Bürger sind alarmiert

Ratten tummeln sich im Buchholzer Rathauspark

Auch rund um den Spielplatz im Buchholzer Rathauspark tummeln sich die Ratten.

Auch rund um den Spielplatz im Buchholzer Rathauspark tummeln sich die Ratten.

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Nager halten sich vermehrt am Kinderspielplatz auf. Die Stadt hat Fallen aufgestellt. Doch die Bekämpfung ist schwierig.

Buchholz.  Sie kennen keine Scheu, rennen zwischen Abfallbehältern, Parkbänken, Spielplatz und Fußgängerzone hin und her. Und das am helllichten Tage, ganz gleich, ob Betrieb oder gähnende Leere herrscht: Ratten. In der Buchholzer Innenstadt gibt es offenbar noch immer ein Rattenproblem. Und das, obwohl die Stadt bereits seit Jahren vehement gegen die Nager vorgeht.

Nicht nur im Rathauspark sind die Tiere vermehrt unterwegs. Auch am Emporeteich, dem Stehlenbrunnen und dem Kriegerdenkmal werden immer wieder Ratten gesichtet. „Sie laufen munter zwischen den Parkbänken umher, während die Kinder im Sandkasten spielen“, beschwert sich eine Mutter. „Ich bin echt angewidert. Die Ratten haben null Scheu. Ich gehe dort mit den Kindern nicht mehr hin.“ Eine andere Mutter beklagt: „In der Innenstadt liegt einfach zu viel Müll herum. Da ist es kein Wunder, dass die Ratten kommen. Hier muss die Stadt dringend eingreifen.“

Ratten sind auch Problem für die Ladeninhaber

Auch für die Ladeninhaber in der Buchholzer Innenstadt sind die vielen Ratten ein Thema. „Wir haben hier ein echtes Problem mit Ratten“, sagt Stefan Konieczny. Der Buchholzer betreibt im City Center ein Blumengeschäft. Fast täglich läuft ihm eine Ratte über den Weg. „Im vergangenen Jahr war es noch schlimmer“, sagt er. „Da habe ich an einem Morgen über 20 Ratten am Rathausteich getroffen. Und jeden Tag mindestens zehn in der Fußgängerzone.“ Konieczny schaltete das Ordnungsamt ein. Geschehen ist, aus seiner Sicht, seitdem zu wenig.

Im Rathaus sieht man die Dinge anders. „Wir haben das Problem im Griff“, sagt Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse. Stadtsprecher Heinrich Helms bestätigt jedoch, dass man in der Innenstadt, insbesondere im Rathauspark, am ZOB, Emporeteich und im Bereich des City Centers immer wieder Ratten gesichtet habe. Die Stadt habe jedoch längst gehandelt und ein Merkblatt herausgegeben, in dem sie die Bürger um Unterstützung bittet. „Jeder Rattenbefall sollte gemeldet werden“, so Helms.

Stadtverwaltung hat Fallen aufstellen lassen

Zu den Maßnahmen, die die Stadt eingeleitet hat, gehört zum einen das Aufstellen von Fallen durch Fremdfirmen. Die Fallen enthalten einen giftigen Köder mit einer blutgerinnenden Substanz. Wenn das Tier einen solchen Köder frisst, verblutet es innerlich. Es ist ein langsamer, qualvoller Tod, der von Tierschützern immer wieder angeprangert wird.

Zum anderen appelliert die Stadt aber auch unmittelbar an die Bürger. Diese sollen mithelfen, damit es gar nicht erst zum Anwachsen der Rattenpopulation in der Innenstadt kommt. Dabei geht es vor allem um die richtige Abfallentsorgung - und zwar in die Mülleimer und nicht in der Landschaft. „Achtlos weggeworfene Essensreste, die nicht in den Mülleimern entsorgt, sondern einfach in die Gegend geworfen werden, fördern den Rattenbefall“, sagt der Stadtsprecher. Darüber hinaus bittet die Stadt darum, keine Vögel in der Öffentlichkeit zu füttern. „Enten und Tauben sollen im Stadtgebiet nicht gefüttert werden, da dies Ratten anlockt“, so Heinrich Helms. Leider werde das nicht von allen verstanden.

Gelbe Säcke ziehen Ratten an

Um das Problem in den Griff zu bekommen, hat die Stadt vom Baubetriebshof und Fremdfirmen Fallen aufstellen lassen. Diese werden regelmäßig kontrolliert und wieder befüllt. „Wenn wir feststellen oder uns gemeldet wird, dass es Rattenbefall gibt, passen wir unsere Maßnahmen an“, verspricht Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse. „Wir werden dann mehr Fallen aufstellen oder sie neu platzieren.“

Doch nicht nur auf öffentlichem Grund nimmt die Rattenpopulation weiter zu. Schädlingsbekämpfer registrieren seit Jahren eine stetig wachsende Rattenpopulation. „Unsere Auftragsbücher sind voll“, sagt Kammerjäger Stefan Schwering. Er ist seit 30 Jahren im Geschäft. Aber so viel zu tun wie jetzt hatte er selten. Ähnlich geht es seinem Mitstreiter Manfred Bolz, der als zertifizierter Kammerjäger zwischen Lüneburg, Hamburg und Norderstedt unterwegs ist. „Das Problem nimmt weiter zu“, sagt Bolz. „Ein Grund dafür liegt wahrscheinlich in der Mülltrennung. Die gelben Säcke locken die Ratten nah an die Häuser. Hinzu kommt, dass Ratten nur noch eingeschränkt bekämpft werden dürfen.“

Tödliche Köder sind Fachleuten vorbehalten

Während früher Privathaushalte selbst Rattenköder auslegen durften, ist das seit 2013 verboten. Die gängigsten Mäuse- und Rattenbekämpfungsmittel dürfen seitdem nicht mehr frei verkauft werden. Bei den Mitteln handelt es sich um blutgerinnungshemmende, chemische Substanzen, sogenannte Antikoagulantien. Sie werden unter dem Begriff Biozide zusammengefasst.

Kammerjäger haben Konjunktur

„Diese Biozid-Produkte dürfen nach einer EU-Verordnung nicht mehr von Privatpersonen verwendet werden, da mit der Anwendung erhebliche Risiken für Umwelt und Natur verbunden sind“, sagt Schädlingsbekämpfer Stefan Schwering. „Zum einen können bei falscher Dosierung auch Hunde und Katzen getötet werden, wenn sie einen Rattenköder fressen. Außerdem soll durch ausschließlich professionellen Einsatz vermieden werden, dass Ratten resistent gegen den Wirkstoff werden.“ Folglich dürfe Biozid-Rattengift nur noch an ausgebildete Schädlingsbekämpfer und Personen mit einem sogenannten Sachkundenachweis verkauft werden.

Privatanwendern bleibt nur die Möglichkeit, auf Rattengift und Köder mit dem Wirkstoff Warfarin zurückzugreifen. Dieser wird allerdings schon seit geraumer Zeit als Rattengift eingesetzt, weshalb viele Ratten dagegen bereits resistent sind.