Harburg
Projekt Entfaltungsräume

Verein plant neue Oberschule in Seevetal

Initiatorin Marie Krüger vor dem neuen Gebäude der Demokratischen Schule Seevetal.

Initiatorin Marie Krüger vor dem neuen Gebäude der Demokratischen Schule Seevetal.

Foto: Lena Thiele / HA

Demokratische Grundschule Heureka ist nach Ohlendorf gezogen. Von 2020 an sollen auch Fünfklässler unterrichtet werden.

Ohlendorf.  Nach einem Jahr in Egestorf ist die Demokratische Grundschule Heureka an ihren neuen Standort in Seevetal gezogen. Im früheren Jugendheim in Ohlendorf werden seit Beginn des Schuljahres 24 Schüler zwischen sechs und zehn Jahren unterrichtet. Zum kommenden Schuljahr soll die Einrichtung, die von einem Verein getragen wird, zudem erweitert werden. Für den Sommer 2020 ist der Start einer Oberschule mit mindestens zwölf Schülern geplant – sofern sich ausreichend qualifizierte Lehrerinnen dafür finden.

Der Umzug war von Anfang an geplant gewesen, der Start in Egestorf als Übergangslösung gedacht, bis das Gebäude in Ohlendorf bezogen werden konnte. Der Trägerverein Projekt Entfaltungsräume hat das Haus, zu dem ein Hof und ein großer Garten gehört, für zunächst zwei Jahre unkündbar gemietet. Eigentümer ist das Bündnis islamischer Gemeinden in Norddeutschland, das die Räume weiterhin am Wochenende für Koranunterricht nutzt.

Renovierung des Jugendheims dauerte mehrere Monate

Im Mai hatten die Vereinsmitglieder begonnen, das Haus zu renovieren und für den Schulbetrieb vorzubereiten. „Wir haben mehrere sehr alte Bäder rausgerissen, den Boden neu gemacht und die Wände gestrichen“, sagt Marie Krüger, die die Grundschule gemeinsam mit ihrem Mann Torsten Krüger im vergangenen Jahr gegründet hatte.

Das Schulgebäude hat nun im Erdgeschoss einen großen Kreativraum mit Werktisch auf der einen Seite und Nähmaschinen auf der anderen. An den Wänden stehen mehrere Regalen gefüllt mit Bastelmaterial, wie buntem Tonpapier, Perlen, Wolle und Stoffen.

„Gerade war ich mit einigen Schülerinnen im Stoffgeschäft, und wir haben tollen Stoffe für die Wickelkleider ausgesucht, die wir nähen wollen“, sagt Marie Krüger. Denn das Konzept der Demokratischen Schule setzt andere Schwerpunkte als eine Regelschule. Jedes Kind soll hier sein individuelles Potenzial entfalten können. Im Mittelpunkt steht das selbstbestimmte Lernen, die Schüler können selbst entscheiden, womit sie sich beschäftigen wollen. Die Lehrer, die hier Lernbegleiter heißen, unterstützen die Kinder dabei, in ihrem eigenen Tempo ihre Ziele zu erreichen.

Konzept der Schule setzt auf selbstbestimmtes Lernen

„Wir arbeiten mit Lernblumen“, erklärt Lehrerin Susanne Wolniak, die von Anfang an hier unterrichtet. Jedes Blatt einer Blume steht für eine bestimmte Kompetenz, die die Kinder in diesem Unterrichtsfach erreichen sollten – zum Beispiel in Mathe den Zahlenraum bis zehn beherrschen. Regelmäßig wird dies überprüft und gegebenenfalls das entsprechende Blatt farbig ausgemalt. Am Ende der Grundschulzeit sollten alle Blätter ausgefüllt sein. In welchem Tempo dies geschieht, sei jedoch bei vielen Kindern von Fach zu Fach sehr unterschiedlich, sagt Susanne Wolniak.

Die Kinder können auch im Musikraum Klavier, Keyboard oder Schlagzeug spielen – letzteres ist allerdings auf zwei vorgegebene Stunden pro Tag beschränkt. „Das war anfangs einfach zu oft zu laut im ganzen Haus“, sagt Marie Krüger. Im Bewegungsraum nebenan, der mit farbig bezogenen Matratzen ausgelegt ist, verkleiden sich zwei Mädchen mit bunten Tüchern.

Oberschüler sollen im ruhigen Obergeschoss lernen

Ebenfalls im Erdgeschoss befinden sich die von Marie Krüger selbst gebauten Garderoben der Kinder sowie ein Raum für die Behindertentoilette, der zurzeit fertiggestellt wird.

Für ruhiges Lernen gibt es im Obergeschoss der Schule einen weiteren großen Raum, in dem mehrere zusammengestellte Tische stehen, an denen die Kinder allein oder in Gruppen arbeiten können. Es ist eine Sofaecke eingerichtet und in einem Aquarium schwimmen kleine Fische. Ein paar Schülerinnen schreiben den Text zu einem Lied auf, das sie gerade gelernt haben, und singen dabei vor sich hin. Auf einem runden Teppich sitzen zwei Kinder und schichten Dominosteine aufeinander. Ein anderes Mädchen sitzt am Tisch, wiederholt leise die Silben verschiedener Wörter und schreibt sie auf ein Arbeitsblatt.

Dieses Stockwerk soll künftig für die Oberschüler reserviert sein. Ein separater Bereich für die älteren Schüler sei eine der Vorgaben durch das Landesschulamt, sagt Marie Krüger. Eine weitere ist die Einstellung qualifizierter Lehrkräfte, die zusammen alle Unterrichtsfächer abdecken.

Noch werden Lehrer für die Oberschule gesucht

Einen großen Teil können die mittlerweile drei angestellten Lehrer anbieten. Was noch fehlt, sind Lehrer für die Fächer Deutsch, Englisch, Musik und Kunst. „Das ist eine Herausforderung“, sagt Marie Krüger. „Wenn wir die passenden Leute gefunden haben, kann es losgehen.“ Die erforderlichen zwölf Schüler seien kein Problem, allein zehn derzeitige Viertklässler wollten im Sommer in die angegliederte Oberschule wechseln.

Auch das für eine Schulgründung erforderliche Konzept liegt bereits fertig in der Schublade, es muss nur noch bei der Landesschulbehörde eingereicht werden. Dann könnte im Frühjahr 2020 die Genehmigung für die neue Demokratische Oberschule in Seevetal erteilt werden.

Eine Grundschule mit 24 Schülern

Die Demokratische Grundschule Heureka Seevetal hat zurzeit 24 Schüler, zwölf Mädchen und zwölf Jungen. Außer den zehn Viertklässlern, die auf die Oberschule wechseln könnten, werden hier sieben Erstklässler, drei Zweitklässler und vier Drittklässler gemeinsam unterrichtet. In diesem Schuljahr können weitere sechs Schüler aufgenommen werden.

Die Finanzierung der Schule ist für die ersten drei Jahre durch einen Bankkredit sowie Elternbeiträge gesichert. Die Eltern zahlen pro Monat durchschnittlich 200 Euro plus 30 Euro für Material und Projekte. Vom vierten Betriebsjahr an erhält die anerkannte Ersatzschule auch staatliche Zuschüsse.

Für die Oberschule, die im August 2020 starten soll, werden noch Lehrer gesucht, vor allem mit den Fächern Deutsch, Englisch, Musik und Kunst. Sie müssen ein entsprechendes Studium abgeschlossen haben.

Träger der Schul e ist der Verein Projekt Entfaltungsräume. Er lädt regelmäßig zu Schnuppernachmittagen ein, bei dem sich Eltern und Kinder über die Schule und das Unterrichtskonzept informieren können. Termine sowie weitere Informationen gibt es auf der Internetseite www.projekt-entfaltungsraeume.de.