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Bildung

Lüneburger gründen Demokratische Schule

Alina Zilien, Vorstand im Verein Selbstbestimmt Lernen in Lüneburg, gründet mit Mitstreitern eine Demokratische Schule.

Alina Zilien, Vorstand im Verein Selbstbestimmt Lernen in Lüneburg, gründet mit Mitstreitern eine Demokratische Schule.

Foto: Lena Thiele

Kinder von sechs bis 16 Jahren sollen in der freien Einrichtung selbstbestimmt lernen können. Start für dieses Jahr geplant.

Lüneburg.  Ein Baum ist das Zeichen der Gründungsinitiative für eine Demokratische Schule in Lüneburg. Fest verwurzelt, in seinem eigenen Tempo wachsend, mit vielen Verästelungen, älteren und jüngeren Zweigen – so ähnlich soll es auch den Kindern an der neuen Schule gehen. Im kommenden Schuljahr sollen die ersten 20 bis 30 Schüler der Klassenstufen eins bis vier mit dem gemeinsamen Lernen starten – wenn die Initiative bis dahin ein geeignetes Gebäude gefunden hat.

„Uns geht es darum, dass Kinder in der Schule ihre Potenziale entfalten können“, sagt Alina Zilien, Vorstand im Verein Selbstbestimmt Lernen in Lüneburg, der hinter der Schulgründung steht. Doch an staatlichen Schulen seien die Bedingungen dafür oft nicht gegeben. „Im Moment haben wir keine Hoffnung, dass sich dieses System ändert. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, eine Schule in freier Trägerschaft zu gründen und die Schullandschaft in Lüneburg um eine weitere Alternative zu ergänzen.“

Kinder entscheiden selbst, wie sie lernen wollen

Das Konzept der Demokratischen Schule stellt das selbstbestimmte Lernen in den Mittelpunkt. Kinder sollen bestärkt werden, die eigene Zukunft in einer komplexen Gesellschaft mit Zuversicht in die Hand zu nehmen. „Kinder eignen sich die Dinge an, die sie brauchen, um zum Beispiel etwas zu bauen oder ein Spiel zu spielen“, sagt die 35-Jährige. „Sie erkennen selbst, dass lesen, schreiben und rechnen für das Leben wichtig sind.“ Dabei ist den Gründern die Vielfalt der Schüler wichtig, die Kinder unterschiedlichen Alters sollen auch voneinander lernen. Begleitet werden sie von Lehrern und weiteren Pädagogen.

Die Tage an der Schule werden unterschiedlich gestaltet sein, da die Kinder selbst entscheiden können, womit sie sich beschäftigen. Um individuelle Lernwege zu ermöglichen, gibt es nicht nur Lehrbücher, Arbeitshefte und weiteres Arbeitsmaterial. Die Lehrer – und auch die Schüler selbst – gestalten zudem verschiedene Angebote und Projekte, an denen die Kinder freiwillig teilnehmen können.

Anstelle von Zeugnissen gibt es Lernstandsgespräche

„Dazu gehören immer Angebote zum Lesen, Schreiben und Rechnen“, sagt Alina Zilien. „Aber es ist auch möglich, dass ein Lehrer mit den Kindern einen Lehmofen baut, ein Zirkusprojekt anbietet oder ein Theaterstück einstudiert.“ Die Entwicklung der Schüler wird dokumentiert, anstelle von Zeugnissen gibt es halbjährlich Lernstandsgespräche. Am Ende der Schulzeit sollen die Schüler den Haupt- oder Realschulabschluss erwerben können. Wer die Schule wechseln will, erhält ein Zeugnis.

Die Idee, eine Demokratische Schule in Lüneburg aufzubauen, entwickelte die Kulturwissenschaftlerin und Mutter von fünf Kindern bereits 2016 mit zwei Mitstreitern. Mittlerweile treibt ein Kernteam von etwa zehn Leuten die Planungen voran. Sie haben am Konzept gefeilt, an ähnlichen Schulen hospitiert und mögliche Standorte geprüft. Vor zwei Jahren reichten sie den Antrag auf Genehmigung bei der Schulbehörde ein.

Noch fehlt ein geeignetes Gebäude für den Schulstart

Das Konzept sei mittlerweile bis auf einige Details abgestimmt, sagt Alina Zilien. Doch die Zusage als genehmigte Ersatzschule ist nur für ein Gesamtpaket möglich. Und dafür fehlt noch das geeignete Gebäude, das alle Anforderungen an einen Schulstandort erfüllt. Nach mehreren Rückschlägen in der Stadt verfolgt die Initiative nun auch Möglichkeiten in den Nachbargemeinden wie Bardowick und Reppenstedt.

Benötigt wird ein gut erreichbares Gebäude, das passende Räume zum Beispiel für eine Werkstatt, ein Atelier und einen Bewegungsraum bietet. Der Verein will es mieten oder notfalls ein Grundstück pachten und übergangsweise mit Schulcontainern starten. Da die Schule sich in den ersten drei Jahren selbst finanzieren muss, nimmt der Verein einen Kredit auf, der vollständig durch Bürgschaften abgesichert sein muss. Außerdem zahlen die Eltern Schulgeld.

Wird das Raumproblem rechtzeitig gelöst, sollen im kommenden Schuljahr die ersten Grundschüler aufgenommen werden. Im darauffolgenden Jahr wird die Sekundarstufe eingerichtet. Jährlich sollen etwa acht Schüler hinzukommen, bis etwa 100 bis 120 Kinder die Demokratische Schule besuchen. Das Interesse ist groß. Etwa 350 Kinder – vor allem aus Lüneburg und Umgebung, aber auch aus anderen Bundesländern und sogar dem Ausland – stehen bisher auf der unverbindlichen Anmeldeliste.

Informationen beim Elternabend am Dienstag


Für Eltern, deren Kinder kurz vor der Einschulung stehen oder bereits die Klassen eins bis vier besuchen, bietet der Verein am Dienstag, 25. Februar, einen Infoabend an. Beginn ist um 20 Uhr im Plan B, Gebäude 9 auf dem Campus der Leuphana Universität, Universitätsallee 1 in Lüneburg.

Lehrer und Pädagogen, die sich für eine Stelle an der Schule interessieren, können sich weiterhin bewerben – sowohl für den Grundschulbereich als auch für die Sekundarstufe I.

Voranmeldungen für die Schule in Gründung sind bereits möglich. Die Möglichkeit dazu sowie weitere Informationen über das Konzept und den Projektstatus gibt es im Internet auf www.demokratischeschulelueneburg.jimdofree.com.