Harburg
Bauprojekt

Neu Wulmstorf testet neue Wege für günstigen Wohnraum

Das erste Gemeinde-Projekt für preisgünstige Wohnungen entsteht gerade an der Liliencronstraße in Neu Wulmstorf.

Das erste Gemeinde-Projekt für preisgünstige Wohnungen entsteht gerade an der Liliencronstraße in Neu Wulmstorf.

Foto: Axel Tiedemann / HA

Erstes Projekt geht jetzt in die Vermarktung – wobei die Gemeinde selbst die Mieter aussucht. Investor für P&R-Parkplatz gesucht.

Neu Wulmstorf.  Ob am Ortsausgang oder direkt am Bahnhof: In Neu Wulmstorf entstehen derzeit Hunderte neuer Mietwohnungen. Allerdings werden sie oft zu Kaltmietpreisen um zehn, elf Euro pro Quadratmeter angeboten – wie überall im überhitzten Wohnungsmarkt im Hamburger Umland.

Um dennoch auch günstigeren Wohnraum anbieten zu können, testet die Gemeinde neue Wege: In einem Neubauprojekt an der Liliencronstraße hat sie sich mit einem Vertrag gesichert, dass der Investor in dem Projekt mit zwölf Wohnungen auch vier zu besonders günstigen Mieten anbietet. Die unterschiedlich großen 3-Zimmer-Wohnungen kosten plus Nebenkosten in etwa soviel wie andere Neubauwohnungen im Ort ohne diese Zusatzkosten. Die Gemeinde selbst sucht dafür jetzt die Mieter. „Das ist schon klar, dass das oft eine Mischkalkulation ist und die anderen Wohnungen dafür etwas teuerer sind“, sagt Bauausschuss-Vorsitzender Thomas Grambow (SPD). Aber man brauche eben im Ort auch dringend Angebote für günstigen Wohnraum.

Aktuell gilt in der Branche, dass der Neubau von einem Quadratmeter Wohnraum etwa 4000 Euro kostet, vor zehn Jahren wurde noch mit 2800 Euro kalkuliert. Preistreiber dabei ist oft der Grundstückspreis, so dass selbst bei bestem Willen kaum sehr preisgünstige Mietwohnungen gebaut werden können. In der Liliencronstraße war der Fall aber so gelagert, dass die Gemeinde das Grundstück am Ende der Straße schon vor Jahren übernommen hatte, um dort einmal eine Buskehre zu bauen. Damals dachte man noch, Neu Wulmstorf würde sich nicht viel weiter ausdehnen. „Wir konnten das Grundstück daher für einen sehr günstigen Preis verkaufen“, so Grambow.

Kirchengrundstück: die Gemeinde war nicht Höchstbietende

Doch an eigene Grundstücke zu gelangen, ist derzeit auch für die Gemeinde nicht einfach. Das musste sie bei einem Projekt am Gerhart-Hauptmann-Ring erfahren. Hier hatte kürzlich die Kirche ein Grundstück mit dem inzwischen abgerissenen Gemeindehaus zu verkaufen. Am Ende zählte auch hier, dass den Zuschlag erhält, wer am meisten bietet – und das war nicht die Gemeinde.

Aber weil der Investor mehr bauen will, als der Bebauungsplan zunächst her gab, konnte sich Neu Wulmstorf im Gegenzug für eine Lockerung der Vorgaben das Recht sichern, dass einige günstigere Wohnungen dort gebaut werden. Ähnliche Deals sind auch an anderer Stelle geplant. „Aber das Modell hat auch Schwächen, weil auch noch günstigere Wohnungen benötigt werden“, sagt Grambow.

Für den P&R-Parkplatz und Fahrradstellplatz am südlichen Bahnhofsausgang wird daher jetzt ein Investor gesucht, der dort in einem Mix mit anderen Angeboten auch geförderten, sozialen Wohnungsbau realisieren kann. Dafür sind die Voraussetzungen dann wieder gut: Das etwa 3000 Quadratmeter große Grundstück gehört nämlich schon der Gemeinde. ​