Schwarzenberg

Harburger Schützengilde sagt Vogelschießen ab

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Die Schützen präsentieren sich zum Vogelschießen 2019 mit Holzvogel und Fahnen vor dem Hauptgebäude der Technischen Universität.

Die Schützen präsentieren sich zum Vogelschießen 2019 mit Holzvogel und Fahnen vor dem Hauptgebäude der Technischen Universität.

Foto: martina berliner

Traditionswoche im Juni muss wegen Coronavirus ausfallen. Verein modernisiert sich mit Dart und digitaler Schießanlage.

Harburg.  Eine seit Jahrhunderten gepflegte Harburger Tradition fällt in diesem Jahr dem Coronavirus zum Opfer: Am Montag sagte die Harburger Schützengilde ihr Vogelschießen auf dem Schwarzenberg ab. Begleitet von Veranstaltungen wie Spargelessen und Festumzug sollte es in der dritten Juniwoche stattfinden. „Derzeit ist damit zu rechnen, dass zu diesem Zeitpunkt die Verbreitung des Virus am höchsten ist“, sagt Nico Ehlers, Sprecher der Harburger Schützen. „Wir müssen unsere Mitglieder schützen. Viele von ihnen sind mehr als 60 Jahre alt.“ Der aktuelle Gildekönig Borhen Azzouz wird nun ein weiteres Jahr amtieren.

Die Absage ist für die Gilde deshalb besonders ärgerlich, weil die Harburger in diesem Jahr gleichzeitig Gastgeber des Bundeskönigsschießens gewesen wären. „Die Präsenz aller deutschen Landes- und Bundeskönige sowie des Vorstandes des deutschen Schützenbundes unter Führung von Schützenpräsident von Schönfels hätte uns zur Ehre gereicht“, schreibt Ingo Moenke, Erster Patron der Schützengilde, seinen Mitgliedern. „Wir sind aber nicht nur traurig, sondern verstehen diese unbedingt notwendige Absage auch als Chance für Veränderungen.“ Die Schützengilde sei dabei, sich zu modernisieren, um für neue Mitglieder attraktiver zu werden.

Den Mitgliedern geht es nicht nur ums Schießen

Zwar gelinge es der 492 Jahre alten, als Bürgerwehr entstandenen Institution, die Mitgliederzahl zu halten. Moenke: „Die Mitgliederschaft ist überaltert; wir verlieren unsere Mitglieder durch Tod. Aber es gelingt uns, dies zu kompensieren. Einige Mitglieder kommen aus der nächsten Generation, haben durch ihre Väter erlebt, wieviel Spaß die gemeinsamen Unternehmungen der Schützengilde machen. Dabei geht es nicht immer nur ums Schießen, sondern zum Beispiel auch um gemeinsame Ausflüge.“ Die neueste Facette der Verjüngungskur ist eine vor zwei Wochen gegründete Dart-Abteilung. Sie stoße innerhalb der Gilde auf viel Interesse und habe auch schon einige Neumitglieder angezogen, sagt der Erste Patron.

Traditionsbereich und Sportbereich sind zwei Dinge

Die Gilde unterscheidet zwischen dem Traditionsbereich, in dem sich nach wie vor nur Männer engagieren, und dem Sportbereich. Hier hat das weibliche Geschlecht Einzug gehalten. Gerade im Bereich des Sportschießens stehen fundamentale Veränderungen an, sagt Ingo Moenke: „Gesellschaftlich gewinnen Waffen, die mit Kugeln schießen, seit einigen Jahren nicht gerade an Zustimmung. Die Entwicklung geht Richtung Lichtpunktschießen. Die Zieltechnik ist auf unserem Schießstand bereits digitalisiert. In rund fünf Jahren werden wir mit Waffen ohne Munition schießen können. Also mit Waffen, mit denen nicht mehr Amok gelaufen werden kann.“

Bis Ende April wird Corona-bedingt auf der Schießanlage im Keller des Restaurants „Kaiserlich“ am Schwarzenberg kein Schuss mehr fallen. Sämtliche Versammlungen wurden abgesagt. „Nach den Sommerferien machen wir eine neue Bewertung, wie wir mit den Terminen im zweiten Halbjahr umgehen werden“, sagt Nico Ehlers. Ingo Moenke schreibt seinen Schützenbrüdern, potenziellen Ehrengästen und den Anhängern des Traditionsvereins: „Wir hoffen, Sie bereits am 12. Dezember 2020 wieder zu unserem Winterball einladen zu dürfen!“

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