Neu Wulmstorf

Ein DRK-Projekt bringt Hilfe ins Haus

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Hanna Kastendieck
In Neu Wulmstorf startet das DRK eine Initiative, um häusliche Pflege und Unterstützung im Alltag miteinander zu verbinden.

In Neu Wulmstorf startet das DRK eine Initiative, um häusliche Pflege und Unterstützung im Alltag miteinander zu verbinden.

Foto: Christoph Schmidt / dpa

Die Initiative „ZUTUN“schiebt Kooperation zwischen Pflegedienst und Hausservice in der Gemeinde an. Jetzt wird der Bedarf ermittelt.

Neu Wulmstorf.  Thomas Grambow mag es, Menschen zusammenzubringen. Im Oktober gründete der Zweite Vorsitzende des DRK Neu Wulmstorf die Initiative „ZUTUN“, unter deren Dach Ehrenamtliche hilfsbedürftigen Senioren Unterstützung im Alltag und Haushalt anbieten. Acht Ehrenamtliche sind seitdem für die alten Menschen in der Gemeinde im Einsatz, gehen mit ihnen einkaufen und spazieren, begleiten sie zum Arzt und helfen bei kleinen Aufgaben im Haushalt.

Professionelle Tagespflege, die Haushaltshilfe einschließt

Doch das ist offenbar nicht genug. Jetzt soll unter dem Dach des DRK-Hausservice außerdem ein Tagespflegedienst starten, der in enger Zusammenarbeit mit einem gewerblichen Hausservice auch Haushaltshilfe vor Ort anbietet will. Ziel ist es, den Menschen über die ehrenamtliche Alltagsunterstützung hinaus auch eine professionelle Tagespflege anzubieten, die Haushaltshilfe mit einschließt.

Es muss ausreichend Interessenten geben

„Das aber wird uns nur gelingen, wenn wir genug Interessierte finden, die das Angebot nutzen möchten“, sagt Thomas Grambow, der diesbezüglich zu einer ersten Infoveranstaltung am 18. März einlädt (siehe Kasten). Der Grund: Da es in Neu Wulmstorf kaum Kapazitäten bei ambulanten Pflegediensten gibt und auch das Angebot an gewerblich, örtlichen Haushaltshilfen so gut wie ausgeschöpft ist, müssen Firmen aus der Region für die Tagespflege in der Gemeinde gewonnen werden. „Diese aber sind nur bereit, sich auf den Weg zu machen, wenn sie vor Ort gleich mehrere Betroffene betreuen können“, so Grambow. „Für einen Einsatz allein lohnt sich die Anfahrt für die Unternehmen nicht.“

Ein Unternehmen aus Buxtehude hat Interesse

Inzwischen ist es dem DRK-Mitglied gelungen, sowohl einen Pflegedienst wie auch einen Hausservice für den Einsatz in Neu Wulmstorf zu begeistern. Beide Unternehmen sind in Buxtehude ansässig, aber bereit, ihr Angebot auf Neu Wulmstorf auszuweiten, sofern sich ausreichend Interessenten finden. Die Kooperation der beiden Anbieter ist auch insofern wichtig, da das gewerbliche Hausservice-Unternehmen seine Leistungen nur dann über die Pflegekasse abrechnen kann, wenn es mit einem ambulanten Pflegedienst zusammenarbeitet. „Im Normalfall muss ein Hausservice privat bezahlt werden“, sagt Thomas Grambow. „Das aber können sich viele Betroffene gar nicht leisten.“

Auslöser für die Idee des ehrenamtlich im DRK engagierten SPD-Politikers war die Schließung eines Dienstleistungsunternehmens im Zentrum von Neu Wulmstorf, unter dessen Dach Leistungen wie Einkaufen und Reinigen des Wohnraums, das Kochen von Mahlzeiten und die Erledigung administrativer Aufgaben angeboten wurden. „Mit der Schließung ist ein für Neu Wulmstorf wichtiges Angebot weggebrochen“, sagt Thomas Grambow, der hofft, dass er mit seinem Vorstoß unter dem Dach von „ZUTUN“ eine schnelle Lösung für Neu Wulmstorf schaffen kann.

Diakonie bestätigt: Wir brauchen mehr Angebote

Wie angespannt die Situation in der ambulanten Pflege und Haushaltshilfe tatsächlich ist, bestätigt die Diakoniestation Neu Wulmstorf. „Wir haben viele Anfragen, die wir nicht bedienen können“, sagt Mitarbeiterin Johanna Johannsen. „Die Versorgung der Menschen vor Ort ist ein echtes Problem, allerdings nicht nur in Neu Wulmstorf und dem Landkreis Harburg, sondern in ganz Niedersachsen. Natürlich würden wir gern unser Angebot erweitern, aber wir finden einfach kein Pflegepersonal.“

Es gibt zu wenig qualifizierte Pflegekräfte

Thomas Edelmann, Vorstand des Regionalverbandes Harburg der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. spricht von einem „Riesenproblem“, das in der Vergangenheit gemacht und in der Gegenwart verstärkt worden sei. „Wir haben einfach zu wenig Pflegekräfte qualifiziert“, sagt er. „Und wir haben nicht dafür gesorgt, dass die Pflege ein gutes Image behält. Wer an Pflege denkt, denkt automatisch an schlechte Bezahlung und schlechte Arbeitsbedingungen. Beides ist falsch."

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