Unternehmensgründung

Nachhaltige Mode made in Lüneburg

Maren Brandt mit einem Kleid aus ihrer Sommer-Kollektion: „The Fabulous“ ist in diesem Fall aus einem Bio-Baumwolle-Leinen-Gemisch aus Österreich.

Maren Brandt mit einem Kleid aus ihrer Sommer-Kollektion: „The Fabulous“ ist in diesem Fall aus einem Bio-Baumwolle-Leinen-Gemisch aus Österreich.

Foto: Lena Thiele

„Make Monday Sunday“-Gründerin Maren Brandt fertigt hochwertige Kleider. Sie setzt auf nachhaltige und lokale Produktion.

Lüneburg.  Ihr erstes selbstgenähtes Kleid war aus Samt, dunkelgrün und bordeaux. Maren Brandt muss lachen, als sie davon erzählt, es wäre wohl nicht mehr ganz ihr Stil heute. Aber mit 16 war es genau das Richtige für einen Besuch der „Zauberflöte“ in der Wiener Staatsoper. Rund 30 Jahre später fertigt Maren Brandt wieder ihre eigenen Kleider, mit einem klaren Bekenntnis zu Nachhaltigkeit, Langlebigkeit und Qualität. Mit ihrem Unternehmen hat sich die gebürtige Hamburgerin in Lüneburg niedergelassen und hier – eine Seltenheit in der Modebranche – werden die Kleider nicht nur entworfen und verkauft, sondern von dem derzeit siebenköpfigen Team auch produziert.

„Make Monday Sunday“ hat die 47-Jährige ihr im vergangenen Jahr gegründetes Label genannt. Die Idee dahinter: Hochwertige und unkomplizierte Kleider, in denen sich ihre Trägerinnen in jeder Lebenslage wohl fühlen. „Ich habe mich auf das Kleid konzentriert, weil ich es selbst so toll finde. Man braucht nur ein Kleidungsstück und ist angezogen“, sagt sie. Vier Grundmodelle können je nach Figur, Stil und Anlass in verschiedenen Variationen bestellt werden. Das Baukastenprinzip hält unterschiedliche Armlängen, Rockweiten und Farben bereit, die angebotenen Stoffe wechseln je nach Saison.

Erster Preis beim „Heidecrowd“-Wettbewerb

Maren Brandt trägt an diesem Tag das Modell „The Fabulous“, ein Wickelkleid in einem schimmernden Dunkelblau. Auf hohen Schuhen läuft sie durch das helle Atelier in einem Neubau am Lüneburger Stadtrand. Im Showroom stehen rosafarbene Tulpen auf einem Tischchen neben einem Sessel. An großen Zuschneidetischen weiter hinten haben ihre Mitarbeiterinnen Stoffbahnen ausgebreitet, die Nähmaschinen auf der anderen Seite des Raumes stehen noch still. Maren Brandt hat den Tag mit Yoga begonnen, jeden Morgen steht sie dafür um halb sechs auf. „Das erdet mich und gibt mir Ruhe, gerade in herausfordernden Zeiten.“

Mit ihrem Konzept holte die Gründerin den ersten Preis beim „Heidecrowd“-Wettbewerb. Beim Crowdfunding hatte sie die meisten Investoren überzeugt und am Ende 15.000 Euro eingeworben. Viel interessanter als das Geld, das sie für die Produktion der vorbestellten Kleider, Marketing und Kollektionsentwicklung ausgegeben hat, sei allerdings der mit der Kampagne verbundene Markttest gewesen, sagt Maren Brandt. „Wir wollten wissen: Interessiert das überhaupt jemanden?“ Die vielen positiven Rückmeldungen bestärkten sie darin, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Das notwendige Startkapital von 100.000 Euro finanzierte sie durch einen Kredit der Volksbank Lüneburger-Heide, einem Partner der Crowdfunding­initiative.

Der gesamte Produktionsprozess ist nachhaltig

Die Produktion ist konsequent nachhaltig. „Wichtig ist mir die volle Transparenz und Unabhängigkeit“, sagt die studierte Bekleidungsingenieurin. Sie hat in großen Textilunternehmen die gesamte Produktionskette gemanagt – von Schnittkonstruktion und Material­auswahl, über Produktionsprozess und Schadstoffmanagement bis zu Qualitätssicherung. Vor fünf Jahren wechselte sie in die Selbstständigkeit und berät seitdem Firmen, wie diese ihre Produktionsprozesse nachhaltig gestalten können. „Es war schon immer mein Ansatz, etwas zu schaffen, das von Wert ist“, sagt sie. „Im globalen Irrsinn der textilen Produktion will ich nicht mitmachen.“

Mit ihrer eigenen Modemarke hat die Gründerin, die das Nähen von ihrer Oma gelernt hat, den gesamten Herstellungsprozess nun selbst in der Hand. Dass sie die Kleider trotz der – im Vergleich zur Produktion im Ausland – höheren Kosten in Lüneburg produzieren lässt, ist für die Unternehmerin nur konsequent. „Ich will dort einen sozialen Mehrwert schaffen, wo ich lebe“, sagt Maren Brandt, die vor drei Jahren Hamburg verlassen hat und mit ihrer zehnjährigen Tochter in Deutsch Evern wohnt. Ihre Söhne, 20 und 22 Jahre alt, sind bereits ausgezogen, der eine ist Filmstudent und hat unter anderem den Imagefilm fürs Crowdfunding gedreht. Ihre Familie gibt ihr Kraft, ebenso die Arbeit im Garten – auch wenn dafür nicht viel Zeit bleibt, wie sie sagt. „Ich liebe es, in der Erde zu buddeln.“

Den Schritt nach Lüneburg hat Maren Brandt nicht bereut. „Es ist eine kleine Stadt, aber sehr weltoffen. Auch die Uni bringt eine unglaubliche Dynamik ein“, sagt sie. Als Unternehmerin profitiere sie von einem starken Netzwerk, die Menschen seien sehr interessiert an nachhaltiger Mode. „Es ist eine gute Mischung aus Studenten und alteingesessenen Lüneburgern, die sehr verbindlich sind. Hier wird nicht viel geschnackt, sondern einfach gemacht.“

Das Team fertigt in der Näherei auch Auftragsarbeiten

Mit ihrem Anspruch, ein nicht nur ökologisch, sondern auch sozial nachhaltiges Unternehmen aufzubauen, ist Maren Brandt auch an Grenzen gestoßen. Ihr Plan war es, für die lokale Produktion vor allem Menschen mit Fluchthintergrund zu beschäftigten. „Das hatte ich mir viel leichter vorgestellt.“ Tatsächlich sei es sehr schwierig, Mitarbeiter mit den entsprechenden Fähigkeiten zu finden. „Deshalb werde ich nun erst einmal ein Team aufbauen, das die Qualität sichert, und dann nach und nach weitere Mitarbeiter integrieren.“ Zurzeit arbeiten sieben Frauen für das Unternehmen, sie kommen unter anderem aus der Slowakei, Österreich und Dänemark. Vor einigen Wochen hat eine Frau aus Syrien fest angefangen, im August stößt eine Auszubildende dazu.

Die Kleider nähen sie „on demand“, produziert wird nur das, was bestellt wurde. Ausgelastet ist die Produktionsstätte damit noch nicht. Das Team fertigt deshalb auch Auftragsarbeiten, zum Beispiel einen Stapel rote Mitarbeiter-Shirts für ein Café in Lauenburg.

Online-Shop startet Ende März

„Das hat den Vorteil, dass ich die Marke ganz entspannt nach vorn bringen kann“, sagt Maren Brandt, die auch beim Wachstum auf Nachhaltigkeit achtet. Spätestens im dritten Betriebsjahr soll sich die Marke, so steht es im Businessplan, selbstständig tragen. Bisher können ihre Kleider zum Preis von etwa 300 bis 400 Euro im Atelier und online über ein ausdruckbares Formular gekauft werden. Ende März soll der Online-Shop starten, dann ist auch der Kauf per Mausklick möglich. Bald soll es außer Kleidern auch Mäntel geben.

Die Kundinnen sind zwischen Ende 20 und Mitte 70 Jahre alt, das hat eine Studie ergeben. „Zu uns kommt die ältere Dame aus Hannover genauso wie die junge Frau, die für ihre Hochzeit ein modernes Kleid sucht“, sagt Maren Brandt, die selbst mehrere Kleider aus der Kollektion besitzt. Das selbstgenähte Samtkleid aus Wien hat sie nicht mehr. An das Gefühl von damals, etwas Eigenes geschaffen zu haben, kann sie sich dennoch gut erinnern. „Es war krumm und schief genäht. Aber ich war so stolz.“

So funktioniert das regionale Crowdfunding

„Heidecrowd“ ermöglicht – als Partnerplattform von www.startnext.de – regionales Crowdfunding für Unternehmen im Nordosten von Niedersachsen. Finden sich dabei ausreichend Unterstützer für ein Konzept, besteht die Möglichkeit, zusätzlich einen Kredit oder eine Förderung zu erhalten. Darüber hinaus werden Workshops und Beratungen für die Teilnehmer angeboten.

Die Unternehmen stellen sich und ihr Konzept in einem festgelegten Zeitraum vor. Vorab wird eine Summe festgelegt, die für ein erfolgreiches Crowdfunding erreicht werden muss. Die Unterstützer erhalten je nach ihrem Beitrag ein „Dankeschön“ von unterschiedlichem Wert.

Zugelassen sind Gründungen aus allen Bereichen, sei es Technik, Kultur oder Kreativwirtschaft. „Heidecrowd“ ist eine Initiative von der IHK Lüneburg-Wolfsburg, der NBank, der Leuphana Universität, der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Niedersachsen (MBG), den Sparkassen Lüneburg und Harburg-Buxtehude, der Volksbank Lüneburger Heide sowie der VR PLUS Altmark-Wendland.

„Make Monday Sunday“ hat Kleider in den Größen 34 bis 52 im Angebote. Sie basieren auf vier Grundmodellen, auch Sonder- und Maßanfertigungen sind möglich. Weitere Informationen zum Unternehmen und seinen Anspruch an Nachhaltigkeit sowie den Online-Shop gibt es im Internet auf www.makemondaysunday.com. Das Atelier mit Showroom befindet sich in Lüneburg an der Straße Vor dem Bardowicker Tore 6a.