Landkreis Harburg

Aldi rechnet Anfang 2021 mit Baubeginn des Lagers in Stelle

So soll das Aldi Logistikzentrum in Stelle einmal aussehen. Das 14,3 Meter hohe Gebäude wird bis zu sechs Meter eingegraben.

So soll das Aldi Logistikzentrum in Stelle einmal aussehen. Das 14,3 Meter hohe Gebäude wird bis zu sechs Meter eingegraben.

Foto: ALDI Nord / HA

Das Zentrallager soll nach zwei Jahren Bauzeit in Betrieb gehen. Baugenehmigung durch den Landkreis noch in diesem Jahr?

Seevetal/Stelle.  Die Arbeiten für den Bau eines neuen Aldi-Zentrallagers in Stelle könnten schon Anfang kommenden Jahres beginnen. Das Unternehmen rechnet damit, im Laufe dieses Jahres eine Baugenehmigung zu erhalten und dann mit den Vorbereitungen am neuen Standort zu beginnen. Bisher beliefert Aldi seine Filialen von Ohlendorf aus. Dort hatte sich das Unternehmen vor rund 50 Jahren angesiedelt.

An dem Bauvorhaben, für das die Gemeinde zurzeit einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan vorbereitet, gibt es massive Kritik. Gegner des Projekts befürchten unter anderem Nachteile für die Umwelt, Zerstörung eines Hügelgrabs sowie überlastete Straßen. Darüber hinaus werfen sie Aldi vor, kaum Gewerbesteuer zu zahlen.

Aldi äußert sich zu Kritikpunkten

Im Gespräch mit dem Abendblatt äußert sich Alexander Schwarz, Senior Manager Logistics Development bei der Aldi Immobilienverwaltung IMV, Bauherr des Projekts, zu den Kritikpunkten. „Das Lager in Seevetal entspricht nicht mehr den heutigen technischen Anforderungen“, sagt Schwarz.

Zudem sei dort wegen der sehr nahe gelegenen Wohnhäuser kein Betrieb rund um die Uhr möglich – ein entscheidender Vorteil des geplanten Neubaus. Deshalb wurden seit 2014 zunächst mit der Gemeinde Seevetal Gespräche geführt. Es fand sich jedoch keine geeignete Fläche, Aldi wurde schließlich in Stelle fündig.

Gebäude wird 42.500 Quadratmeter groß

Auf dem 17 Hektar großen Grundstück an der Harburger Straße soll ein Gebäude entstehen, das mit 42.500 Quadratmetern etwas kleiner als das bisherige ist. Auf dem Dach ist eine Photovoltaikanlage geplant. Eine genaue Investitionssumme will Aldi nicht nennen. Mieter wird die Aldi Nord Regionalgesellschaft Seevetal. Dass das Unternehmen 2018 und 2019 keine Gewerbesteuer gezahlt hat, liegt laut Schwarz an einem umfassenden Modernierungsprogramm.

Nach und nach werden alle Filialen von Aldi Nord erneuert. Die dafür notwendigen Investitionen verringerten den Gewinn, sodass Aldi keine Gewerbesteuer zahlen musste, sondern vielmehr einen sogenannten Verlustvortrag geltend machte. Dieser kann mit künftigen Gewinnen verrechnet werden, allerdings nicht unbeschränkt.

„Da lediglich in zwei Jahren Gewerbeverluste erzielt wurden, könnte der Verlustvortrag bereits durch ein oder wenige Gewinnjahre aufgebraucht sein“, sagt Schwarz. „Im für alle besten Fall bereits durch potenzielle Gewinne des Jahres 2020.“

Das Modernisierungsprogramm sei bereits zu 80 Prozent abgeschlossen. Zudem werde sich der Umsatz künftig erhöhen. Im kommenden Jahr übernimmt die Seevetaler Regionalgesellschaft 23 Märkte, die bisher aus einem Lager in Beverstedt beliefert werden. „Wir sind ein gesundes Unternehmen und gehen davon aus, dass sich unsere Gewerbesteuerzahlungen wieder normalisieren“, betont Schwarz „Allein in der Zeit von 2007 bis 2017 betrug der Gewerbesteueranteil, der an die Gemeinde Seevetal gegangen ist, durchschnittlich 450.000 Euro pro Jahr.“ Im Laufe der vergangenen fünf Jahrzehnte habe Aldi sogar einen zweistelligen Millionenbetrag gezahlt.

Hügelgrab wird dokumentiert und katalogisiert

Kritik gibt es auch daran, dass für den Neubau ein etwa 3000 Jahre altes Hügelgrab zerstört werden soll. Dieses sowie alle weiteren archäologischen Funde werden nun von einem Archäologen katalogisiert und dokumentiert. „Um das kulturelle Erbe der regionalen Hügelgräber zu erhalten und erfahrbar zu machen, wird außerdem ein bislang unerschlossenes Hügelgrab in der Nähe aufgewertet“, sagt Schwarz. Geplant seien unter anderem ein Weg und Hinweisschilder.

Zu den vorgeschriebenen Ausgleichsmaßnahmen zählt auch die Begrünung einer Fläche, etwa dreimal so groß wie das geplante Logistikzentrum. So sollen Laubbäume und andere Pflanzen auf dem Parkplatz und auf Freiflächen gepflanzt werden. Zusammen mit einem 30 Meter breiten Waldsaum entstehe auf diese Weise ein angemessener Schutzabstand zum Waldrand, so Schwarz.

Auch der Verkehr werde nicht unzumutbar zunehmen. Auf einer Internetseite zu dem Bauvorhaben verweist Aldi auf eine Verkehrszählung: Entlang der Harburger Straße fahren demnach täglich etwa 13.500 Fahrzeuge, davon etwa 1650 Lastwagen, auf dem Uhlenhorst rund 5200 Fahrzeuge, davon etwa 1550 Lkw. Am jetzigen Standort in Ohlendorf sind es 538 Fahrten täglich, für die Märkte aus Beverstedt kämen noch einmal 220 Fahrten hinzu. Diese Anzahl könne vom Straßennetz bewältigt werden.

Zum großen Kreisverkehr gibt es keine Alternative

Auch zu dem besonders großen geplanten Kreisverkehr gibt es laut Schwarz keine Alternative. Damit an der Stelle jegliche Lkw um die Kurve kommen, sei die Größe planungsrechtlich vorgegeben. „Das hat nichts mit unseren Fahrzeugen zu tun, sondern ist dem Zuschnitt der Straße geschuldet.“ Er betont, dass alle Gutachten in dem Prozess zwar von Aldi bezahlt, jedoch durch die Gemeinde ausgewählt und beauftragt würden. Aldi sei stets zudem dialogbereit gewesen und habe die Planung mehrfach angepasst.

Aufgrund der Einwendungen von Bürgern sei zum Beispiel das Gebäude einmal komplett gedreht worden. Nun liegen die Tore, an denen die Lkw die Ware anliefern und abholen, an der vom Wohngebiet abgewandten Seite – das Gebäude dient als Lärmschutzriegel. Auch wurde die Gebäudehöhe im Laufe des Beteiligungsprozesses reduziert.

Gibt der Steller Gemeinderat grünes Licht für den Bebauungsplan und stellt der Landkreis Harburg daraufhin eine Baugenehmigung aus, können die vorbereitenden Arbeiten beginnen. Die eigentlichen Bauarbeiten werden laut Schwarz etwa zwei Jahre dauern.