Energieversorgung

Investor plant Solarpark auf alter Bahntrasse

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Rolf Zamponi
Solarfirma Deto: Die Geschäftsführer Tobias Kurth und Denny Schädlich

Solarfirma Deto: Die Geschäftsführer Tobias Kurth und Denny Schädlich

Foto: detour / Deto

Solarfirma Deto will auf Gelände der alten Bahntrasse in Garstedt und Bahlburg Strom erzeugen. Doch Landkreis strebt Naturschutz an.

Kreis Harburg.  Für die stillgelegte Trasse der Buchholzer Bahn gibt es neue Pläne. Dort wollen die beiden Unternehmen Deto Immobilien und Deto Solarstrom eine Freiflächen-Photovoltaik-Anlage für rund 15 Millionen Euro bauen. „Unser Ziel ist es, von dort aus die Region über die regionalen Versorger mit Strom zu beliefern“, sagte Tobias Kurth, einer der beiden Geschäftsführer von Deto mit Sitz in Düsseldorf und Werdau in Sachsen, dem Abendblatt. Am kommenden Donnerstag, 13. Februar, will Kurth das Projekt im Bereich Garstedt und Bahlburg im Winsener Planungsausschuss vorstellen.

Saubere Energie kontra Naturschutz

Vor dem Hintergrund des Klimaschutzes spricht wenig gegen die saubere Energie – wenn da nicht in diesem Fall der Umweltschutzschutz wäre. Denn der Landkreis schätzt den Bereich an der alten Bahnlinie als „wichtigen Biotop-Verbund“ ein und hat für das Gebiet eine zweijährige Veränderungssperre angeordnet, wie Kreis-Sprecher Andres Wulfes sagt. Die Regelung gilt bis zum Herbst 2021. Damit wurde auch der vom Fahrrad Kreisverband ADFC immer wieder vorgebrachter Vorschlag ausgebremst, einen Radweg auf der alten Trasse zu errichten. „Nach Ablauf der Frist ist es das Ziel der Unteren Naturschutzbehörde beim Kreis, das Gebiet unter Naturschutz zu stellen“, sagt Wulfes. Damit würde das Projekt Solarpark hinfällig.

200.000 Quadratmeter Fläche gekauft

Noch jedoch ist es nicht soweit. Immerhin haben Schädlich und Kurth, nach deren Vornamen Denny und Tobias die Firmen benannt sind, 200.000 Quadratmeter Fläche im Juni 2019 „günstig“ erworben. „Der Kauf von Grundstücken hat sich als geeigneter erwiesen als Pachtverträge“, sagt Kurth. Für den Erwerb folgte zwei Jahre nach der Gründung von Deto Solarstrom 2015 die Deto Immobiliengesellschaft. Die Investoren rechnen mit einem Planungszeitraum von zwei Jahren und einer reinen Bauzeit von vier Monaten und setzen darauf, bei Politik und Bürgern Rückhalt zu bekommen.

„Unser Plan A ist, den Strom ins Netz des regionales Versorgers einzuspeisen“, sagt Kurth. Der Park könnte 20 Millionen Kilowattstunden liefern. Damit ließen sich gut 5700 oder mehr als ein Drittel der Haushalte in Winsen versorgen, wenn man von einem durchschnittlichen Verbrauch von 3500 Kilowattstunden pro Jahr ausgeht. Zwar sinkt die Einspeiseförderung immer weiter, aber die Deto-Geschäftsführung ist überzeugt, dass die Freiflächenanlage rentabel sein wird. Als Plan B gilt derzeit, die Bahn aus dem Park mit Ökostrom zu beliefern.

Bislang hat Deto bundesweit 60 Anlagen gebaut

Erfahrungen aus der Branche kann das Unternehmen vorweisen. So wurden im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben bundesweit 60 Anlagen erstellt und rund 35 Millionen Euro investiert. Neben Anlagen auf freien Flächen, wie sie an der Bahntrasse entstehen soll, gehörte dazu auch der Ausbau von Dächern von Agrarbetrieben für die Solartechnologie.

In der Präsentation wirbt Deto mit weiteren Argumenten für das Projekt. So werde die Freifläche ökologisch aufgewertet, die biologischen Vielfalt erhalten und sie würde zudem einen Rückzugsraum für die Natur bieten. Der Einsatz von Dünger in der Landwirtschaft werde vermieden. Garstedt und Bahlburg würden von der Gewerbesteuer profitieren und die Region mit sauberer Energie versorgt. In der Folge könnte doch noch ein Fahrradweg entstehen und die Photovoltaik-Flächen auf die gesamte ehemalige Bahntrasse ausgeweitet werden.

Nichts gegen den Willen der Bürger

Klar ist für Kurth: „Deto realisiert grundsätzlich keine Investitionen gegen den Willen von örtlicher Bevölkerung und örtlicher Politik.“ Sollte das Interesse an einer Photovoltaik-Anlage also nicht ausreichen, werde sich das Unternehmen zurückziehen. Die Flächen sollen dann, voraussichtlich – aufgeteilt in kleinere Teilstücke – weiterverkauft werden. „Viele Nachbarn haben mit unterschiedlichen Motiven bereits ihr Interesse bekundet“, sagt der Geschäftsführer. Die Sitzung des Planungsausschusses beginnt um 17 Uhr im Marstall.

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