Harburg
Garz & Fricke

Pioniere in Harburgs neuem Innovationspark

Manfred Garz (l.) und Matthias Fricke stehen stehen inmitten von interaktiven Bedien-Displays, die in Labore, in der Gastronomie, an Verkaufsautomaten oder in der Sicherheitstechnik eingesetzt werden.

Manfred Garz (l.) und Matthias Fricke stehen stehen inmitten von interaktiven Bedien-Displays, die in Labore, in der Gastronomie, an Verkaufsautomaten oder in der Sicherheitstechnik eingesetzt werden.

Foto: Angelika Hillmer / HA

Vor wenigen Tagen wurde das Gebäude offiziell eingeweiht. Nebenan entsteht eine noch größere Firmenzentrale mit Produktionsstätte.

Harburg.  Helle, offene Büros mit Besprechungsinseln in der Mitte, dazu eine großzügige Kaffeebar. Darunter, im Erdgeschoss, eine lange Produktionshalle, flankiert von Logistikräumen: Der Harburger Elektronik-Spezialist Garz & Fricke ist das erste technologieorientierte Unternehmen, das zusammen mit weiteren Betrieben auf der östlichen Seite der Schlachthofstraße einen neuen Forschungs- und Innovationspark (F&I-Park) bilden wird. Vor wenigen Tagen wurde das Gebäude offiziell eingeweiht. Gleich nebenan entsteht eine noch größere Firmenzentrale mit Produktionsstätte. Dort errichtet die Harburg-Freudenberger Maschinenbau GmbH ihr neues Hauptquartier.

Garz & Fricke ist auch ein Pionier der Harburger Startup-Kultur: 1992 gründeten Manfred Garz und Matthias Fricke, die beide an der Technischen Universität Braunschweig studiert hatten, ihr Unternehmen. Den Hamburger Garz zog es zurück in seine Heimatstadt, und so suchten die beiden Jungunternehmer nach einem passenden Standort.

Im acht Jahre zuvor gegründeten hit-Technopark in Bostelbek wurden sie fündig. „Wir hatten dort zunächst 86 Quadratmeter zur Verfügung und starteten mit einigen Studenten, vermittelt durch eine Zeitarbeitsfirma, unsere Produktion“, sagt Garz.

Produkte für Medizintechnik bis Gastronomie

Garz & Fricke wuchs zu einem weltweit tätigen Unternehmen. Es entwirft, entwickelt und produziert Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine. Dazu gehören Bedienfelder und Bezahlsysteme für Verkaufsautomaten, aber auch Anwendungen in der Medizintechnik, in Laboren, bei öffentlichen Toiletten oder in der Gastronomie, wo das Servicepersonal sich die Bestellungen längst nicht mehr auf Zetteln notiert, sondern in ein mobiles Gerät eintippt, dass die Kundenwünsche gleich in die Küche und zur Kasse weiterleitet.

„Wir produzieren auch Displays von E-Ladesäulen an Stromtankstellen“, sagt Matthias Fricke. „Hier gibt es derzeit noch verschiedene Bezahlmethoden, die vereinheitlicht werden sollen“, ergänzt Manfred Garz. „Es macht Sinn, dass zukünftig überall mit der Girocard getankt werden kann, damit E-Autofahrer auf dem Weg von Hamburg nach München zum Tanken nicht mehrere Plastikkarten benötigen, wie es derzeit noch üblich ist.“

Andere Automaten machte das Unternehmen „intelligent“: Sie liefern ihre Daten in eine Internet-Cloud und werden darüber von der neuen Zentrale an der Schlachthofstraße gesteuert. Garz: „Die ersten Anwendungen waren meist Funktionen, die Störungen meldeten. Inzwischen lassen sich aber auch Warenbestände und ähnliches über die Cloud abrufen.“

Umsatzzuwachs locker im zweistelligen Bereich

Über die Jahre wuchs das Unternehmen im hit-Technopark um ein Vielfaches in Umsatz und Fläche – auch aktuell liegt der jährliche Umsatzzuwachs locker im zweistelligen Bereich. Da der Platz immer noch nicht ausreichte, wurde zunächst die Produktion nach Maschen ausgelagert. Dann begaben sich Manfred Garz und Matthias Fricke auf die Suche nach einem neuen Standort.

Die Stadt bot den Unternehmern die 12.000 Quadratmeter große Gewerbefläche an der Schlachthofstraße an. Als Teil des geplanten F&I-Parks, zu dem auch der 2008 eröffnete ElbCampus der Hamburger Handwerkskammer zählt. Im neuen Domizil von Garz & Fricke haben sich die Bostelbeker und die Maschener Betriebsteile nun wieder vereint.

Gleich nebenan baut ein anderes technologieorientiertes Unternehmen mit großem Platzbedarf, die Harburg-Freudenberger Maschinenbau GmbH (HF Group). Auf dem 20.000 Quadratmeter großen Areal wird ein Bürogebäude mit einer Nutzfläche von 7700 Quadratmetern und ein 5500 Quadratmeter umfassendes Montage- und Technologiezentrum entstehen.

Die rund 300 Mitarbeiter mussten sich ebenfalls aus Platzmangel auf zwei Standorte verteilen; beide liegen in Harburg. Noch in diesem Jahr könnten auch sie an der Schlachthofstraße vereint werden.

Die Hälfte der Gesamtfläche ist noch nicht vergeben

Nördlich und südlich der beiden Unternehmen gibt es noch zwei Brachflächen. Sie werden von der HIW (Hamburg Invest Wirtschaftsförderungsgesellschaft) vermarktet und machen etwa die Hälfte der Fläche des in der Entstehung befindlichen F&I-Parks aus. Die noch freien Flächen wird Hamburg Invest im Erbbaurecht vergeben. Interessenten müssen einen Bezug zum Themenfeld Forschung und Innovation haben.

„Hamburg Invest betrachtet nicht nur die Schlachthofstraße als Innovationsquartier, sondern sieht dieses Areal in einem größeren Zusammenhang“, sagt HIW-Sprecher Andreas Köpke. „Der Bezirk Harburg hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Magneten für Technologieunternehmen entwickelt. Seit 2015 haben sich dort laut Handelsregister rund 200 technologieorientierte Unternehmen niedergelassen.“ Viele seien von Absolventen der Technischen Universität gegründet worden.

Tatsächlich ist der in der Entwicklung befindliche F&I-Park Schlachthofstraße Teil des noch größer gedachten Innovationsparks Harburg. Dieser soll auf Initiative des Hamburger Senats die Technologie-Standorte des Bezirks sichtbarer machen und weiter entwickeln. Der Park besteht aus fünf Hauptstandorten – vom hit-Technopark im Westen bis zum F&I-Park Schlachthofstraße im Osten.

Senat will insgesamt 150 Millionen Euro bereitstellen

Die Technische Universität sowie das Institut Lufttransportsysteme des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und das Fraunhofer-Center für Maritime Logistik im Binnenhafen gelten als „Ankerinstitutionen“ des Innovationsparks, um die sich weitere Technologieunternehmen und StartUps ansiedeln sollen. Der Harburger ist einer von vier im März 2018 vorgestellten Hamburger Innovationsparks. Um den Ausbau der geplanten Technologiestandorte zu finanzieren, will der Senat insgesamt 150 Millionen Euro bereitstellen.

Im gesamten Bezirk Harburg habe sich mittlerweile ein „breites Startup- und Forschungsökosystem“ entwickelt, so HIW-Sprecher Köpke. Und dieses werde ständig weiter ausgebaut – „man spricht deshalb mittlerweile von der Innovation-City Harburg“. Das wissen auch Manfred Garz und Matthias Fricke zu schätzen: „Harburg ist für uns sehr wichtig.

Hier haben wir Kontakt zur Technischen Universität, machen mit ihr gemeinsame Forschungsprojekte. Außerdem wollten wir bei unserer Standortentscheidung unseren gewerblichen Mitarbeitern in der Produktion nicht zumuten, beim täglichen Arbeitsweg über die Elbe fahren zu müssen.“