Mehr Wohnraum

Baustart am Bornemannschen Haus

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Angelika Hillmer
Arbeiter bereiten im ehemaligen Hausflur Stahlverstärkungen vor, die – mit Beton vergossen – ein neues Fundament bilden werden.

Arbeiter bereiten im ehemaligen Hausflur Stahlverstärkungen vor, die – mit Beton vergossen – ein neues Fundament bilden werden.

Foto: Angelika Hillmer / HA

Investor Arne Weber saniert historisches Fachwerkgebäude aufwendig, um darin Studentenwohnungen zu schaffen.

Harburg.  Über Jahre stand eine historische Perle Harburgs leer: das Bornemannsche Haus an der Harburger Schlossstraße 13. Inzwischen wird eifrig in seinem Inneren gearbeitet. Bauunternehmer Arne Weber (HC Hagemann) will in dem Fachwerkhaus, dessen älteste Bauteile auf das Jahr 1566 datiert sind, moderne Wohnungen für Studenten errichten.

„Wir haben vier Jahre lang geplant, umfangreiche Untersuchungen zum Baugrund, dem Alter und Zustand des Fachwerks, zur Statik und vielen anderen Details gemacht und uns immer wieder mit dem Denkmalschutz abgestimmt. Jetzt sollte es endlich losgehen“, sagt Weber. In den vergangenen Monaten nahmen die Bauarbeiten allmählich Fahrt auf. Bis Ende des Jahres soll das Gebäude ein neues Dach bekommen und seine Außenfassade hergerichtet sein.

Auch weil Weber den Mietern seines benachbarten, 2019 gebauten „Weißen Hauses“ (mit hellgrauer Fassade) eine schöne Wohnumgebung bieten will. „Das Fachwerkhaus schafft Atmosphäre“, sagt der Bauherr. „Außerdem können wir dann den Spielplatz zwischen den beiden Gebäuden und die Grünflächen anlegen.“ Der anschließende Innenausbau soll ausschließlich durch die Haupttür an der Straßenfront erfolgen.

Im Gebäudeinneren fliegen noch die Funken des Winkelschleifers

Wer an dem uralten Fachwerkhaus vorbei geht und kurz inne hält, kann den Geruch und das Geräusch eines Winkelschleifers wahrnehmen: Im Gebäudeinneren fliegen die Funken – Bewehrungsstahl wird zersägt. Er wird vorsichtig unter das historische Fundament geschoben und mit Beton verfüllt. Weber: „Das Gebäude steht auf einem Steinfundament. Wir schieben eine Betonsohle darunter, um die Last des Hauses aufzufangen.“

Selbst mit laienhaftem Blick auf die Baustelle ist leicht zu erkennen, dass hier noch viel zu tun ist. Vor allem innen sind die Ausfachungen aus Backsteinen marode. Ein großes Loch klafft in einer Wand, das mit neuen Backsteinen ausgefüllt werden muss. Immerhin müssen diese, anders als bei der Außenfassade, nicht originalgetreu sein. Denn die Steine werden später verputzt.

Alte Backsteine, die bei den vorbereitenden Arbeiten anfielen, wurden sorgsam aufgestapelt. Sie werden gebraucht, um die Außenfassade zu sanieren. Auch die hölzerne Struktur der Hauses braucht Unterstützung. Einzelne Balken müssen ersetzt oder zumindest teilweise erneuert werden. Das Dach ist ebenfalls sanierungsbedürftig. Die Abdeckung wird erneuert, dabei werden fehlende Dachsparren ergänzt.

Investor Weber rechnet mit Baukosten um die fünf Millionen Euro. Mit zwei Millionen Euro fördert der Bund den Umbau des seit 1941 unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes. Das Geld kommt aus dem Kulturetat. Die Hamburger Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs (SPD) und Rüdiger Kruse (CDU) hatten sich damals dafür stark gemacht, 2016 wurde das Geld bewilligt.

Für jede kleinste Maßnahme müssen drei Angebote eingeholt werden

Arne Weber sieht dies mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Die Fördermittel führen zu aufwendigen Verfahren. Für jede kleinste Maßnahme müssen drei Angebote eingeholt werden. Es muss jederzeit nachvollziehbar sein, was wofür ausgegeben wird. Das macht einen hohen Verwaltungsaufwand.“

Allein die vielen Gutachten und Untersuchungen im Vorfeld der Sanierung summieren sich auf mehr als 4000 Seiten. Bettina Husemann, die bei HC Hagemann das Projekt leitet, sagte einmal: „Je mehr man freilegt, desto komplizierter wird es.“ Arne Weber nennt die Phase bis zum Baubeginn „nervenzerfetzend“ – in vier Jahren werden andernorts ganze Stadtteile gebaut, seufzt er. Mit Rücksicht auf die historische Bausubstanz muss sehr kleinteilig vorgegangen werden. Alles müsse „teelöffelmäßig aufgearbeitet werden“, sagt Weber und ist sich sicher: „Das Bornemannsche Haus ist ein Projekt, mit dem ich kein Geld verdienen werde.“

Das Baudenkmal ist eines der ältesten erhaltenen Harburger Bürgerhäuser, einer der ältesten Profanbauten der Stadt und stellt nach Aussagen der Denkmalschützer „ein besonders wertvolles Zeugnis für bürgerliches Wohnen von der frühen Neuzeit bis ins 19. Jahrhundert“ dar. Die Zukunft wird studentisches Wohnen. Auf zwei Etagen plus Dachgeschoss werden 550 Quadratmeter vermietbare Wohnfläche entstehen: Wohnungen mit mehreren Zimmern, ideal für kleinere Wohngemeinschaften.

Im Frühjahr sollen die Apartments bezugsfertig sein, sagt Weber. Dann gibt es im Binnenhafen ein weiteres Duett von alt und neu: das alte Fachwerkhaus und im Hintergrund das moderne „Weiße Haus“. Solche Kombinationen zwischen historischer Bausubstanz und modernen, architektonisch eher extravaganten Gebäuden prägen das Bild vom Binnenhafen. Arne Weber hat daran einen großen Anteil.

Georg Ludwig Bornemann

Anno 1813 erwarb der Soltauer Färbemeister Georg Ludwig Bornemann das Fachwerkhaus an der Schloßstraße. Er und seine Nachkommen führten hier bis zum Zweiten Weltkrieg eine Blaudruckerei und Indigo-Färberei.

Die Stoffe waren so begehrt, dass Harburger Frachtwagen die Leinen- und Blaudrucke (blauer Stoff mit weißen Mustern) bis nach Warschau und Wien fuhren. Die Druckstöcke befinden sich heute im Stadtmuseum Harburg.

( hi )

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