Harburger Sommer im Park

Ein Festival in Corona-Zeiten – wie geht das?

Gut besucht war auch die letzte Veranstaltung 2019,  "Harburg feiert Vielfalt".

Gut besucht war auch die letzte Veranstaltung 2019, "Harburg feiert Vielfalt".

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Dies virtuelle Festival namens „Spirit of Harburg“ war eigentlich einziger Ersatz für den auf sechs Tage angelegten „Sommer im Park“.

Harburg.  Wer noch einen Platz vor der Bühne haben möchte, muss sich beeilen: Von den 30 Tischen mit je acht Plätzen, die beim Festival „Sommer im Park“ am kommenden Sonnabend für die Zuschauer im Harburger Stadtpark aufgestellt werden, waren gestern Nachmittag nur noch wenige ganz und nur eine Hand voll teilweise zu buchen. Und ohne Vorbuchung gibt es keinen Einlass. Das besagt das Hygienekonzept, das die Veranstalter wegen der Corona-Pandemie aufstellen mussten.

Wer keinen Platz mehr bekommt, muss aber trotzdem nicht auf das Stadtparkfestival verzichten: Der Fernsehsender „Hamburg 1“ überträgt sechs Stunden aus dem Park und zwei Stunden aus den Harburger Clubs „Marias Ballroom“ und „Stellwerk“. Parallel dazu wird das Festival live ins Internet gestellt und kann als Datenstrom auf Computern, Smartphones und anderen Endgeräten empfangen werden.

Dies virtuelle Festival namens „Spirit of Harburg“ war eigentlich als einziger Ersatz für den ursprünglich auf sechs Tage angelegten „Sommer im Park“ gedacht. Dann jedoch ermöglichte die Lockerung der Corona-Beschränkungen zumindest ein kleines Publikum. Darauf wollten die Veranstalter nicht verzichten – und haben sich damit doppelte Arbeit aufgesackt.

Jeder einzelne Thementag findet statt

„Dass wir ein Sechs-Tage-Fest auf einen Tag komprimieren, heißt ja nicht, dass wir nur ein sechstel der Arbeit haben“, sagt Melanie-Gitte Lansmann, Chefin des Harburger Citymanagements und eine derjenigen, die bei dem Festival den Hut aufhaben. „Jeder einzelne Thementag findet ja statt, wenn auch auf eine Stunde komprimiert. Aber die Künstler müssen gebucht und betreut werden. Das informative Rahmenprogramm für jede Themenstunde kurz zu gestalten, macht mindestens so viel Arbeit, wie die Langversion.“

Dazu kommt, dass das Festival eben nicht nur auf der Bühne stattfindet. Die Übertragung in TV und Internet ist vom Aufwand her noch einmal eine ganze Show für sich. Fernsehen und Festival treten in Wechselwirkung. „Wir haben um die 30 Einspielfilme produziert“, sagt eine Sprecherin von Hamburg 1. „Sie werden nacheinander im Laufe der Themenstunden mit einfließen.“

Die Zuschauer vor der Bühne müssen auf die Filme nicht verzichten. Sie werden auch dorthin, auf eine Leinwand, übertragen. „Ein schöner Aspekt dabei ist, dass wir so in ganz Hamburg die Vielfalt Harburgs vorstellen können“, sagt die Sendersprecherin. „Manches von dem, was wir zeigen werden, kannten oder wussten wir vorher selbst nicht.“

Dauerpräsenz im Lokalfernsehen

Harburg ist bislang der erste Bezirk, der so eine Dauerpräsenz im Lokalfernsehen bekommt. Der Stadtsender betreibt dafür einigen Aufwand. „Wir werden mit fünf Kamerateams im Park sein und noch jeweils eins in den beiden Clubs haben“, sagt die Sprecherin. „Allein von uns sind jederzeit zwischen 20 und 30 Mitarbeiter vor Ort.“

Hinzu kommen noch einmal ein gutes Dutzend von Seiten der Veranstalter, sowie der Sicherheitsdienst, der dafür sorgt, dass sich niemand ins Publikum schleicht, der nicht über die gebuchte Eintrittskarte registriert und nachverfolgbar ist.“

„Das ist schon ein bisschen Stress“, sagt Heimo Rademaker, Sprecher der Initiative Suedkultur, Wirt des Clubs „Marias Ballroom“ und Mitveranstalter des real-virtuellen Kulturfests. „Denn die Stadtparkbühne ist auch nicht einfach zu bespielen: Es gibt zu wenig Strom, nur eine improvisierte Wasserversorgung und gar kein Abwasser!“

Heimo Rademaker muss sich zweiteilen

Als ob die Örtlichkeit nicht schon belastend genug wäre, muss Rademaker sich an diesem Tag auch noch quasi zweiteilen: Sein Lokal übernimmt die Versorgung der Parkzuschauer mit Speisen und Getränken. Außerdem stellt der Club die so genannte „Backline“, das Schlagzeug und die Bühnenverstärker, die jeder Künstler und jedes Ensemble mitnutzen soll. Punkt 17 Uhr muss Heimo Rademaker aber in seinen Club radeln, denn dann beginnen dort die Vorbereitungen für die Live-Stunde aus seinem Saal: Dort werden die Musik-Haudegen Peter Sebastian und Micky Wolf sowie der mit rund 40 Jüngste in der Runde, Jimmy Cornett, über Livemusik in Corona-Zeiten diskutieren.

Zum Abschluss versucht das Stellwerk innerhalb einer Stunde, zwei ganz unterschiedliche Stile zu mischen: Zwischen den Kurz-Konzerten der Hardrocker „A Life in a Minute“ und der Reggaeband des senegalesischen Sängers Kekso soll eine gemeinsame Session einen fließenden Übergang bilden.

Die Kulturbehörde hat unterdessen gerade angekündigt, Open-Air Veranstaltungen mit großen Beträgen zu bezuschussen. Heimo Rademaker möchte aus diesem Grund versuchen, die Erfahrungen aus dem Festival zu nutzen und gemeinsam mit anderen Clubs neue Freiflächen erobern.