Gefährliche Kreuzung

Kreisverkehr soll Knoten entschärfen

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Rolf Zamponi
Hier kommt es immer wieder zu Unfällen. Ein Kreisverkehr soll den Verkehrsknotenpunkt Nordring/Hamburger Straße in Buchholz sicher machen.

Hier kommt es immer wieder zu Unfällen. Ein Kreisverkehr soll den Verkehrsknotenpunkt Nordring/Hamburger Straße in Buchholz sicher machen.

Foto: Lutz Kastendieck / HA

Immer wieder kommt es am Verkehrsknotenpunkt Nordring/Hamburger Straße in Buchholz zu schweren Verkehrsunfällen.

Buchholz.  Sonnabend, 4. Juli, es ist nachmittags gegen 15.30 Uhr. Von Vaensen aus ist ein 67-Jähriger mit seinem Motorrad und einer 51 Jahre alten Frau auf dem Soziussitz unterwegs in Richtung Buchholz. Er fährt auf die Kreuzung Hamburger Straße/Nordring zu und geradeaus weiter, weil er offenbar das grüne Licht der Ampel für Linksabbieger in den Buenser Weg mit dem roten Licht für die Durchfahrt verwechselt. Ein entgegenkommender Ford Ranger mit einer Frau am Steuer hat dagegen tatsächlich Grün und biegt regelgerecht auf der Linksabbiegerspur in den Nordring ein. Es kommt zur Kollision. Ergebnis: ein Schwerverletzter und eine leichter Verletzte. Die Pkw-Fahrerin erleidet einen Schock. Schaden: Mindestens 14.000 Euro. Kein Einzelfall noch dazu.

Denn wieder einmal spielt sich ein solches Geschehen auf der Nordring-Kreuzung vor den Toren der größten Stadt im Landkreis Harburg ab. „Fünfmal seit November, den jüngsten Unfall eingeschlossen, hat es dort aus ähnlicher Ursache gekracht“, sagt Jan Krüger, der Sprecher der Polizeiinspektion Harburg mit Sitz in Buchholz. Es gab Verletzte, manchmal zum Glück nur Blechschäden. Klar ist: Die Kreuzung gilt als Unfallschwerpunkt.

„Es gibt Regelungsbedarf“, sagt Krüger. In der kommenden Woche wollen sich deshalb Vertreter der Stadt als Verkehrsbehörde, des Kreises als Baulastträger für die Kreisstraßen und der Polizei vor Ort treffen. Kreis-Sprecher Bernhard Frosdorfer bestätigt das Treffen: „Die Unfallkommission wird die Kreuzung erneut in Augenschein nehmen.“

Einer, der sich seit Jahren, ja Jahrzehnten, mit einer verkehrssicheren Lösung an dieser Stelle befasst, ist Arno A. Reglitzky. Der Sprecher der FDP-Fraktion im Kreistag hält dabei grundsätzlich Kreisel für eine gute Lösung an größeren oder gefährlichen Kreuzungen. Als Vorstand des ADAC Hansa hatte er sich bereits nach der Wende für solche Projekte in Mecklenburg-Vorpommern eingesetzt, was ihm rasch den Spitznamen Kreisel-Arno eingebrachte.

Jetzt hat er sich in einem Antrag für den nächsten Kreisausschuss am 31. August erneut für eine Neuregelung an der Nordring-Kreuzung stark gemacht und sich dabei direkt auf den Motorradunfall bezogen. Reglitzky fordert die „unverzügliche Installation“ einer Kreisverkehrsanlage, die Landrat Rainer Rempe anordnen solle.

Arno Reglitzky wird allmählich ungeduldig

Der Zeitverlust bei dem Projekt nervt den FDP-Frontmann. Denn seit den ersten, bislang ohne endgültigen Abschluss verlaufenen Planungen für eine Buchholzer Ostumfahrung, also seit 20 Jahren werde inzwischen über einen Kreisel nachgedacht. „Erst sollte der Ostring mit einbezogen werden, dann wurde der Kreisel vom Ostring entkoppelt, dann war kein Geld im Haushalt 2019 vorhanden. Schließlich wird jetzt auch über eine Querung für die Schüler im angrenzenden Schulzentrum I mit Fußgängerampel nachgedacht“, fasst der 84 Jahre alte Politiker zusammen. Reglitzky ist mehr als ungeduldig: „Für die Bürger ist das alles unvorstellbar.“

Im Kreisausschuss, dem zweithöchsten politischen Gremium nach dem Kreistag, soll nun Ende August eine Entscheidung fallen. Davon geht jedenfalls Reglitzky aus. Gelingt das, könnte die Ausschreibung für den Kreisel folgen. Doch vor 2021, da ist sich der Kreisel-Enthusiast sicher, werde es wohl nichts mehr mit dem Bauen.

Immerhin ist inzwischen für Stadt und Landkreis klar, dass die Kreuzung zum Kreisel wird. „Wir planen mit Hochdruck. Baubeginn könnte Mitte 2021 sein“, sagt Kreis-Sprecher Frosdorfer. Inzwischen wird von einem Durchmesser von 50 Metern ausgegangen, um sich die Möglichkeit eines Anschlusses des Ostrings offen zu halten. „Die fertige Planung muss aber auch in weiteren Ausschüssen vorgestellt werden,“ erklärt Frosdorfer.

Ampeln erst einmal auf den heutigen Standard bringen

Das Investitionsvolumen wurde zuletzt bezogen auf einem Kreiseldurchmesser von 40 Metern auf rund 1,3 Millionen Euro geschätzt. Durch die Ausweitung dürften die Kosten steigen. Die Stadt Buchholz soll sich schon deshalb beteiligen, weil der Buenser Weg als einer ihrer Straßen in den Kreisel münden wird. Reglitzky hält dennoch an seiner Kritik fest. Die neuen Planungen seien überdimensioniert, die Kosten zu hoch. Vor allem aber, das macht er auch in seinem Antrag deutlich, müsse im Sinne der Verkehrssicherheit rasch etwas geschehen.

Er regt an, die „2014 provisorisch installierten Ampeln auf den heutigen technischen Standard“ zu bringen. Dafür seien große LED-Leuchten und Masten nötig, die die Lichtzeichen gut sichtbar über die Straße brächten. Auch ein Tempolimit von 30 km/h schlägt er vor. So würden die Verkehrsteilnehmer langsamer an den Knoten heranfahren. „Aktuell hat der schwere Motorradunfall uns gezeigt“, sagt Reglitzky, „dass der Knoten eine Zeitbombe darstellt.“

Was ist ein Kreisverkehr?

Ein Kreisverkehroder ein Verkehrskreisel ist ein Knotenpunkt im Straßenverkehr mit Fahrbahn und Mittelinsel. Die Kreisfahrbahn darf wie eine Einbahnstraße nur in eine Richtung befahren werden. Für den Rechtsverkehr verläuft sie entgegen dem Uhrzeigersinn. In der Mitte der Kreisel werden mitunter Skulpturen aufgebaut.

Die ersten Kreisverkehre gab es Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. So wurden in New York 1904 am Columbus Circle sowie 1907 in Paris rund um den Arc de Triomphe ein Kreisverkehr eingerichtet. Noch älter ist der um 1899 errichtete Görlitzer Brautwiesenplatz, der damit vermutlich als erster Kreisverkehr entstand.


Die Straßenverkehrsordnung regelt, dass das Halten im Kreisel verboten ist, und dass die Mittelinsel nicht überfahren werden darf. Wer im Kreisel rollt, hat Vorfahrt. Als groß gelten Kreisel mit einem Durchmesser von mehr als 40 Metern.

( rz )

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