Hallenbad

70er-Jahre-Technik sorgt für Ärger

Das Neu Wulmstorfer Hallenbad soll grundsaniert werden.

Das Neu Wulmstorfer Hallenbad soll grundsaniert werden.

Foto: HA

Gemeinderat Neu Wulmstorfwill jetzt gefährliche Straßenlampen austauschen und das Hallenbad grundsanieren.

Neu Wulmstorf.  Kaum war nach den Sommerferien das Neu Wulmstorfer Freibad wieder geschlossen, machte die Steuerungsanlage im Hallenbad des Ortes schlapp. Noch bis Mitte oder sogar Ende Oktober werde die Reparatur jetzt andauern, solange bleibe das Bad geschlossen, kündigte Bürgermeister Wolf Rosenzweig (SPD) jetzt während der jüngsten Sitzung des Gemeinderates am Donnerstag an.

Aber auch eine andere Technik aus den 1970er-Jahren führt in Neu Wulmstorfer derzeit immer wieder zu Ärger und wurde daher Thema der Sitzung: Die Straßenbeleuchtung im Kernort fällt mancherorts regelmäßig aus. Mehr noch: Manche der besonders anfälligen, alten Lampen könnten auch gefährlich werden, heißt es in einer Vorlage der Verwaltung. Es sei nicht auszuschließen, „dass die Masten ungewollt unter Spannung stehen und die Bevölkerung gefährden“.

Zurzeit besonders betroffen ist offenbar die Ludwig-Uhland-Straße, wo in diesem Jahr bereits elf Totalausfälle gemeldet worden seien. 17 Straßenlampen vom „Typ Geesthacht“ sollen daher dort jetzt nach einem einstimmigen Ratsbeschluss vorzeitig in einem Rutsch gegen neue Lampen ausgetauscht werden. Zumal es dafür gar keine Ersatzteile mehr gebe. Dieser Typ gilt mittlerweile als besonders anfällig, begünstigt durch die Bogenform des Mastes gelange leicht Feuchtigkeit in die Leuchte, vor allem wenn Dichtungen defekt sind. Auch die Verkabelung sei dort oft marode und löse sich förmlich auf. Für 40.000 Euro will die Gemeinde daher jetzt zunächst die Lampen in dieser besonders betroffenen Straße austauschen.

Kernsanierung ist beschlossene Sache

CDU-Fraktionschef Malte Kanebley machte jedoch darauf aufmerksam, dass es auch immer wieder Klagen über ausgefallene Straßenlampen an anderen Bereichen Neu Wulmstorfs gebe. Tatsächlich sind solche Ausfälle im Internet-Portal der Gemeinde unter dem Stichwort „Bürgertipps“ vielfach aufgeführt. Und auch in den sozialen Medien kursiert derzeit eine Art Offener Brief, der ständige Ausfälle beklagt. Kanebley begrüßte daher, dass jetzt mit der Ludwig-Uhland-Straße einmal ein ganzer Straßenzug angegangen wird: „Statt Flickwerk sollten wir häufiger eine solche Kernsanierung vornehmen, das ist am Ende günstiger“, argumentierte er.

Eine solche „Kernsanierung“ hat der Rat dann am Donnerstag auch für das in den 1970er-Jahren gebaute Hallenbad der Gemeinde beschlossen. Wie berichtet, sind dazu von Bund und Land Fördergelder in Aussicht gestellt worden. Voraussetzung für die Gewährung des Geldes ist aber ein eindeutiger Beschluss der Gemeinde, selbst Geld in die Hand zu nehmen, um das Bad zu sanieren. Und das hat der Gemeinderat jetzt auch so einstimmig beschlossen. Mit 2,4 Millionen Euro wird die Sanierung kalkuliert, nach Abzug der Fördermittel müsste die Gemeinde noch 917.364 Euro selbst finanzieren.

Zukunft des Neu Wulmstorfer Freibades ist noch offen

Was gerade wegen der möglichen Steuerausfälle durch die Corona-Pandemie zu einer großen Belastung des Haushalts führen könne, wie Grünen-Ratsfrau Sonja Stey warnte, die aber dennoch dem Sanierungsbeschluss zustimmte. UWG-Fraktionschef Jan Lüdemann – der in der Sitzung vom Niedersächsischen Städte-und Gemeindebund für seine 20-jährige Ratsmitgliedschaft geehrt wurde ­– erinnerte indes daran, dass zu Beginn seiner Ratstätigkeit das Hallenbad schon einmal umfangreich saniert worden sei.

„Nun hoffen wir, dass es für weitere 20 Jahre dieses Angebot in der Gemeinde gibt.“ Denn jedes Kind müsse im Ort das Schwimmen lernen können, so Lüdemann. Auch Sprecher anderer Fraktionen begrüßten den Grundsatzbeschluss zur Sanierung des Bades. „Wir sind sehr froh darüber, denn genau das ist unser politischer Wille“, sagte etwa SPD-Ratsherr Jürgen Waszkewitz.

Ähnlich äußerte sich auch CDU-Fraktionschef Kanebley und warnte vor weiteren Bad-Plänen, etwa dem immer wieder in Neu Wulmstorf diskutierten Vorschlag, ein komplett neues Kombibad mit Frei- und Hallenbad zu bauen: „Wir geben jetzt sehr viel Geld aus – das muss dann aber auch das Ende aller Kombibadpläne sein.“

Offen ist zudem, was mit dem Neu Wulmstorfer Freibad passiert. Der Beschluss zur Grundsanierung betrifft jetzt zunächst lediglich das Hallenbad. Aber auch im Freibad macht eine alte Technik immer wieder Sorgen. Und auch hier stünde eine teure Sanierung an – wenn man es denn weiterbetreiben will. Laut einem Gutachten von 2017 müssten dort mittelfristig von Neu Wulmstorf sogar gut drei Millionen Euro in eine Sanierung investiert werden.

Einstimmig beschlossen

Die Kita-Beiträge für Mai und Juni sollen Neu Wulmstorfer Eltern erlassen werden. Das hat der Rat der Gemeinde einstimmig beschlossen. Grund ist der Ausfall der Betreuung wegen der Corona-Beschränkungen in dieser Zeit. Ausgenommen davon sind lediglich Beiträge, die während der Notfallregelung für tatsächlich in Anspruch genommene Betreuung erhoben wurden. Eigentlich kalkuliert die Gemeinde mit Elternbeiträgen von 64.633 Euro im Monat. Der jetzt beschlossene Ausfall soll aus dem kommunalen Hilfsprogramm ausgeglichen werden, das das Land Niedersachsen aufgestellt hat. 230.000 Euro kann die Gemeinde nach eigener Berechnung daraus erwarten. ​