Menschenleeres Kaufhaus

Wie Familie Stackmann mit der Krise umgeht

Fabian (l.) und Dieter Stackmann beim Rundgang durch das nahezu menschenleere Modegeschäft.

Fabian (l.) und Dieter Stackmann beim Rundgang durch das nahezu menschenleere Modegeschäft.

Foto: Axel Tiedemann / HA

Geschäftsführung setzt auf Verkauf per Telefon und Internet. Kurzarbeitergeld für die 320 Angestellten wird auf 80 Prozent aufgestockt.

Buxtehude.  Draußen wirft die Mittagssonne harte Schatten auf das Pflaster in der Fußgängerzone der Buxtehuder Altstadt. Nur einige wenige Menschen huschen vorbei, bis auf Apotheken oder Bäcker sind nahezu alle Geschäfte geschlossen. Auch im großen Einkaufsmagneten der kleinen Hansestadt, im Modehaus Stackmann, sind die gläsernen Pforten jetzt zu.

Geschäftsführer Fabian Stackmann führt den einzigen Besucher dahinter durch halbdunkle Verkaufsräume. Waren für etliche Millionen Euro sind hier im Dämmerlicht der „Putzbeleuchtung“ ausgestellt. Nur nach Geschäftsschluss wird das Licht hier sonst so heruntergedimmt bis zum nächsten Morgen.

Jetzt in Zeiten der Corona-Kontaktbeschränkungen ist das gesamte Haus wie heruntergedimmt, seit Tagen schon und womöglich noch etliche weitere. Wie kommt da ein so großes Kaufhaus durch die Krise, was macht dieser Shutdown mit einer Einkaufsmeile, die sonst weit in die Region strahlt?

Für seine rund 320 Mitarbeiter hat Stackmann jetzt von der Kurzarbeiterregelung Gebrauch gemacht: 60 Prozent des Nettolohns bekommt man dann; 67 Prozent, wenn Kinder auf der Steuerkarte eingetragen sind. „Wir stocken das auf 80 Prozent auf, weil wir wissen, dass das sonst für viele unserer Mitarbeiter zu knapp werden könnte“, sagt Fabian Stackmann, der in der vierten Generation erst im vergangenen Jahr in die Geschäftsführung des mehr als 100 Jahren alten Familienbetriebs eingestiegen ist.

So hatte sich der Juniorchef seinen Einstieg in die Firma nicht vorgestellt

Nicht gerade ein Einstieg, den er sich so vorgestellt hatte. „Da wünscht man sich die Sorgen vom Februar zurück“, sagt der 33-Jährige und führt weiter durch die Weite der 15.000 Quadratmeter Verkaufsfläche des immer wieder vergrößerten Gebäudekomplexes.

Hin und wieder sieht man kleine Baustellen: Folien, die die Ware abdecken, Kabel, die aus der geöffneten Decke hängen. „Wir nutzten das jetzt für einige Reparaturen, sagt Stackmann, der beim Gang durch das Haus aber auch immer einmal wieder von Mitarbeitern begrüßt wird, die unvermittelt aus der schummrigen Putzbeleuchtung auftauchen und zwischen den menschenleeren Reihen mit Hosen, Jacken, Kleidern seltsam verloren wirken.

Etwa 30 Leute sind hier immer noch „auf der Fläche“, wie es bei Stackmann heißt – auch wenn kein einziger Kunde im Geschäft ist. Aber der Kontakt zum Kunden sei wichtig, in den Abteilungen sei immer jemand zu erreichen, der beraten kann, sagt Stackmann. Beratung und die Schaffung eines angenehmen Einkaufserlebnisses – das ist in normalen Zeiten das Erfolgsrezept, mit dem sich das Haus bisher gegen die virtuelle Konkurrenz im Online-Handel gut behaupten konnte.

Auch jetzt läuft der bis auf wenige Prozent geschrumpfte Umsatz noch durch direkte Kontakte – aber eben durchs Telefon. Kunden lassen sich beraten, bestellen und holen dann meist direkt ab, weil das schneller als eine Lieferung per Post ist. Am Eingang zur Viverstraße ist dazu ein eigener Auslieferstand aufgebaut – alles aber eben mit den nötigen Abstandsregelungen.

Durch Corona verlegt sich Stackmann jetzt zudem auch mehr aufs Internet. „Wir machen das aber anders, wir übersetzen sozusagen unseren Servicegedanken in die digitale Welt“, sagt Fabian Stackmann und führt den Besucher ins Erdgeschoss in die Abteilung „Junge Mode“.

Beratung und Verkauf finden jetzt per Smartphone statt

Die beiden Stackmann-Mitarbeiterinnen Janina Frenzel und Heike Buchhorn haben dort gerade einen Rollbügel mit verschiedenen Hosen, Blusen und anderen Oberteilen aufgebaut. Die eine hält ein Smartphone in der Hand, die andere hält sich verschiedene Kombinationen vor und wird dabei gefilmt: So sieht nun die virtuelle Beratung einer Kundin aus. Eine solche Video-Beratung soll nach Ostern jetzt noch weiter perfektioniert werden, mit besonderen Beratungsterminen für Kunden.

Aber das alles dürften nur fantasievolle Hilfslösungen sein, irgendwann müsse der Handel auch wieder anspringen, sagt Fabian Stackmann, der derzeit viel mit Kollegen der Branche über die Krise spricht – in Videokonferenzen natürlich. Und er macht sich nicht nur Sorgen um das eigene Haus, sondern auch um „unsere lebendige Altstadt“, wie er sagt.

Gerade für kleine Geschäfte sei das jetzt schnell eine existenzielle Krise, in der Hilfe gefragt ist und nicht Kreditzusagen, die eher die Banken als die kleinen Läden schützen würden. Etwa durch eine echte Erlassung der Hilfskredite oder durch ein Absenken der Umsatzsteuer – um sich später regenerieren zu können.

Ab Mai, so hofft er, könnten die strikten Beschränkungen vielleicht wieder ein wenig gelockert werden. Und wenn nicht? „Bis Juni können wir auch noch durchhalten“, so Stackmann. Aber eines ist aus seiner Sicht sicher: Ganz so wie vor der Corona-Krise wird es lange nicht mehr sein im Einzelhandel. Stackmann: „Auch wenn wir wieder öffnen dürfen – es wird da sicher weiter eine ganz Zeit noch harte Auflagen geben.“

Einkaufen in der Corona-Krise


Wie Stackmann
versuchen derzeit viele Einzelhandelsgeschäfte in Buxtehude über Online- oder Telefonbestellung wenigstens einen kleinen Teil des Umsatzes zu retten – oder einfach nur mit ihren Kunden in Kontakt zu bleiben. Als Mittel zum Erhalt der lebendigen Altstadt gilt daher auch eine Idee der Buxtehuder Grünen, diese Angebote in einer Liste zusammenzufassen.


Auf der Seite www.regional-einkaufen-buxtehude.de finden man daher nicht nur Kontaktmöglichkeiten zu Stackmann, sondern auch zu vielen anderen Geschäften der Stadt. Hier gibt zudem einen Link zu einer ganz besonderen Online-Hilfsaktion für die Buxtehuder Gastronomie.