Alltag bietet Zündstoff

„Eltern-Tankstelle“ hilft online in Coronazeiten

| Lesedauer: 5 Minuten
Lena Thiele
Die Moderatoren der Eltern-Tankstelle Winsen (v.l.): Ralf Macke (Stadt-Jugendpfleger), Annick Cathrin Weikert (Persönlichkeits- & Technik-Coach) und Tim Jürries (Erziehungsberatung Landkreis Harburg). Sie führen durch Themen, die in Familien für Zündstoff sorgen.

Die Moderatoren der Eltern-Tankstelle Winsen (v.l.): Ralf Macke (Stadt-Jugendpfleger), Annick Cathrin Weikert (Persönlichkeits- & Technik-Coach) und Tim Jürries (Erziehungsberatung Landkreis Harburg). Sie führen durch Themen, die in Familien für Zündstoff sorgen.

Foto: Annick Cathrin Weikert / Eltern-Tankstelle Winsen

Fachleute bieten am kommenden Donnerstag im Livestream Beratung für Familien mit Kindern und die Herausforderungen des Osterwochenendes.

Winsen. Eltern stehen in diesen Tagen vor vielen Herausforderungen. Seitdem wegen der Coronakrise die Schulen und Kindergärten geschlossen sind und auch Treffen mit Freunden oder der Familie nicht mehr möglich, müssen sie sich zu Hause einem ganz neuen Alltag stellen. Homeschooling und Homeoffice unter einen Hut zu bekommen, ist nur ein möglicher Konfliktpunkt. Jugendliche müssen auf Treffen mit ihren Freunden verzichten, sollen aber auch nicht den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzen. Zudem fehlt in vielen Wohnungen auch der Platz, damit sich die Familienmitglieder bei Streit auch mal aus dem Weg gehen können.

Die aktuelle Situation bietet daher ordentlich Stoff für die Eltern-Tankstelle. Das Format bringt normalerweise in Winsen und Seevetal Eltern und Experten zusammen, um über verschiedene Erziehungsthemen zu diskutieren. Am kommenden Donnerstag gibt es nun eine Eltern-Tankstelle im Live-Stream, um Müttern und Vätern in der Coronakrise besondere Unterstützung zu bieten. Sie soll sehr ähnlich wie das übliche Format ablaufen, diesmal zum Thema „24/7-Familienleben unter einem Dach – Wie entschärft man Pulverfässer?“

„Ziel ist es, Eltern zu stärken und sie zu ermutigen, sich mit Ihren Sorgen und Nöten zu öffnen“, sagt Annick Cathrin Weikert, Initiatorin der Veranstaltungsreihe. Gemeinsam mit Ralf Macke, Sozialarbeiter und Stadtjugendpfleger in Winsen, und Tim Jürries, Psychologe in der Erziehungsberatungsstelle im Landkreis Harburg, hat sie vor zwei Jahren die Eltern-Tankstelle gegründet. Sie soll vor allem für Eltern von pubertierenden Kinder im Alter von neun bis 18 Jahre eine Unterstützung im Erziehungsalltag sein.

Unangenehme Themen werden offen angesprochen

„Wir bieten einen humorvollen, interaktiven Austausch für Eltern, der normalerweise live in einem geschützten Rahmen stattfindet“, sagt Weikert, die als Persönlichkeits- und Technikcoach tätig ist und selbst Kinder im Teenageralter hat. „Dabei sprechen wir offen Themen an, die unangenehm sind oder schambehaftet.“

Bei den bisherigen Veranstaltungen ging es um Themen wie Pubertät, Medienkonsum, Körperwahrnehmung, Online-Spiele und Trennung der Eltern. Bis zu 120 Besucher kamen jeweils zu den Abenden im Winsener Marstall oder in der Seevetaler Bücherei. Der jüngste Termin im März zum Thema Mobbing konnte bereits nicht mehr wie üblich stattfinden. Das Team schaltete daher spontan auf ein Online-Konferenzprogramm um. Für den kommenden Termin engagierten sie einen Profi, um den Abend zu filmen und in Echtzeit ins Internet zu stellen.

Auch bei der digitalen Veranstaltung können die Eltern auf diese Weise mitreden, entweder anonym oder per Wort und Bild im Livestream auf Facebook und Instagram. Das Team will verschiedene Punkte ansprechen, so soll es um die Frage gehen, wie man Konflikte entschärfen kann, wenn es zu Hause keine Ausweichmöglichkeiten gibt.

Und auch mögliche positive Seiten der Krise und Chancen, die sich aus der derzeitigen Situation ergeben, sollen thematisiert werden. Schließlich haben die Veranstalter auch das nahende Osterfest im Blick. Sie wollen mit den Teilnehmer darüber diskutieren, inwieweit das Familienfest auch digital begangen werden kann und Hoffnung machen. „Fest steht: Dieses Ostern wird für uns alle anders“, sagt Weikert.

Entschleunigter Familienalltag wird zur Herausforderung

„Wir stellen uns den Fragen und Sorgen in der Kontaktsperre, wie immer bei der Eltern-Tankstelle auf eine humorvolle Art“, sagt die Initiatorin. Wenn Eltern zwischen #stayhome, #homeoffice und #homeschooling mal die Geduld fehle und der entschleunigte Familienalltag zur Herausforderung werde, soll der Austausch mit anderen Eltern eine Stütze sein. Mit vielfältigen Tipps und Ideen stehen die Experten den Teilnehmern dabei zur Seite.

„Unser Angebot richtet sich insbesondere an Eltern von Pubertierenden, für die die Medien gerade der beste Freund geworden sind, sogar ganz offiziell“, sagt Annick Cathrin Weikert. Gerade für Jugendliche sei es momentan sehr schwierig, immer zu Hause zu bleiben und nicht ihren normalen Hobbys nachgehen zu können. Das sei eine außergewöhnliche Situation für viele Familien, sagt sie. „Wir befinden uns mitten in einem Trauma-Film und hoffen, dass wir mit der digitalen Eltern-Tankstelle möglichst viele Eltern in Deutschland erreichen.“

Anmelden für Webinar der Eltern-Tankstelle

Die Eltern-Tankstelle wird am Donnerstag, 9. April, von 18.45 Uhr bis etwa 20.30 als Video im Internet gezeigt. Auf Facebook und Instagram können Eltern den Livestream verfolgen und ihre Fragen stellen.

Wer an der interaktiven Diskussion teilnehmen will, muss sich allerdings zuvor anmelden. Insgesamt stehen für das Webinar 100 Plätze im Netz zur Verfügung. Für die Teilnahme benötigt werden ein Smartphone, Tablet oder PC sowie die App Zoom. Die Teilnahme ist kostenlos.

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