Landkreis Stade

Coronakrise: Altes Land gibt "Reisewarnung" aus

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Axel Tiedemann
Vorn die Apfelbäume, dahinter die Elbe: So lieben nicht nur die Bewohner das Alte Land, sondern auch die Touristen.

Vorn die Apfelbäume, dahinter die Elbe: So lieben nicht nur die Bewohner das Alte Land, sondern auch die Touristen.

Foto: dpa Picture-Alliance / G. Franz / picture alliance / blickwinkel/G

Landrat im Kreis Stade appelliert an Ausflügler, zu Hause zu bleiben: Diese dürften die Bemühungen der Anwohner nicht "unterwandern".

Jork. In einigen Tagen dürfte im Alten Land wegen des milden Winters bereits die Obstblüte beginnen. Traditionell eine Zeit um Ostern, in dem besonders viele Ausflügler auch aus Hamburg in das große und nahe Anbaugebiet an die Elbe fahren. Doch in diesem Jahr sind sie nicht gerade willkommen. So fordert der Landrat im Kreis Stade, Michael Roesberg (parteilos), jetzt in einem Appell dazu auf, zu dieser Obstblüte und auch zu Ostern nicht anzureisen und erst wieder im September zur Ernte einen Ausflug ins Alte Land zu unternehmen. Roesberg: „Wer an den Ostertagen einen Ausflug an die Elbe oder ins Alte Land plant, hat die Verhaltensregeln in Corona-Zeiten nicht verstanden und verhält sich falsch.“

Die Elbstrände und -deiche hat der Landkreis am Freitag daher sogar zu einer Tabuzone erklärt und das Betreten für eine „tagestouristische Nutzung“ komplett untersagt. Betroffen davon sind unter anderem der Lüheanleger, der Parkplatz Stader Sand, die Strände in Hollern-Twielenfleth oder auch der Jachthafen Neuenschleuse.

Vorbildliches Verhalten in der Coronapandemie nicht "unterwandern"

Offensichtlich hatten sich besorgte Bürger zuvor an die Kreisverwaltung gewandt, weil sie nun einen Ansturm von Besuchern befürchten, wie das Abendblatt erfahren hat. Diese Sorgen der Menschen in der „Urlaubsregion am Elbstrom“ müsse man sehr ernst nehmen, so der Landrat: „Unsere Bevölkerung verhält sich im Kampf gegen die Corona-Pandemie vorbildlich und unterwirft sich den erheblichen Einschränkungen. Da kann es nicht sein, dass Ausflügler diese Bemühungen unterwandern.“

Statt sich ins Auto zu setzen, sollte man jetzt besser einen Spaziergang ums Haus oder im eigenen Viertel unternehmen, empfiehlt Roesberg in einer offiziellen Mitteilung des Landkreises von diesem Freitag. Das jetzt für Elbstrände und -deiche im Landkreis Stade ausgesprochene Betretungsverbot bezieht sich auf einen Runderlass der niedersächsischen Landesregierung. Darin werden die Kommunen aufgefordert, mit Blick auf den möglicherweise starken Oster-Ausflugsverkehr zu prüfen, ob sie einzelne Ziele mit einem Betretungsverbot belegen wollen. So wie derzeit auch schon in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

April und Mai sind die touristischen Hauptmonate im Alten Land

Auch im Landkreis Harburg wird daher gerade geprüft, ob es für gutbesuchte Ziele wie etwa in der Lüneburger Heide ein Betretungsverbot geben könnte. „Wir sammeln aber erst einmal, was in Frage kommen könnte“, so eine Sprecherin. Konkrete Vorschläge gebe es noch nicht. Gleichwohl appelliere auch hier Landrat Rainer Rempe grundsätzlich daran, in dieser Zeit auf Ausflüge zu verzichten.

Das Alte Land im Landkreis Stade gehört üblicherweise zu den meistbesuchten Regionen im österlichen Ausflugsverkehr: Rund 420.000 Übernachtungen allein in Hotels und Pensionen werden jährlich gezählt, die vielen Ferienwohnungen sind dabei gar nicht mitgerechnet. Und rund 8,4 Millionen Tagesgäste kommen jedes Jahr – wobei gerade April und Mai die Hauptmonate darstellten, wie die Geschäftsführerin des örtlichen Tourismusverbandes, Monika Rulle sagt: „Wir sind jetzt natürlich total traurig, dass wir unsere Gäste nicht begrüßen können“, sagt Rulle.

Obstbaubetriebe verzeichnen Anstieg im Onlinehandel

Betroffen dürften im Alten Land vor allem die vielen Hofläden sein, die sich oft stark auf touristische Angebote ausgerichtet haben. „Wenn solche Einschränkungen der einzige Weg sind, diese Sache einzudämmen, dann habe ich aber Verständnis dafür“, sagt beispielsweise Hein Lühs vom Herzapfelhof in Jork. Schon jetzt würde man die Auswirkungen deutlich bemerken. In dem Hofladen des Hofes herrsche derzeit weit wenig Betrieb als sonst, aber es würden größere Mengen gekauft. „Auto fahren darf man ja noch“, so Lühs.

Auf der anderen Seite habe sich bei dem Jorker Obstbaubetrieb der Umsatz über den eigenen Onlineshop verdreifacht, auch wenn eine solche Anlieferung an die Haustür natürlich teurer sei als die Preise im Discounter, sagt Lühs. „Da sind wir froh, dass wir uns damit schon lange auf diesen Vertriebsweg ausgerichtet haben.“ Wer jetzt erst mit Online-Handel anfange, habe es sehr viel schwerer. „Das würde einen erdrücken“, so Lühs, der seinen Betrieb immer noch gut aufgestellt sieht und immer einmal wieder heftige Einschnitte erlebt. So wie im letzten Jahr, als es einen 80-prozentigen Ernteausfall durch Hagelschauer gab. „Als Landwirt muss man eben immer mit unvorhersehbaren Dingen rechnen“, sagt Hein Lühs.

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