Ruhige Wohngegend?

Anwohner genervt: Lastwagen irren durch Ohlendorf

Das Aldi-Logistikzentrum verlässt Ohlendorf. Doch Schilder zeigen: Auch am neuen Standort in Stelle ist es nicht jedem willkommen.

Das Aldi-Logistikzentrum verlässt Ohlendorf. Doch Schilder zeigen: Auch am neuen Standort in Stelle ist es nicht jedem willkommen.

Foto: Thomas Rieckmann / BUND Stelle

Die Seevetaler wollen Suchfahrten von Aldi-Zulieferern in ihrem Wohngebiet nicht mehr länger hinnehmen.

Ohlendorf.  Karl-Heinz Wellbrock lebt in einer ruhigen Wohngegend in Ohlendorf, eine 30er-Zone, mit großen Grundstücken und offenen Vorgärten. Seit drei Jahrzehnten ist der heute 83-Jährige hier zu Hause, und seit drei Jahrzehnten verirren sich immer wieder Lastwagen in die Wohnstraßen. Die Zulieferer wollen zum Aldi-Zentrallager und steuern die Straße Osterberg an. Doch hier landen sie nur in einer Sackgasse.

„Das passiert mehrmals in der Woche, manchmal mehrmals am Tag und auch nachts“, sagt Wellbrock, der an der Straße Brenneick wohnt. „Die Fahrer müssen dann hier wenden, das ist umständlich und laut.“ Warum es immer wieder zu diesen Irrfahrten kommt, kann er sich leicht erklären. Bis vor einigen Jahren hatte das Aldi-Lager die offizielle Adresse Osterberg 11. Dieses Grundstück liegt tatsächlich am Ende der Sackgasse, ist aber von dieser Seite aus nicht zugänglich.

Zwar hat das Unternehmen seine Adresse mittlerweile geändert, die Lkw-Fahrer müssten korrekterweise die Ohlendorfer Straße ansteuern. Trotzdem werden einige offenbar von ihren Navigationsgeräten weiterhin in das Wohngebiet geleitet. Bemerken sie ihren Irrtum, beginnen sie zu rangieren und den richtigen Weg zu suchen.

Es sei auch schon vorgekommen, dass ein Fahrer bei Anwohnern geklingelt habe, sagt Hannelore Eberhardt, die nahe am Ende der Sackgasse wohnt. Im Haus gegenüber wohnt seit einigen Monaten Andreas Waldheim mit seiner Frau. Er arbeitet oft in seinem Büro zu Hause und erzählt, dass er auch von sich auch manchmal helfe. Die Fahrer, die oft aus anderen Ländern kämen, täten ihm leid. Sie hätten sichtbar Probleme beim Wenden und verlören dabei wichtige Zeit auf ihrer Tour.

Für viele Lastwagenfahrer ist das Schild zu unauffällig

„Uns stört natürlich der Lärm, aber die haben es auch nicht leicht. Das ist für alle nicht schön“, sagt Waldheim. Mehrere Anwohner haben sich deshalb immer wieder bei Aldi gemeldet und darum gebeten, dass die fehlgeleiteten Fahrten verhindert werden. Das Unternehmen hat bereits ein Hinweisschild an der richtigen Zufahrt angebracht. Es weist in Pfeilform auf das Zentrallager hin und zeigt das blaue Aldi-Logo. Fahrzeuge, die von der Autobahn abfahren, müssten kurz danach rechts abbiegen.

Immer wieder fahren Lkw aber an dieser Zufahrt und dem Schild zunächst vorbei und biegen erst am Wohngebiet ab. Das Schild sei zu klein und zu niedrig angebracht, meinen die Nachbarn, es werde offenbar vor allem im Dunkeln von den Kraftfahrern übersehen. Er habe bei Aldi deshalb in den vergangenen Jahren schon mehrmals darum gebeten, dass die Beschilderung verbessert und die Fahrer der Zulieferer richtig informiert werden, sagt Karl-Heinz Wellbrock. Auch in den Ortsrat habe er das Thema eingebracht. Alles jedoch ohne ein Ergebnis, das wirklich Entlastung gebracht hätte.

Aldi bestätigt, dass in der Vergangenheit Lkw fehlgeleitet wurden. Das Problem sei über die Gemeinde an das Unternehmen herangetragen worden, sagt Aldi-Sprecher Axel vom Schemm. Die Regionalgesellschaft habe daraufhin ihre Firmierung in „Ohlendorfer Straße“ geändert und alle Lieferanten entsprechend informiert. „Die große Beschilderung unmittelbar neben der Autobahnausfahrt weist auch deutlich und gut sichtbar den richtigen Weg zu unserem Betriebsgelände“, so der Sprecher. Ein größeres Schild sei aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Aldi werde seine Lieferanten nun jedoch noch einmal informieren.

Auch in Stelle gibt es schon massive Kritik am Aldi-Projekt

Karl-Heinz Wellbrock will sich nicht hinhalten lassen. Auch wenn Aldi sein Zentrallager in wenigen Jahren nach Stelle verlegt, sei für die Situation in Ohlendorf eine Lösung notwendig, meint er. Es ärgere ihn, wenn das Unternehmen im Zuge der Neubaupläne und dem mit dem Lager verbundenen Verkehr in Stelle eine verträgliche Lösung verspreche. „So anwohnerfreundlich, wie Aldi sich jetzt dort gibt, ist es ganz offensichtlich nicht. Bei uns hat die Vergangenheit gezeigt, dass trotz Versprechen nichts geschieht.“

Das Unternehmen Aldi verlässt nach rund 50 Jahren die Gemeinde Seevetal. Das bisherige Logistiklager in Ohlendorf entspricht nicht mehr den technischen Anforderungen. Deshalb soll in Stelle ein neues Zentrallager entstehen. Auf einem 17 Hektar großen Grundstück an der Harburger Straße in Stelle will Aldi ein Gebäude errichten, das mit 42.500 Quadratmetern etwas kleiner als das bisherige ist.

An dem Projekt gibt es massive Kritik

Anfang kommenden Jahres sollen die vorbereitenden Arbeiten auf dem Grundstück beginnen. Zuvor muss jedoch noch der Steller Gemeinderat den dafür notwendigen Bebauungsplan aufstellen und der Landkreis Harburg eine Baugenehmigung ausstellen. Der Umzug von Ohlendorf nach Stelle könnte, so die Planung von Aldi, im ersten Quartal 2023 erfolgen.

An dem Projekt gibt es massive Kritik aus Stelle. Gegner befürchten unter anderem Nachteile für die Umwelt und überlastete Straßen durch den Zuliefererverkehr. Auch dass ein Jahrtausende altes Hügelgrab für den Bau zerstört werden müsste, sorgt für Unmut. Aldi hat zugesagt, im Gegenzug ein anderes Hügelgrab aufzuwerten. Auch seine Gewerbesteuerzahlungen, die wegen Investitionen in die Modernisierung der Filialen eingebrochen waren, würden sich in den kommenden Jahren wieder normalisieren.