Harburg
Fridays for future

Auf Klimademo mit Aktivisten aus Buchholz

Eine Gruppe der Buchholzer „Fridays for Future“-Aktivisten hat sich mit kreativen Plakaten für die Demo in Hamburg gerüstet.

Eine Gruppe der Buchholzer „Fridays for Future“-Aktivisten hat sich mit kreativen Plakaten für die Demo in Hamburg gerüstet.

Foto: Malte Born / HA

Auch aus der Nordheide haben sich rund 30 Menschen aufgemacht, um in Hamburg bei der Großdemo dabei zu sein. In Buchholz sind sie sehr aktiv.

Buchholz/Hamburg.  Etwa 30 Aktivistinnen und Aktivisten von Fridays for Future, Parents for Future und Greenpeace sind für die Hamburger Klimademo aus Buchholz angereist. Die Gruppe hat sich allerdings schon im Zug zerstreut. Jetzt stehen fünf Schülerinnen und Schüler im Kreis. Die Bühne ist weit entfernt, aber mitten ins Gedränge wollten sie nicht.

Niclas Schwab gehört seit einem Jahr zur Gruppe

Niclas Schwab (17) gehört zum harten Kern des Buchholzer Ablegers von „Fridays for Future“. Er trägt eine Lederjacke und einen roten Irokesenhaarschnitt. Die Hände hat er während der Demo in seinen Hosentaschen. Manchmal holt er sie heraus, um drei- oder viermal laut und schwer zu klatschen. „Ich bin beeindruckt, wie viele Menschen hier sind“, sagt Schwab. Er geht seit über einem Jahr zu den Demonstrationen in Buchholz, seit dem Sommer gehört er zu den Organisatoren.

„Die Buchholzer Aktivisten der ersten Generation sind inzwischen alle studieren gegangen“, sagt Niclas Schwab drei Tage vor der Klimademo im Café Schrader in Buchholz. Er selbst macht im April seinen Abschluss an der Fachoberschule, danach will er ein Freiwilliges Soziales Jahr machen. Angst um die Zukunft der Buchholzer Gruppe hat er nicht.

Der harte Kern besteht aus fünf bis zehn Leuten

Zum harten Kern in Buchholz gehören laut Niclas Schab etwa fünf bis zehn Leute. Gemeinsam planen sie Demonstrationen und andere Aktionen. Im vergangenen Jahr nahmen sie an allen globalen Klimastreiks der Bewegung teil, zu Spitzenzeiten gingen in Buchholz 1400 Leute auf die Straße. Nicht schlecht für eine Stadt mit 38.000 Einwohnern. Die nächste Demonstration in Buchholz ist für den 24. April geplant. Bis dahin demonstriert der harte Kern der Bewegung in Hamburg.

Dort imitiert in der Nähe der Buchholzer ein junger Mann Donald Trump. Auf dem Kopf hat er eine blonde Perücke, das Gesicht hat er sich orange angemalt. Er verspricht, dass der Klimawandel erfunden sei. „Es wird auch in Zukunft Pinguine geben. Believe me!“ Die Buchholzer lachen, die Stimmung ist gut.

Radikale Aktionen würden Unterstützer verschrecken

Sind die Klimaaktivisten vielleicht zu nett? „Wir haben ja schon einen Haufen Kritik, weil wir die Schule schwänzen“, sagt Niclas Schwab. „Wenn wir anfangen würden Straßen zu blockieren, würden wir einen großen Teil unserer Unterstützer verlieren.“ Er sieht durchaus Berechtigung für radikalere Formen des Protests. Allerdings sollten diese nicht innerhalb der Bewegung „Fridays for Future“ stattfinden. „Wir müssen so bleiben, wie wir sind“, sagt er.

Forderungen an den Buchholzer Stadtrat

Auch abseits der Straße versuchen die Buchholzer Aktivisten Einfluss auf die Politik zu nehmen. „Wir versuchen auf kommunaler Ebene über die Politik etwas zu bewegen“, sagt Niclas Schwab. Im vergangenen Jahr hatte die Gruppe eine ganze Reihe von Anträgen an den Stadtrat gestellt. Sie forderten unter anderem die Förderung von Dachbegrünung und eine Abgabe auf Einwegprodukte. Die Anträge stellten sie den Fraktionen im Stadtrat vor, viele unterschrieben eine ganze Reihe der Forderungen. „Ich glaube schon, dass sich die Politiker in Buchholz bemühen wollen“, sagt Niclas Schwab. „Man könnte aber definitiv mehr machen.“

Auch im öffentlichen Raum sind die Klima-Aktivisten präsent. So demonstrierten sie vor Silvester vor verschiedenen Supermärkten, um auf die Lärm- und Umweltbelastung durch die Feuerwerke aufmerksam zu machen. An Neujahr zogen die Schülerinnen und Schüler dann mit Müllbeuteln bewaffnet durch Buchholz und sammelten den Müll der vorangegangenen Nacht auf.

Manchmal macht sich Hoffnungslosigkeit breit

Trotz der vielen Menschen, die seit Monaten für mehr Klimaschutz auf die Straße gehen, sieht Niclas Schwab keine großen Verbesserungen in der Politik. „Manchmal denke ich mir: Das ist doch alles für’n Arsch“, sagt er. Was stimmt ihn trotzdem optimistisch? „Mir macht Hoffnung, dass so viele junge Menschen für mehr Klimaschutz demonstrieren.“

Eine Stunde verharren die Demonstranten am Heiligengeistfeld. Neben Reden gab es Musik von „Fettes Brot“. Dann setzt sich der Protestzug langsam in Richtung Innenstadt in Bewegung.