Logistik-Ansiedlung

DHL-Paketzentrum: Millionen-Deal mit Hamburg geplatzt

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Lars Hansen
So sollte das Logistikzentrum von der DHL in Hamburg-Neuland einmal aussehen. Nun ist der Deal mit der Stadt geplatzt.

So sollte das Logistikzentrum von der DHL in Hamburg-Neuland einmal aussehen. Nun ist der Deal mit der Stadt geplatzt.

Foto: HWF

Der Paketdienst hat dem Hub im Gewerbegebiet Neuland 23 abgesagt. Zwischen DHL und dem Bezirksamt soll es Dissens gegeben haben.

Hamburg.  Es waren große Pläne, die die Deutsche Post/DHL Group 2016 präsentiert hatte: 1200 Arbeitsplätze sollten im Logistik-Hub Neuland entstehen. Diese Leute sollten stündlich 50.000 Pakete abfertigen – rund um die Uhr. Zum Vergleich: Im derzeit größten Paketzentrum, der Region, in Allermöhe, werden 250.000 Sendungen abgefertigt – am Tag. Doch es scheint, als reiche der Post die Kapazität in Allermöhe aus: Der Bau in Neuland, dessen Fertigstellung ursprünglich für Sommer 2020 angekündigt war, wurde bereits im vergangenen Februar abgesagt.

Verschiedene Mitglieder des Ausschusses für Haushalt, Wirtschaft und Wissenschaft der Harburger Bezirksversammlung bestätigten diese Mitteilung, die sie im nicht öffentlichen Teil einer Ausschusssitzung erhalten hatten. Beim Bezirksamt hielt man sich bedeckt: „Das Gebiet wird durch die Hamburg Invest vermarktet“, sagt Bau- und Wirtschaftsdezernent Jörg Heinrich Penner, „sollte die Post abgesprungen sein, müssen die Leute von Hamburg Invest neue Nutzer finden. Aber das sollte kein allzu großes Problem sein.“

Die Hamburg Invest Wirtschaftsförderungs GmbH (HIW) ist eine Firma der Freien und Hansestadt Hamburg, die Gewerbegebiete entwickelt und vermarktet, Firmen nach Hamburg locken, und ansässigen Firmen Wachstum ermöglichen soll. Ein Vertreter der HIW war es auch, der den Ausschussmitgliedern die Nachricht vom Abspringen der Post gebracht hatte.

DHL und Bezirksamt um Großprojekt im Clinch?

Zwischen Post und Bezirksamt soll es in der Vergangenheit wegen des Projektes immer wieder zu Dissens gekommen sein. Das 25 Hektar große Gewerbegebiet hat einen eigenen Bebauungsplan – Nummer: Neuland 23 – und ist als „Klima-Modell-Quartier“ ausgewiesen.

Von den Vorgaben des Bebauungsplans und den Rahmenbedingungen des Klimaquartiers kann nicht abgewichen werden, auch nicht, wenn es einer der größten Arbeitgeber Deutschlands gerne so hätte. Insider sagen, dass sich im Dezernat für Bauen, Wirtschaft und Umwelt des Bezirksamtes die Trauer über die DHL-Absage in Grenzen hält.

Die Tellerschnecke war aufwendig umgesiedelt worden

Die Einrichtung des Gewerbegebiets war umstritten. Die Fläche, eingeklemmt zwischen der A 1, der Neuländer Straße und der Siedlung Neuland, entstand auf einem Feuchtbiotop. Tiere, von denen zuvor nur Biologen wussten, erlangten hier vorübergehend große Beachtung. Der Schlammpeitzger beispielsweise, ein besonders wetterfühliger Fisch in den Wetterungen der Wiese oder die zierliche Tellerschnecke, die es so nur hier gab. Sie wurden aufwendig umgesiedelt.

Umweltauflagen beinhalten außerdem Dachbegrünung, Photovoltaik, insektenfreundliche Beleuchtung sowie ein aufwändiges Energie- und Oberflächenwassermanagement. Zu weiteren Auflagen für die Vergabe der Gewerbefläche zählte auch die Zahl der Arbeitsplätze, die hier entstehen sollten.

DHL nennt keine Gründe für die Absage

DHL nannte trotz Nachfrage keine Gründe für die Planänderung: „Nach sorgfältiger Prüfung hat sich Deutsche Post DHL Group entschieden, Planungen für ein mögliches weiteres Paketzentrum in Hamburg nicht weiter zu verfolgen“, schreibt die Sprecherin des Unternehmens, Maike Wintjen. „Wir investieren jedoch auch in der Region Hamburg weiter in den Ausbau, die Digitalisierung und Modernisierung unserer bestehenden Betriebsstätten. Damit sind wir auch künftig in der Lage, die Anforderungen eines wachsenden Paketgeschäfts in solchen Metropolregionen mit Qualität zu bewältigen.“

Die Rahmenbedingungen des Logistikgeschäfts haben sich geändert. Große Versender wie Amazon setzen statt auf Marktführer DHL, vermehrt auf eigene Logistik, um schnelle Lieferzeiten zu gewährleisten. Und Personal ist derzeit Mangelware. Eventuell war es die 1200-Arbeitsplätze-Auflage, die zu der Absage führte.

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Post wollte Anlage anders nutzen als vereinbart

„Es gab mit der Post Dissens über verschiedene Bedingungen der Ausschreibung“, sagt Andreas Köpke, Sprecher der Hamburg Invest, „welche das sind, ist allerdings vertraulich. Die Branche hat sich in den vergangenen Jahren stark entwickelt und verändert. Deshalb wollte die Post die Logistik-Anlage anders nutzen, als zunächst vereinbart.“

Wird das Gewerbegebiet jetzt Bau-Brache? „Bestimmt nicht“, sagt Köpke, „Große Logistikflächen in dieser Lage sind begehrt. Wir werden schnell einen anderen Abnehmer finden.“

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