Arbeitsmarktbericht

Kurzarbeit steigt dramatisch an

Kerstin Kuechler-Kakoschke, Chefin  der Agentur für Arbeit Lüneburg-Uelzen, und Frank Weihe, Bereichsleiter des Jobcenters Landkreis Harburg. 

Kerstin Kuechler-Kakoschke, Chefin der Agentur für Arbeit Lüneburg-Uelzen, und Frank Weihe, Bereichsleiter des Jobcenters Landkreis Harburg. 

Foto: Rolf Zamponi

Fast alle Unternehmen im Bereich der Arbeitsagentur Lüneburg haben die Hilfe beantragt – genaue Zahlen im April.

Winsen/Harburg. Die Coronakrise hat die Unternehmen im Nordosten Niedersachsens und im Süden Hamburgs hart getroffen. Für die Arbeitsagentur Lüneburg-Uelzen, zu der der Kreis Harburg zählt, stieg die Zahl der Anzeigen von Betrieben für Kurzarbeit bis zum 27. März auf 3000. Das teilte die Agentur am Dienstag mit. Wie viele Menschen hinter der Zahl der Anzeigen stehen und wie lange die Kurzarbeit genutzt wird, ist derzeit schwer abzuschätzen. Zahlen für jeden der vier Kreise, neben Harburg noch Lüneburg, Uelzen und Lüchow-Dannenberg, liegen noch nicht vor.

Das gilt auch für den Bezirk Harburg. Mit welcher Wucht jedoch die Pandemie auf Läden und Geschäfte, Handwerker, Dienstleister und das produzierende Gewerbe wirkt, lässt sich an einer bundesweiten Zahl ablesen: Hatten 2019 im Schnitt 1300 Betriebe Kurzarbeit angemeldet, gab es im März 470.000.

„Jetzt ist fast jedes Unternehmen in unseren Bereich in Kurzarbeit“, sagt Kersten Kuechler-Kakoschke, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Lüneburg-Uelzen, in Lüneburg. „Wir können nicht davon ausgehen, dass die Arbeitslosenzahlen im April rückläufig sind, denn in weiten Teilen ruht das Wirtschaftsgeschehen und Neu- oder Wiedereinstellungen setzen vorerst aus“.

Kurzarbeit ist bis zu zwölf Monaten möglich

Immerhin: Die Agenturchefin geht davon aus, dass die meisten Unternehmen sich inzwischen gemeldet haben: „Der große Run auf die Erstberatungen dürfte jetzt nachlassen.“ Bei Selbstständigen und kleineren Firmen wird zumeist Kurzarbeit für die gesamte Belegschaft angemeldet. Bis zu zwölf Monate sind möglich. „Unser Ziel ist es, dass alle, die für März Kurzarbeit angemeldet haben, ihr Geld möglichst schnell bekommen, „ sagt Kuechler-Kakoschke. Das gilt für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Die Unternehmen zahlen das Kurzarbeitergeld wie zuvor die Entgelte an ihre Mitarbeiter aus. Die Agenturen erstatten die Summe dann rückwirkend zum 1. März.

Um alle Leistungen möglichst zügig auszahlen zu können, wurde auch an den Standorten der Agentur im Landkreis Harburg die Arbeit neu verteilt und damit die Kapazitäten für die Kurzarbeit deutlich aufgestockt. So tritt mit dem Beginn der Ferien ohnehin die Berufsberatung an den Schulen in den Hintergrund, so dass die Beschäftigten dort nun ebenfalls für Fragen und Aufgaben im Bereich Kurzarbeit bereit stehen. Zudem wurden Urlaube verschoben. „Wir haben hier eine große Solidarität in der Belegschaft“, sagt Agentur-Chefin Kuechler-Kakoschke. Hilfreich ist in diesem Fall, dass in der Belegschaft der Agentur Lüneburg-Uelzen bislang niemand erkrankt ist.

Durch die Betreuung von Kindern sind einige der 850 Mitarbeiter ins Home-Office gewechselt. Wer aus einem Risikogebiet kam, ging 14 Tage in häusliche Quarantäne. Alle Verdachtsfälle erwiesen sich als unbegründet. Um alle Abläufe flexibler zu gestalten, können die Büros nun zwischen sechs und 22 Uhr genutzt werden.

Bei den Arbeitslosenzahlen ist Corona noch nicht berücksichtigt

Die Arbeitslosenzahlen für März spiegeln noch nicht die aktuelle Situation, sondern vielmehr noch die beginnende Frühjahrsbelebung wieder. Hintergrund ist der Meldetermin 12. März, als der Einfluss der Coronakrise noch kaum spürbar war. Im Landkreis Harburg sank die Zahl der Menschen ohne Job im März um 223 auf 5267. Die Quote ging im Monatsvergleich von 3,9 auf 3,8 Prozent zurück und war damit genauso hoch wie vor einem Jahr.

Im Bezirk Harburg sank ebenfalls die Zahl der Arbeitslosen um 146 auf 7281. Die Quote reduzierte sich im Monatsvergleich von 8,3 auf 8,2 Prozent. Im März 2019 lag der Wert noch bei 7,7 Prozent. Auch in Harburg werden jetzt mehr Mitarbeiter für den Bereich Kurzarbeit eingesetzt. Für Anrufer aus Hamburg gibt es zusätzlich zum Service Center eine Hotline unter 2485-3333. Klar ist: Seit dem 23. März hat sich die Entwicklung komplett gedreht. Entlassungen und Insolvenzen sind eingetreten, so dass sich schon jetzt ein anderes Bild ergibt. Erst mit den Daten für April dürfte das Ausmaß der Krise deutlich werden.

Landwirtschaft steht ohne Erntehelfer da

Die Landwirtschaft kann auf Grund des Einreisestopps als Antwort auf die Coronapandemie derzeit nicht mit der Einreise der Erntehelfer rechnen. Die Arbeitsagentur bietet daher ihr Unterstützung an. Unter www.arbeitsagentur.de/vor-ort/lueneburg-uelzen/landwirtschaft sind Informationen für Landwirte und interessierte Arbeitsuchende zusammengestellt.

Auch ein Überblick über die Vermittlungsbörsen, an die man sich wenden kann, ist dort zu finden. Für Landwirte steht bei der Suche nach Mitarbeitenden der Arbeitgeber-Service zur Seite. Er ist über die Servicenummer 0800 4 5555 20 oder per E-Mail an lueneburg-uelzen.arbeitgeber@arbeitsagentur.de erreichbar. https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/lueneburg-uelzen.

Klare Regeln

Kurzarbeit muss mit dem Betriebsrat abgesprochen werden. Die Kurzarbeit wird danach bei der Arbeitsagentur angezeigt. Dies kann auch online erfolgen. Die Agentur prüft, ob alle Voraussetzungen vorliegen und bewilligt den Antrag. Gezahlt wird Kurzarbeitergeld rückwirkend ab dem Monat, in dem sie angezeigt wurde.

Voraussetzung für Kurzarbeitergeld ist, dass ein wesentlicher Teil der Arbeit ausfällt. Mussten bislang ein Drittel der Beschäftigten von diesem Arbeitsausfall betroffen sein, reichen mit der aktuellen Regelung zehn Prozent. Die Arbeitsagentur übernimmt die Sozialversicherungsbeiträge komplett. Kurzarbeitergeld wird maximal für ein Jahr gezahlt. Allerdings kann es bei einer angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt auf zwei Jahre ausgeweitet werden.