Verkehrsknoten

Umbau am ZOB: Hamburger Hochbahn will Vollsperrung vermeiden

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Lars Hansen
Der Harburger Busbahnhof (rechts) und der stark frequentierte „Doppelknoten“ sollen über mehrere Jahre erneuert werden. Baubeginn ist 2022.

Der Harburger Busbahnhof (rechts) und der stark frequentierte „Doppelknoten“ sollen über mehrere Jahre erneuert werden. Baubeginn ist 2022.

Foto: Lars Hansen / xl

Pläne für die Sanierung am Harburger Bahnhof machen Behinderungen unumgänglich, doch lassen sich die Arbeiten offenbar besser koordinieren.

Harburg.  Die vollständige Sperrung des Harburger Busbahnhofs, notwendig wegen der umfangreichen Arbeiten für seine Erweiterung, kommt ein Jahr später als angekündigt und verkürzt sich obendrein um ein Jahr. Das hat Hochbahn-Sprecherin Constanze Dinse auf Abendblatt-Anfrage bekannt gegeben. An der Gesamt-Bauzeit von drei Jahren für die Erweiterung und dem geplanten Baustart 2022 ändert sich jedoch nichts.

Mit Einschränkungen im täglichen Betrieb ist deshalb ab dem nächsten Jahr doch schon zu rechnen. „Wir koordinieren unsere Baustelle an der Busumsteigeanlage so mit der Straßensanierung des Harburger Doppelknotens, dass wir 2022 zunächst die südliche Hannoversche Straße angehen“, sagt Dinse. „Das wird in verschiedenen Bauphasen erfolgen und das ganze Jahr dauern. In dieser Zeit wird die bestehende Anlage aber so weit wie möglich benutzbar sein.“

Die Vollsperrung soll vermieden werden, doch wie genau, steht noch nicht fest

Ziel sei es, das Umsteigen zwischen den einzelnen Buslinien sowie zwischen Bus und Bahn möglichst lange, möglichst einfach zu halten. „Wir überlegen auch bereits, wie wir das schaffen, wenn wir ab 2023 das Rondell umbauen“, sagt Dinse. „Wir können derzeit aber noch keine Prognose abgeben, ob und wie das gehen wird.“

Bislang hieß es seitens der Hamburger Hochbahn AG, dass die Busanlage an der S-Bahn-Haltestelle Harburg während der gesamten dreijährigen Bauzeit nicht nutzbar sein würde und man demnächst im Mobilitätsausschuss der Bezirksversammlung eine alternative Linienführung des Harburger Busverkehrs für die Bauzeit vorstellen wolle.

Busbahnhof ist seit Jahren an seiner Leistungsgrenze – Entlastung ist überfällig

Der Harburger Busbahnhof ist an seiner Leistungsgrenze angekommen. Um noch mehr Fahrgäste abfertigen zu können, soll er um eine längliche Businsel in der Hannoverschen Straße, parallel zum jetzigen Umsteigerondell erweitert werden, an welcher die Busse der Linien halten, die den Bahnhof nur als Durchgangsstation haben. Diese Lösung gefällt nicht jedem Harburger Verkehrspolitiker. Kritisiert wird vor allem, dass ausgerechnet für die Fahrgäste der meistbenutzten Linien dadurch die Umsteigewege verlängert werden. Außerdem befürchten sie, dass die meisten Fahrgäste die Satelliten-Businsel nicht, wie von den Planern vorgesehen, über eine Unterführung ansteuern werden, sondern oben die Fahrbahn überqueren. Fahrgäste mit Mobilitätseinschränkungen müssen dies ohnehin tun, denn der Niedergang von der Außeninsel wird nicht barrierefrei angelegt.

Harburgs Verkehrspolitiker hatten deshalb gefordert, dass die Satelliteninsel näher am Hauptrondell geplant wird. In der bisherigen Planung wird nämlich an beiden Seiten des neuen Bussteigs der normale und nicht eben geringe Durchgangsverkehr der Hannoverschen Straße vorbeigeführt. „Wenn man die Insel nicht verschieben kann, sollte man hier wenigstens Tempo 30 anordnen“, sagt Michael Sander (Grüne), Vorsitzender des Mobilitätsausschusses. Einen entsprechenden Antrag hatte die Bezirksversammlung dann auch beschlossen.

Die Außeninsel bleibt an ihrer geplanten Stelle und Tempo 30 gibt es dort auch nicht

Während die Nachricht von der kürzeren, wenn nicht gar entfallenden Sperrung die Verkehrspolitiker freuen dürfte, werden ihnen deshalb diese Worte aus der ebenfalls an den Planungen beteiligten Verkehrsbehörde nicht gefallen: Es wird keine Planung geben, in der die Außeninsel näher ans Rondell rückt. „Die gefundene Lösung in der Hannoverschen Straße ist bestgeeignete, um die Kapazität des ZOB Harburgs steigern zu können sowie eine gute und sichere Radverkehrsführung zu ermöglichen“ heißt es in einer Stellungnahme der Fachbehörde zu dem Antrag. „Um die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Knotenpunktes Buxtehuder Straße/Hannoversche Straße mit einer angemessenen Qualitätsstufe aufrechtzuerhalten, ist eine Änderung leider nicht möglich.“

Auch Tempo 30 will die Behörde nicht anordnen: „Für eine Geschwindigkeitsreduzierung liegen die rechtlichen Voraussetzungen nicht vor“, heißt es in der Stellungnahme. „Um ein gefährliches Queren zwischen den Furten zu verhindern, werden hier zusätzlich Schutzgitter vorgesehen“.

Der SPD-Verkehrsexperte Frank Wiesner ist verärgert: „Das bedeutet doch, dass der Verkehr mit Vollgas durch den Busbahnhof fahren darf“, sagt er. „Tagsüber ist das wahrscheinlich weniger gefährlich, weil der dichte Verkehr die Autos nicht so schnell vorankommen lässt, aber abends können sich hier Gefahrensituationen ergeben!“

Entwickelt sich die Stelle tatsächlich zu einem Unfallschwerpunkt, dürfte wiederum Tempo 30 angeordnet werden. „Das ist doch widersinnig“, ärgert sich Michael Sander. „Da müssen erst Menschen zu Schaden kommen, damit man Schutzmaßnahmen ergreift, mit denen man den Unfall von vornherein hätte verhindern können!“

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