Emmelndorf

Bei Hamburg eröffnet Deutschlands größtes Gartencenter

| Lesedauer: 9 Minuten
Jörg Riefenstahl
Verkaufsberaterin Imke Lübcke nimmt an den Schriftzügen Maß. „Wir sind bei Matthies wie eine große Familie“, sagt die Hittfelderin, Sie ist seit 16 Jahren im Unternehmen tätig

Verkaufsberaterin Imke Lübcke nimmt an den Schriftzügen Maß. „Wir sind bei Matthies wie eine große Familie“, sagt die Hittfelderin, Sie ist seit 16 Jahren im Unternehmen tätig

Foto: Jörg Riefenstahl

Am kommenden Sonnabend eröffnet der Markt in Emmelndorf. Die Verkaufsfläche von Matthies ist auf 17.000 Quadratmeter angewachsen.

Emmelndorf. Wie ein gläsernes Raumschiff erstreckt sich der transparente Neubau über die Wiesen und Felder von Emmelndorf. Gut 1600 Menschen leben in dem Ortsteil der niedersächsischen Gemeinde Seevetal, etwa 30 Kilometer südlich von Hamburg. Doch mit der ländlichen Ruhe dürfte es dort bald vorbei sein: Am Sonnabend eröffnet in Emmelndorf Deutschlands größtes Gartencenter. Das Abendblatt traf sich mit Carsten Matthies, Geschäftsführer des gleichnamigen Hittfelder Familienbetriebs, zum Ortstermin.

Der Neubau ist 200 Meter lang

Wer das neue Gebäude betritt, ist von dessen Dimensionen überwältigt. Mit rund 200 Metern Länge ist der Neubau fast doppelt so lang wie ein Fußballfeld. Auf der Galerie des lichtdurchfluteten Bauwerks steht Carsten Matthies, Geschäftsführer des gleichnamigen Familienbetriebes. Von oben betrachtet wirken die Mitarbeiter in ihren hellgrünen Fleecejacken im Erdgeschoss wie Miniaturen auf einer Modelleisenbahnanlage.

„Es ist das größte Gartencenter Deutschlands“, schwärmt Matthies, der den Hittfelder Familienbetrieb in der dritten Generation führt. „Das, was wir hier machen, ist einzigartig. Die Kombination von Erlebnis-Gartencenter, Technikbereich, Zoo-Abteilung, Gartenmöbeln, Deko-Abteilung bis hin zum Motorland mit Aufsitzmähern und Mährobotern – das gibt es so sonst nirgendwo.“

Zur Verkaufsfläche kommen noch einmal 5000 Quadratmeter Lagerfläche

17.000 Quadratmeter Verkaufsfläche auf zwei Ebenen plus 5000 Quadratmeter Lagerfläche sind eine Ansage. Noch trägt ein Gartencenter in Lauffen am Neckar den Titel „Größtes Erlebnis-Gartencenter Deutschlands“. Doch das dürfte sich nach der Eröffnung des Gartencenters in Emmelndorf ändern.

Zwei Jahre hat der Neubau gedauert. Ein großflächiger Parkplatz für rund 500 Fahrzeuge säumt das Gartencenter, das alternativ ohne Auto zu Fuß vom Hittfelder Bahnhof oder mit dem Bus zu erreichen ist. Von der Bushaltestelle wurde extra ein Weg zum Gelände des Gartencenters angelegt. Der Umzug an den neuen Standort war notwendig geworden, nachdem der Platz am ehemaligen Matthies-Standort in der Straße An der Reitbahn in Hittfeld nach 20 Jahren für das stetig wachsende Sortiment nicht mehr ausreichte.

Die Frage nach den Investitionskosten in Emmelndorf kontert der Unternehmer mit einer Rechenaufgabe. „Ein Siebenunddreißigstel der Elbphilharmonie“, sagt Matthies. Das klingt charmanter als 24 Millionen Euro.

Herzstück des Centers ist das Restaurant mit 200 Plätzen

Wenige Tage vor der Eröffnung herrscht auf den Verkaufsflächen geschäftiges Treiben. Handwerker und Matthies-Mitarbeiter wuseln durch die Gegend, bugsieren Paletten an Ort und Stelle. Verkaufsberaterinnen packen die Neuware aus, zeichnen sie aus, sortieren sie in die Regale oder setzen sie in Szene. Glänzende Osterhasen strahlen in der Deko-Abteilung, während sich die Fachberater in der Düngemittelabteilung mit dem neuen Computersystem vertraut machen. In der Zooabteilung tummeln sich Zierfische hinter einer geschwungenen, zehn Meter langen Aquarienwand.

Im Obergeschoss verpassen Fußbodenleger in „Matthies Gartencafé“ dem Parkett den letzten Schliff. Das Café-Restaurant mit Außenterrasse bietet bis zu 200 Gästen Platz. Für Matthies ist das Restaurant der Treffpunkt – und sozusagen das Herzstück des neuen Centers. „Wir haben eine offene Küche mit Front-Cooking-Bereich. Es gibt eine offene Backstube, denn wir backen unseren Kuchen selber. Und wir bieten jetzt auch Frühstück und Mittagessen an“, verrät Matthies. Damit Eltern in Ruhe speisen können, gibt es für den Nachwuchs jetzt ein eigenes Kinderspielland mit ausreichend Platz für Bewegung.

Im Kern gehe es darum, die Kunden im Gartencenter emotional zu erreichen, sagt Carsten Matthies. „Unsere Kunden sollen bei uns ein schönes Erlebnis haben. Wenn sie einen schönen Tag haben und eine schöne Zeit bei uns verbringen und nebenbei noch etwas einkaufen, umso besser.“

Konzepte und Ideen in Konkurrenz zum Onlinehandel

Um sich von der sterilen Welt des Onlinehandels abzuheben, bedarf es neuer Konzepte und Ideen. So wird es bei Matthies etwa weiterhin die bewährte Grill-Akademie geben, in der Männer – und Frauen – unter fachlicher Anleitung ausprobieren und erlernen können, wie ein Gasgrill im Unterschied zum traditionellen Holzkohle- oder Elektrogrill funktioniert. Und welche Vorzüge beispielsweise das Haubengrillen hat. „Anschließend wird auf der Terrasse gemeinsam gegessen und geklönt“, sagt Matthies.

In der Technikabteilung stehen zahlreiche unterschiedliche Modelle von Aufsitzrasenmähern. „Wir haben jetzt die Ausstellungsflächen, um unsere Ware schön und angemessen zu präsentieren“, sagt Thomas Müller, der Leiter der Technikabteilung. Neben deutschen Marken wie Stihl finden Kunden in der Fahrzeugabteilung auch Honda aus Japan – und neuerdings Husquarna aus Schweden.

Service wird bei Matthies traditionell groß geschrieben. „Wir haben eine eigene Werkstatt. Wir reparieren Rasenmäher und holen Aufsitzmäher auf Wunsch beim Kunden ab“, nennt Matthies Beispiele. Vorbei an einer mit Motorsägen bestückten Wand drehen kleine Mähroboter ihre Runden. „Die Roboter liegen voll im Trend“, weiß der Gartencenter-Chef.

Ebenfalls im Erdgeschoss kommen Teichliebhaber und Pflanzenfreunde auf ihre Kosten. „Wir beziehen unsere Pflanzen zu einem großen Teil von regionalen Gärtnereien aus den Vier- und Marschlanden. Wir schauen uns bei ihnen um und holen die Ware ab. Oder die Gärtner bringen sie uns selbst. Vieles kommt natürlich auch aus Holland“, sagt Matthies. Die Pflanzen werden erst ganz zum Schluss in das neue Gartencenter integriert. „Für mich sind die Pflanzen das Schönste. Ich liebe die Aromen, den Duft, den sie verströmen. Es wechselt saisonal. Zu Weihnachten oder zu Ostern. Es ist einfach toll, mit lebender Ware zu arbeiten“, sagt Carsten Matthies.

Im Sortiment sind Flechtmöbel aus Indonesien und Vietnam

Auf der Galerie finden sich die Gartenmöbel. Darunter sind auch Flechtmöbel aus Indonesien und Vietnam. „Ich schaue mich selbst auf den einschlägigen Messen in Asien um“, sagt Matthies. Endlose Regale für Hund und Katze – mit Leckerlis und allem, was die geliebten Vierbeiner sonst noch so benötigen, finden Kunden im Erdgeschoss. Wem das alles zu viel wird, der nutzt für seinen schnellen Einkauf die Schnellkasse am Seiteneingang, direkt neben der Werkstatt. Dort kann man den Mechanikern durch Fenster über die Schulter schauen. Und dort findet auch das „schwebende Rasenmähermuseum“, das angestammte Kunden noch aus dem ehemaligen Matthies-Center An der Reitbahn kennen, seinen Platz.

Die Lust am Garten ist in Deutschland ungebrochen

Die Lust auf Garten ist in Deutschland ungebrochen. Im Jahr 2019 wurden allein im Markt mit Blumen und Pflanzen hierzulande rund 8,9 Milliarden Euro erwirtschaftet – etwas mehr als im Vorjahr. Die Umsätze im Gesamtmarkt Blumen und Pflanzen lagen im vorigen Jahrzehnt bei etwa 8,5 Milliarden Euro pro Jahr. In der Metropolregion ist das Thema Garten als Ausgleich zum stressigen Bürojob und als natürliche Kraftquelle bei den meisten Menschen positiv besetzt. Aber reicht das auch aus, um ein Center dieser Größenordnung – mit Konkurrenten wie Dehner und von Ehren vor den Toren Hamburgs – wirtschaftlich zu betreiben? „Wir haben vor fünf Jahren eine Marktanalyse gemacht. Aber der Markt ändert sich jedes Jahr“, sagt Matthies. „Letztlich war der Entschluss, hier auf der Fläche am Bahnhof Hittfeld zu bauen, eine Bauchentscheidung.

Den Geschäftsinhaber bringt die unmittelbare Konkurrenz, die nur wenige Kilometer entfernt ihr Angebot präsentiert, offenbar nicht so schnell aus der Ruhe. „Unser Einzugsgebiet reicht von Buxtehude bis nach Lüneburg und von Soltau bis zur Elbe. Die Herausforderung ist, auch die Hamburger jenseits der Elbe für uns zu begeistern.“

Die Autofahrt vom Hauptbahnhof nach Hittfeld dauert eine knappe halbe Stunde. Die Regionalbahn schafft die Strecke in 17 Minuten. Bisher wissen das jedoch die wenigsten Hamburger nördlich der Elbe. Immer mittwochs bringt außerdem ein hauseigener Lieferservice die Einkäufe aus dem Gartencenter von Emmelndorf nach Hamburg direkt an die Haustür. Auf Wunsch wird die Ware gleich an Ort und Stelle aufgebaut. Matthies ist optimistisch: „Das wird sich alles noch herumsprechen.“

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