Mobilfunk

Harburg hinkt bei 5G hinterher

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Lars Hansen
Tobias Krzossa ist zuständig für die 5G-Öffentlichkeitsarbeit bei Vodafone.

Tobias Krzossa ist zuständig für die 5G-Öffentlichkeitsarbeit bei Vodafone.

Foto: Valèry Kloubert / HA

In Hamburg gab es bereits Feldversuche für das schnelle Internet, doch der Süden war nicht berücksichtigt. Die SPD will das ändern.

Harburg.  Autonomes Fahren, vernetzte Produktion, Smart Citys oder das ominöse „Internet der Dinge“: All dies braucht eine stabile schnelle Datenübertragung, wie sie im Mobilfunkbereich lediglich der Standard der fünften Generation, kurz: 5G gewährleisten kann. Wer in den genannten Bereichen forscht, erfindet und entwickelt, tut also gut daran, möglichst frühzeitig mit 5G-Funk versorgt zu sein. Harburg als Standort einer Technischen Universität, eines Fraunhofer-Instituts und diverser – geplanter – Innovationsparks sollte da ganz vornean sein, sollte man meinen. Und in der Tat hat es im Hamburger Hafen ein 5G-Testfeld gegeben. Der Versuch ist allerdings beendet und der Funk abgeschaltet. 5G-Abdeckung gibt es in Hamburg derzeit hauptsächlich im Innenstadtbereich. Südlich der Elbe herrscht auf den 5G-Frequenzen Funkstille. Die SPD-Fraktion in der Harburger Bezirksversammlung findet diesen Zustand beklagenswert und fordert, dass die Stadt Druck auf die Deutsche Telekom macht, möglichst bald auch Harburg mit zu bedenken..

Die geplanten Innovationszentren brauchen das schnelle Netz

„Im Stadtentwicklungsausschuss hat die Hamburg Invest Entwicklungsgesellschaft (HIE) die Pläne des Senats für Innovationsparks in Harburg vorgestellt“, sagt Frank Richter, Vorsitzender sowohl der SPD-Fraktion als auch des Ausschusses. „Ziel ist es danach, von der Schlachthofstraße im Osten bis zum Bostelbeker Mercedes-Werk eine Innovationsachse zu schaffen. Dafür sind die Zielbranchen Green Tech, Maritimes und Luftfahrt, Digitalisierung und Materialwissenschaften sowie Mobilität identifiziert worden. Hierbei handelt sich insbesondere auch um Forschungsschwerpunkte der Technischen Universität sowie diverser Forschungseinrichtungen in ihrem Umfeld. Alle, arbeiten an autonomen Systemen, sei es Landesysteme in der Luftfahrt, Logistiksysteme in der Schifffahrt oder aber autonomes Fahren. Dafür benötigen sie den extrem schnellen Datenaustausch, den lediglich 5G gewährleisten kann. Aus diesem Grund hatten wir bereits im Herbst beantragt, das 5G-Testfeld im Hamburger Hafen um den Hamburger Binnenhafen zu erweitern.“

Behörden fühlen sich nicht zuständig

Auf den Antrag folgte Behördenwirrwarr: Die Behörde für Kultur und Medien, an die sich der Antrag gerichtet hatte, erklärte sich für nicht zuständig, da der Test von der Wirtschaftsbehörde durchgeführt wurde. Diese teilte mit, dass der Versuch beendet sei. Für Forschung sei ohnehin die Wissenschaftsbehörde verantwortlich.

Betreiber entscheidet über Netzausbau

Wo das Netz zuerst aus- und aufgebaut wird, entscheiden die Netzbetreiber. In Hamburg am weitesten ist die Deutsche Telekom. Ihre 5G-Zonen sind der nördliche Hafenrand, das Schanzenviertel samt Messequartier sowie die Innenstadt zwischen Rathaus und Hauptbahnhof. „Wir richten uns danach, wo bereits jetzt der meiste mobile Datenverkehr ist“, sagt Pressesprecherin Pia Habel, „und das scheinen die touristisch geprägten Bereiche zu sein. Wann Harburg bedacht wird, steht nicht fest. Spätesten 2025 wollen wir 95 Prozent der Bundesrepublik abgedeckt haben.“

Einen etwas anderen Ansatz hat da Vodafone, der zweite Anbieter, der bereits in Hamburg 5-G-funkt: „Wir konzentrieren uns genau nicht auf eine Nutzergruppe, sondern bauen so aus, dass wir möglichst viele Nutzungsarten in der Praxis erproben können, von urbanen Quartieren über Industriegebiete bis hin in den ländlichen Bereich“, sagt Tobias Krzossa, 5-G-Pressesprecher des Düsseldorfer Konzerns. „Dazu gehören auch so genannte Campus-Netze, die abgekoppelt vom öffentlichen Mobilfunknetz in Hochschulen und Firmen laufen, sensible Daten intern halten und schnell einzurichten sind, wenn man uns möglichst genau sagt, was sie leisten sollen.“

Campus-Netz für die TUHH?

Ein solches Campusnetz betreibt Vodafone in Hamburg bereits in den Hangars der Fuhlsbütteler Lufthansa-Basis. Auch für die TUHH oder das Fraunhofer-Institut käme so eine Lösung in Frage, glaubt Krzossa.

Frank Richter will sich damit nicht zufriedengeben: „Wenn die Stadt die „Innovation City Harburg“ so entwickeln will, dass sich immer mehr innovative Unternehmen im Binnenhafen ansiedeln, ist die digitale Infrastruktur unabdingbar“, sagt er. „Es kann nicht Aufgabe der Einrichtungen vor Ort sein, sich zusammenzuschließen und die Schaffung eines Testfeldes selbst mit den Telekommunikationsunternehmen auszuhandeln!“

Wunsch der SPD-Fraktion an die Stadt: Die Wissenschaftsbehörde soll das Testfeld durch ein Telekommunikationsunternehmen einrichten lassen.

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