Coronakrise

Ernte to go: Hier können Sie Spargel selbst stechen

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Angelika Hillmer
Bernd Oelkers zeigt Abendblatt-Redakteurin Angelika Hillmer das richtige Spargelstechen.

Bernd Oelkers zeigt Abendblatt-Redakteurin Angelika Hillmer das richtige Spargelstechen.

Foto: Mark Sandten

Weil nicht genug Erntehelfer kamen, lockt ein Hof in Wenzendorf mit diesem besonderen Angebot. Das kostet eine Spargelreihe.

Wenzendorf.  Die Idee kam von einer Nachbarin: „Wenn Ihr nicht genügend Erntehelfer habt, dann vermietet doch ein paar Spargelreihen an Leute, die Lust haben, sich ihren Spargel selbst zu stechen“, sagte sie Angela Oelkers-Sötje vom Hof Oelkers in Wenzendorf.

Deren Vater Bernd war nicht gleich von der Idee überzeugt. Aber sie passt in diese Zeit, in der Kreativität Trumpf ist. Also wählten Vater und Tochter ein Spargelfeld am Ortsrand von Hollenstedt aus und bieten nun 58 Reihen mit weißem Spargel für Selbststecher an.

Spargelstechen in der Coronakrise: Große Nachfrage

„Ich habe das am Freitag auf unsere Facebookseite gestellt. Jetzt am Dienstagvormittag sind schon drei Viertel der Reihen vergeben“, sagt Angela Oelkers-Sötje. „Wir hatten keine Ahnung, ob sich tatsächlich Menschen finden, die sich zwei Monate lang um ihre private Spargelreihe kümmern wollen und jeden zweiten, dritten Tag zum Ernten nach Hollenstedt fahren.

Offenbar ist das Angebot in dieser Zeit, in der viele Menschen in Kurzarbeit und in ihren Freizeitmöglichkeiten eingeschränkt sind, für manchen durchaus attraktiv.“

Eine Reihe gibt bis zu 150 Kilogramm Spargel her

Die individuelle Spargelreihe ist 300 Meter lang und mit Folie bedeckt. Je nach Witterung, Zeiteinsatz und Geschicklichkeit lassen sich über die Erntesaison von Ende April bis Ende Juni 100 bis 150 Kilogramm des Edelgemüses aus den Erddämmen graben. In allen Sortierungen. Dicke und dünne Stangen, gerade, krumme und wenn es nicht so gut läuft auch viele abgebrochene.

Profis ernten alle zwei Tage, bei kühlerem Wetter auch erst am dritten Tag, die kompletten 300 Meter ab. Das sollten auch die Laien versuchen, denn sonst wächst der Spargel zu stark aus der Erde heraus. Dann drohen geschmackliche Einbußen – „die Qualität ist in der Erde“, sagt Oelkers.

Die Reihe ist gut geeignet für Freunde oder die Familie

Die stundenlange Bückarbeit, die auf die Kurzzeitpächter wartet, legt es nahe, dass sich mehrere Freunde, Nachbarn oder Familien eine Reihe teilen. Zudem verteilen sich dann auch die Kosten auf mehrere Schultern und man muss nicht täglich im Schnitt um die zwei Kilo Spargel essen, konservieren oder verschenken.

Eine Spargelreihe ist für 220 Euro zu haben. Hinzu kommt das Werkzeug: Das Starterset bestehend aus Spargelmesser, Kelle (zum Glattstreichen der Dammoberfläche), Handschuhen und einer Kiste kostet 68 Euro und gehört dann dem Hobbystecher.

Wer über die Saison 100 Kilo Spargel aus seiner Reihe herausholt, kommt also auf einen Kilopreis von 2,90 Euro inklusive Handwerkszeug und Bewegung an frischer Luft. Natürlich erläutern die Oelkers ihren Kunden die Kunst des Spargelstechens.

„Eigentlich würden wir gern alle Mieter auf dem Feld einweisen“, sagt Angela Oelkers-Sötje. „Aber das geht nicht, die Leute würden zu eng zusammenstehen – wir werden uns etwas Coronakonformes einfallen lassen.“ Es gebe zum Beispiel einen Lehrfilm, der auch den professionellen Erntehelfern gezeigt werde.

Zur Erntezeit schauen die Köpfe aus dem Damm

Im Groben ist Folgendes zu tun: Zunächst die Folie anheben. Sie liegt jetzt mit der schwarzen Seite nach oben, damit die Dämme solar beheizt werden. Sollte es zu warm werden, kann die Folie gewendet werden. Dann liegt die weiße Seite oben, reflektiert möglichst viel Sonnenlicht und bremst Wärme- und Spargelentwicklung sanft ab. Ist der Damm auf einem mehrere Meter langen Stück freigelegt, sind zur Erntezeit einzelne Köpfe zu sehen, die knapp aus der Erde hinausschauen.

Vorsichtig die Erde wegscharren und dann zustechen

An einer Seite des Spargeltriebs wird der Boden mit der Hand bis in eine Tiefe von etwa 20 Zentimetern vorsichtig weggescharrt, ohne benachbarte Stangen zu beschädigen. Dann wird das Spargelmesser gezückt. Auf den ersten Blick erinnert es mehr an eine kräftige Fonduegabel als an ein Messer, hat aber eine v-förmige Schneide, um die Stangen glatt abstechen zu können.

Zum Schluss wird das entstandene Loch mit der Kelle wieder zugeschoben. Zur Erntezeit sind bei warmer Witterung auf manchem Meter mehrere Köpfe zu sehen. Bei 300 Meter Reihenlänge können also locker hundert Stangen zusammenkommen. Bei jedem Erntedurchgang.

Feste Schuhe und bei Regen Gummistiefel

Bernd Oelkers und seine Tochter sind gespannt, wer da zur Spargelernte anrücken wird. Bei gutem Wetter beginnt sie Ende April. Er habe es schon erlebt, dass Frauen bei Führungen mit Stöckelschuhen auf den Acker kamen, sagt Oelkers und schmunzelt. Festes Schuhwerk ist ratsam. Und nach Regenschauern sollte man Gummistiefel dabei haben.

Nicht nur die Kleidung, auch die Leistung der Laien klaffe stark auseinander, sagt der Chef: „Bei von Firmen gebuchten gemeinsamen Spargelstech-Aktionen schaffen manche ein Pfund in der Stunde, andere drei Kilogramm.“

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Das Spargelfeld ist sieben Jahre alt

Das Mietspargelfeld ist sieben Jahre alt und kann noch ein bis drei Jahre genutzt werden, bevor die Pflanzen an Vitalität verlieren. Angst um seinen Spargel hat Bernd Oelkers nicht: „Die Pflanze sitzen so tief, dass sie auch bei wildem Herumstechen nicht getroffen werden. Und sie sind zäh, wachsen wie Unkraut“, sagt Oelkers.

Das Spargelfeld ist mit einer Pforte gesichert. Geerntet werden darf nur zu bestimmten Zeiten, die noch nicht festgelegt sind. Spargelfans, denen das alles zu viel ist, können ihren Spargel wie gehabt im Hofladen oder an Verkaufsständen erwerben. Gestochen und in verschiedene Qualitäten sortiert. Bei Bedarf auch fertig geschält.

Wer Interesse hat, jeden zweiten Tag seinen eigenen Spargel zu ernten, wendet sich an: angela.oelkers@hof-oelkers.de, Telefon 04165 222 00 16 oder schaut auf die Facebook-Seite des Hofs

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