt werden sollen. „Das machen wir nicht mit“, sagte der FDP-Abgeordnete Oliver Hinners, „da geht der Alleen-Charakter verloren!“

Wie viele Bäume es insgesamt würden, konnten die Bezirksamts-Referent Przemyslaw Amroziewicz und Ralf Küpper nicht spontan beantworten: Sie waren an diesem Termin für erkrankte Vorgesetzte eingesprungen. Für die gesamte Strecke Moorstraße bis Finanzamt hatte der LSBG vor vier Jahren 55 Bäume genannt und 62 Neupflanzungen in Aussicht gestellt.

Eine Entscheidung drängt, wegen der Sanierung des Herbert-Wehner-Platzes

Die Information erfolge jetzt, so Amroziewicz, damit gleich nach der Sommerpause entschieden werden kann. „Die Stadtteilsanierungsmittel für den Herbert-Wehner-Platz sind nur zeitlich befristet genehmigt. Weil der Platz direkt am Ring liegt, müssen wir zumindest an dieser Stelle eine Planung aus einem Guss erstellen“, sagte er. „Ab 2022 wird der Straßen-Doppelknoten am Bahnhof saniert und wir werden in dieser Zeit keine weitere Baustelle in der Innenstadt eröffnen. Nach der Doppelknoten-Sanierung wäre das Geld für den Herbert-Wehner-Platz verfallen.“

Parallel entsteht die Rahmenplanung für die Harburger Innenstadt

„Wenn wir jetzt unter Zeitdruck einen Abschnitt genehmigen, sind damit die Weichen für den Rest des Rings gestellt“, mahnt Frank Wiesner. „Dabei wird gerade der Rahmenplan Harburger Innenstadt erstellt, inklusive eines Verkehrsgutachtens. Wer weiß: Vielleicht wird da für den Ring etwas ganz anderes empfohlen, als diese Planung aus vergangenen Zeiten!“

Eine Neuerung soll es im neuen Plan zum Ring übrigens doch geben: Drei Sprunginseln zur sicheren Fußgängerquerung. Darauf besteht die Polizei.

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