Coronakrise

Harburger App bringt Bands und Comedians ins Wohnzimmer

Matthias Schrenk will Online Konzerte mit epplaus.me möglich machen.

Matthias Schrenk will Online Konzerte mit epplaus.me möglich machen.

Foto: Mark Sandten

Interaktive Plattform: Winsener entwickelt digitale Livebühne „epplause.me“, die Künstler und Publikum zusammenbringt.

Winsen. Wenn Matthias Schenk eine Idee hat, dann rockt er sie. Komme, was da wolle. Das war damals so, 2006, als der Winsener anlässlich der Fußball-WM den „Cup of good hope“ auf die Beine gestellt hat und mit Mannschaften aus 13 Ländern das größte internationale Jugendevent in Hamburg organisierte.

Oder 2017, als er sich mit seiner Tochter Lotte rund 1000 Schulbücher für bedürftige Kinder in Togo organisierte. Die Erfahrungen lehrten: „Wenn du mit Herzblut dabei bist, rennst du offene Türen ein“, sagt Matthias Schrenk.

Digitale Bühne soll betroffenen Künstlern helfen

Jetzt startet Matthias Schrenk, der sich nicht nur als Angestellter der Stadt Winsen um städtepartnerschaftliche Projekte kümmert und hauptberuflich einen Kanuverleih auf Luhe, Ilmenau und Seeve betreibt, sein nächstes Hilfsprojekt.

Diesmal geht es um die von der Corona-Krise schwer betroffenen Musiker, Kabarettisten, Schauspieler und Autoren – um all diejenigen, die noch vor wenigen Wochen Bühnen bespielten und ihr Publikum live begeisterten. „Sie sind besonders von der Krise betroffen“, sagt Matthias Schrenk. „Keine Auftritte, kein Einkommen – und vor allem: kein Publikum.“

Besucher bucht Künstler über Plattform

Um das zu ändern, plant Schrenk, der die Bühne aus eigener Erfahrung als Musiker kennt, die Einrichtung der digitalen und interaktiven Live-Bühne „epplause.me“ für Künstler und Kulturschaffende weltweit.

Das Format ist einfach und überzeugend: Der „Konzertbesucher“ bucht den Künstler direkt über die Plattform. Dieser tritt dann zu einem vereinbarten Termin per interaktivem Livestream auf. Dabei spielt es keine Rolle, wie viele Zuschauer sich zu dem Event versammelt haben. Die Gage vereinbaren Künstler und Kunde.

„Auf diese Weise kommt Kultur in die Wohnzimmer und der Künstler hat die Möglichkeit sein Geld zu verdienen“, so der Initiator. „Hinzu kommt, dass der Künstler sein Publikum erleben und unmittelbar darauf reagieren kann, so wie das auf einer richtigen Bühne möglich ist.“ Das sei eine völlig neue Art und Weise, Kultur miteinander zu genießen.

Sänger Ingo Pohlmann macht mit

Erste Künstler wie Sänger Ingo Pohlmann und Schauspieler Andreas Hoppe haben bereits ihr Interesse bekundet. Doch bis die digitale Bühne starten kann, sind noch ein paar Hürden zu nehmen, vor allem finanzielle.

Derzeit ist Matthias Schrenk dabei, Sponsoren für das Projekt zu finden. Er hat Förderanträge gestellt und das Projekt auf der Crowdfunding –Plattform „Startnext“ platziert.

Winsener Verein fördert Kultur und Begegnung

Rahmen für das digitale Bühnenprojekt ist der Verein Klick e.V.. Dieser wurde 2002 von engagierten Bürgern der Stadt Winsen gegründet und kümmert sich um die Förderung von Kultur, Begegnung, Kommunikation und Bildung.

Eines der Gründungsmitglieder war Matthias Schrenk. Ziel des Vereins ist, das stadtkulturelle Leben in Winsen zu verstärken. Im Mittelpunkt steht die Kooperation mit kulturellen und sozialen Institutionen aus Winsen und Umgebung.

Neuer Weg – dank "epplause.me"

„Wir wollen dazu beitragen, die wesentlichen Dinge des Lebens wieder mehr in den Mittelpunkt zu rücken, indem wir die elementaren Bedürfnisse des Menschen nach Kultur, Partizipation, Begegnung und Kommunikation auf ganz unterschiedliche Weise fördern“, heißt es auf der Homepage von Klick e.V.

„Durch Corona ist das auf konventionelle Art vorerst nicht mehr möglich“, sagt Matthias Schrenk. „Also haben wir uns mit ‚epplause.me‘ einen neuen Weg ausgedacht.“

Initiator leitete Nachwuchsmusiker-Festivals

Der 55-Jährige, der mit seiner Frau Susanne in Oldendorf an der Luhe wohnt, weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig für den Künstler nicht nur sein Werk, sondern auch die Reaktion des Publikums darauf ist.

„Applaus ist das süße Gift, das einen Künstler beflügelt“, sagt er. Schrenk kennt dieses Gefühl aus eigener Erfahrung. Als Jugendlicher sang er in der Schulband seines Kumpels, dann gründete er mit ein paar Freunden seine eigene Band „Ten Beers After“, die kleine Erfolge auf Stadtfesten, Festivals und in Clubs feiern durfte.

Ein Höhepunkt seiner eigenen künstlerischen Laufbahn war das Engagement als Lockvogel bei „Verstehen Sie Spaß“, bei dem die Band Udo Lindenberg hinters Licht führen durfte. Auch später im Job kümmerte sich Schrenk um kulturelle Themen, etablierte als Leiter eines Jugendzentrums 20 Jahre lang ein Nachwuchsmusiker-Festival für junge Bands.

Unvergessliche Momente – auch digital möglich

„Das war für so viele Musiker ein richtig großes Abenteuer“, sagt er. „Das erste Mal vor 400 Zuschauern zu rocken und den Applaus zu schmecken – das ist ein unvergessener Moment im Leben eines Künstlers.“

Schrenk ist davon überzeugt, dass nicht nur auf der richtigen Bühne, sondern auch auf digitalem Weg unvergessliche Momente entstehen können. Und dass die Idee von epplause.me auch nach Corona Bestand haben wird, weil das Netz ein Kulturerleben möglich macht, dass keine Grenzen und Entfernungen kennt.

Band aus Australien im heimischen Wohnzimmer

„Warum nicht mit einem Stand up Comedian aus New York in Kontakt treten oder eine Band aus Australien buchen? Und dann ein paar Freunde einladen und die Show zuhause vom Sofa aus genießen“, schwärmt Matthias Schrenk.

„Auch wenn wir uns alle nach dem Ende der Quarantäne sehen, Konzerte mit mehreren Besuchern werden ganz sicher zu den Veranstaltungen gehören, die die Behörden als Letztes genehmigen werden. Darauf sollten wir uns einstellen.“

Hilfe für Künstler:

Viele Hilfsaktionen unterstützen Künstler und Kulturschaffende, damit die Zeit ohne Auftritte, bedingt durch die Corona-Krise, überbrückt werden kann.

Der Verein mitMenscHHamburg e.V. präsentiert zum Beispiel am 12. Mai ein Solidaritäts-Nicht-Festival zu Gunsten der privaten Hamburger Theater- und Musikbühnen, der Hamburger Filmwirtschaft und der Hamburger Clubkultur. Die Idee: Keiner kommt, aber alle helfen! Möglichst viele Hamburger zahlen 22 Euro Eintritt in Form einer Spende an die Hamburger Kulturszene (www.keinerkommt.de)

Auf der Crowdfunding-Plattform startnext.de können vom Corona-Shutdown betroffene Kreative und Gründer ihre Idee einem großen Kreis bekannt machen und Unterstützer gewinnen (www.startnext.com)

Sänger können finanzielle Unterstützung beim Nothilfe-Fonds „Sängerhilfe“ beantragen, einer Initiative der Zeitschrift „Oper“ und der Manfred-Strohscheer-Stiftung (www.saengerhilfe.de)

Die Deutsche Orchester-Stiftung hat einen Nothilfefond für freischaffende Orchestermusiker ins Leben gerufen. Antragsteller erhalten 400 Euro Unterstützung (www.orchesterstiftung.de/nothilfefonds/)

Die Independent-Kinos sind ebenfalls existenziell betroffen. Um ihnen zu helfen, hat die Hamburger Werbeagentur Weischer die Website hilfdeinemkino.de erstellt. Dort wählen Kino-Fans auf einer Deutschlandkarte ihr Lieblingskino aus. Anschließend werden Werbe-Spots gezeigt, die normalerweise im Vorprogramm laufen (www.hilfdeinemkino.de)

Die Online-Petition „Hilfen für Freiberufler und Künstler während des Corona-Shutdowns“ setzt sich für eine finanzielle Soforthilfe für Freiberufler und Künstler ein. Gestartet hat sie der Leipziger Sänger David Erler. Hunderttausende haben die Forderungen an Bundesfinanzminister Olaf Scholz bereits unterschrieben. Die Zeichnungsfrist gilt noch bis Mitte Mai (www.openpetition.de)

Infos zur digitalen Live-Plattform „epplause.me“ gibt es unter www.klick-ev.de