Grundsanierung

Finanzspritze aus Berlin zur Kirchturmsanierung in Harburg

Der Kirchturm St. Johannis steht nur noch als Stahlbeton-Gerippe da. Der Stahl ist dauerhaft beschädigt.

Der Kirchturm St. Johannis steht nur noch als Stahlbeton-Gerippe da. Der Stahl ist dauerhaft beschädigt.

Foto: Angelika Hillmer

Der Turm von St. Johannis an der Bremer Straße sollte abgerissen werden. Jetzt gibt der Bund 750.000 Euro für seinen Erhalt.

Harburg.  Das Schicksal des Kirchturms St. Johannis an der Bremer Straße schien besiegelt: Seine Bausubstanz ist so marode, dass nur eine Grundsanierung mit geschätzten Kosten von rund 1,5 Millionen Euro ihn retten könnte. Da die Gemeinde Harburg-Mitte und der Kirchenkreis Hamburg-Ost dieses Geld nicht aufbringen können, stellten sie einen Abrissantrag, den der Bezirk auch genehmigt hat. Nun könnte sich das Blatt wenden: Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat 750.000 Euro für die Turmsanierung frei gegeben.

„Wir sind von der Entscheidung überrascht worden“, sagt Pastorin Sabine Kaiser-Reis. Sie ist als Vorsitzende des Kirchengemeinderats an den Diskussionen um die Sanierung des gesamten Gebäudekomplexes federführend beteiligt. Natürlich begrüßt sie die Geldzusage aus Berlin, betont aber: „Uns fehlen jetzt immer noch 750.000 Euro.“ Zwar waren aus dem Gesamtetat von zwei Millionen Euro zur Sanierung der 1950er-Jahre-Bauten allein 800.000 für den Turm kalkuliert worden. Sie würden rechnerisch die Finanzlücke füllen. Aber ein Großteil des Geldes sei bereits ausgegeben, so Kaiser-Reis. Wie viel es genau ist, werde gerade ermittelt.

Schließlich wurden bereits die Glockenstube und die Glasfenster entfernt, ein großer Baukran war im Einsatz, um den Turm einzurüsten, und die Bausubstanz wurde eingehend untersucht. Das daraus entstandene Gutachten war im Herbst 2019 so vernichtend, dass die Arbeiten am Turm gestoppt und das Baugerüst demontiert wurden. Im Zuge der ersten Sanierungsarbeiten seien „weitaus größere Probleme aufgetaucht, als wir erwartet hatten“, berichtete Andreas Harriefeld, Leiter der Abteilung Bau und Sicherheit im Kirchlichen Verwaltungszentrum, im September 2020 dem Harburger Stadtentwicklungsausschuss. Die Turmsanierung sei unverhältnismäßig teuer, sagte der Architekt.

Der Eigenanteil ist immer noch viel zu hoch

Auch deshalb ist die Gemeinde Harburg-Mitte unschlüssig, ob sie das „Geschenk“ aus Berlin annehmen und sich um die Kofinanzierung der fehlenden Baukosten bemühen sollte. „Wir werden uns jetzt mit dem Kirchenkreis beraten, wie wir mit der neuen Situation umgehen werden“, sagt Kaiser-Reis. Dabei werde eine große Rolle spielen, dass es mit der einmaligen Grundsanierung nicht getan sei: „Nach dem Gutachten müssten wir in den nächsten 30 Jahren jedes Jahr 20.000 Euro für den Erhalt des Turmes zur Seite legen. Schon in zehn bis 15 Jahren wäre wohl die nächste Sanierung fällig. Für sie wäre dann eine halbe Million Euro einzuplanen.“

Der Harburger SPD-Bundestagsabgeordnete Metin Hakverdi sowie die Hamburger CDU-Abgeordneten Rüdiger Kruse und Marcus Weinberg haben als Mitglieder des Haushaltsausschusses im Bundestag gut 40 Millionen Euro für Bauprojekte nach Hamburg geholt, darunter die 750.000 Euro für den Kirchturm St. Johannis. Finanzsenator Andreas Dressel hatte vergangene Woche zugesichert, die für die Projekte notwendigen Kofinanzierungen bereitzustellen.

Auch Ralf-Dieter Fischer, Vorsitzender der Harburger CDU-Fraktion, hat angekündigt, sich für St. Johannis stark zu machen. „Anfang Januar haben wir einen Termin mit Herrn Fischer“, sagt Kaiser-Reis. Mit der Turmsanierung liegen weitere Projekte auf Eis. Denn die Dächer der Nebengebäude und die Neugestaltung der Außenanlagen können erst in Angriff genommen werden, wenn das Schicksal des Turms geklärt ist.

Freiluft-Andachten

Heiligabend plant die Gemeinde Harburg-Mitte drei Open-Air-Andachten auf dem Schwarzenberg. Um 14.30 Uhr sind Kinder und ihre Familien besonders herzlich eingeladen.
Um 16 Uhr ist eine Christvesper mit vertrauten Liedern und Texten geplant. Die dritte Andacht wird um 17.30 Uhr eine Ökumenische Christvesper, bei der der neue katholische Pfarrer Stefan Langer dabei sein wird.

Festliche Beleuchtung , Laternen und Musik sollen für Weihnachtsstimmung sorgen. Dazu werden der Heimfelder Posaunenchor und der Posaunenchor Harburg spielen. Die Harburger Schützengilde leistet logistische Unterstützung. Die Pastoren und Gemeindemitarbeiter versprechen „frische Luft und genug Platz für alle“.