Corona-Krise

Geschäfte satteln auf Online-Shops um

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Lena Thiele
Annette Matthaei, Co-Inhaberin der Buchhandlung „Am Lambertiplatz“ in Lüneburg mit Ladenhüter Richie.

Annette Matthaei, Co-Inhaberin der Buchhandlung „Am Lambertiplatz“ in Lüneburg mit Ladenhüter Richie.

Foto: Malte Born / HA

Bücher, Kleidung, Sportartikel: Regionale Händler reagieren auf Ladenschließungen und liefern die im Internet bestellte Ware bis an die Haustür.

Lüneburg/Hittfeld/Winsen.  Überall in Niedersachsen sind die Geschäfte, die keine Dinge des täglichen Bedarfs anbieten, seit einigen Tagen geschlossen. Doch der Verkauf geht weiter, viele Ladeninhaber weisen mit Aushängen an ihren Eingangstüren und Mitteilungen auf ihren Internetseiten oder in sozialen Netzwerken darauf hin. Bücher, Spielzeug, Kleidung, Sportartikel, Geschenke und viele andere Dinge können trotz der Ausnahmesituation noch immer bei regionalen Händlern gekauft werden.

„Wir nehmen weiterhin Bestellungen an und liefern die Bücher dann selbst aus“, sagt Annette Matthaei von Bücher am Lambertiplatz. Wie die Lüneburger Buchhandlung sind viele Geschäfte weiterhin per Online-Shop oder Telefon für ihre Kunden zu erreichen – und die Inhaber heilfroh, wenn die Menschen diese Möglichkeit auch nutzen. Denn für sie bedeutet die Corona-Krise in den meisten Fällen eine massive Bedrohung ihrer wirtschaftlichen Existenz.

Deshalb sammeln Annette Matthaei und Co-Inhaberin Andrea Westerkamp nun täglich die Lesewünsche ihrer Kunden, packen die entsprechenden Päckchen zusammen und machen sich jeden Nachmittag per Fahrrad oder Auto auf dem Weg, um die Bestellungen im Stadtgebiet und den umliegenden Dörfern auszuliefern. Die Päckchen legen sie zusammen mit der Rechnung vor die Haustüren. „Das wird wirklich gut angenommen“, sagt die Buchhändlerin. „Wir bekommen viele rührende Rückmeldungen, das sind wirklich ganz tolle Menschen um uns herum. Einige haben auch Gutscheine bestellt, um uns zu unterstützen.“

Krimis und Romane stehen auf der Wunschliste

Während in den ersten Tagen vor allem Schulbücher geordert wurden, stehen auf den Wunschlisten der Kunden nun vor allem aktuelle Romane, auch Krimis sind gefragt, Sachbücher dagegen etwas weniger, als in normalen Zeiten. Auch viele Spiele und Hörbücher können die Buchhandlungen liefern. „Gerade hat eine Mutter vier Tip-Toi-Bücher auf einmal bestellt“, sagt Matthaei. Mit diesen interaktiven Büchern könnten sich Kinder sehr gut selbst beschäftigen.

Ähnliche Angebote machen viele andere Buchläden in der Region. Bei Seevebuch in Hittfeld erhalten die Kunden ihre Bestellungen aus dem Online-Shop per Post nach Hause geliefert. „Ich bitte Sie, uns auch in dieser Zeit treu zu bleiben und den Bestellservice rege zu nutzen“, schreibt Inhaberin Susanne Ludorf auf der Internetseite des Ladens. „Sie wissen ja: Bestellen im Internet ist kein Verbrechen, aber bei lokalen Händlern sollte es sein.“

Der Online-Shop mit Postversand ist auch bei der Buchhandlung am Sand in Harburg weiterhin geöffnet. Außerdem soll es von Montag an die Möglichkeit geben, Bestellungen zwischen 10 und 14 Uhr an der Ladentür abzuholen. Dabei müssten natürlich die Abstandsregelungen eingehalten werden, heißt es auf der Internetseite. „Erwägen Sie bitte im Sinne der ganzen getroffenen Maßnahmen, ob Sie dieses Angebot annehmen möchten.“

Zahlreiche andere Dinge können ebenfalls bei lokalen Einzelhändlern bestellt werden. Wer neue Hosen oder Pullover benötigt, kann sich beim Modehaus Düsenberg & Harms in Winsen beraten lassen und Kleidung kaufen. „Wir nutzen diese Tage, mit einer absoluten Notbesetzung im Hintergrund alles vorzubereiten auf den Tag der Wiedereröffnung“, heißt es auf der Internetseite des Familienunternehmens. „Bis zur Wiedereröffnung sind wir für Sie per E-Mail und Telefon erreichbar. Wenn Sie etwas benötigen, bringen wir es Ihnen auch herzlich gern bis an Ihre Haustür.“

Viele kleinere Bekleidungsgeschäfte sind telefonisch erreichbar

Für einige Stammkunden seien bereits kleine Auswahlpakete verpackt und verschickt worden. Das Modehaus Ramelow, das eine Filiale in der Buchholz Galerie betreibt, verweist auf seinen Online-Shop. Viele kleinere Bekleidungsgeschäfte und auch Sportartikelhändler sind telefonisch erreichbar und versuchen, den Verkauf soweit es geht aufrecht zu erhalten.

Schwierig ist die Situation auch für Geschäfte, die auf bestimmte Lebensmittel spezialisiert sind, zum Beispiel Metzgereien, Delikatessenhändler und Teeläden. Sie sind zwar weiterhin geöffnet, doch viele Kunden kaufen zurzeit eher in den großen Supermärkten ein, wo sie mit einem Einkauf alles Notwendige erhalten.

Deshalb haben zum Beispiel die Inhaberinnen von Samowar Tea & Records, die auch einen Online-Shop betreiben, das Sortiment in ihrem Lüneburger Laden aufgestockt. Außer Tee verkaufen sie nun auch einige Lebensmittel, mit denen normalerweise die Speisen für das angeschlossene Café hergestellt werden. Zudem bieten sie einen kostenlosen Lieferservice an.

Annette Matthaei hätte sich gewünscht, dass auch die Buchhandlungen geöffnet bleiben. Und das kann sie auch begründen: „Bücher sind ja im Grunde auch Lebensmittel für uns. Sie sind Futter für die Seele.“

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