Harburg
Konzept

Wasser-Tourismus: Per Kanu von der Elbe bis Buxtehude

Tuckerboote aus Blankenese im Hafen von Buxtehude. Hier ist der Fluss noch ein Tidengewässer mit Verbindung zur Elbe.

Tuckerboote aus Blankenese im Hafen von Buxtehude. Hier ist der Fluss noch ein Tidengewässer mit Verbindung zur Elbe.

Foto: Klaus Bodig / HA

Das Wassertourismus-Konzept der Stadt sieht den Ausbau der Infrastruktur an der Este für Kanus, Sportboote und Barkassen vor.

Buxtehude. Rund elf Kilometer sind es auf der Este von der Elbe bei Cranz bis zur Buxtehuder Altstadt. Viele Jahrhunderte lang war dieser schiffbare Flussabschnitt so etwas wie die wirtschaftliche Schlagader der kleinen Hansestadt. Heute legen hier keine Handelsschiffe mehr an, dafür aber Sportboote und Kanus, gelegentlich auch Ausflugsbarkassen. Allerdings führt der Wassertourismus noch ein eher beschauliches Nischendasein im örtlichen Wirtschaftsgefüge. Doch das soll sich ändern.

Vor gut einem Jahr hatte Buxtehude sich dazu mit finanzieller Unterstützung der Metropolregion Hamburg ein umfangreiches „Wassertourismus-Konzept“ durch externe Gutachter gegönnt. Nun gab der zuständige Ratsausschuss die ersten Finanzmittel für die Umsetzung frei. „Wir fangen jetzt mit den ersten sichtbaren Maßnahmen an“, sagt Torsten Lange, der in der Buxtehuder Verwaltung für die Bereiche Tourismus und Marketing verantwortlich zeichnet.

Zunächst konzentrieren sich diese ersten Maßnahmen auf den Oberlauf der Este, also dort wo Kanuten und Kajaks unterwegs sind: Am Buxtehuder Mühlenteich soll dazu zunächst für etwa 10.000 Euro ein neuer Kanu-Anleger gebaut werden: Hier kommen Kanufahrer nach ihrer Tour in der Regel an und werden oft dort von einem der immerhin sechs Kanuverleiher in Empfang genommen, die ihre Boote auch für eine Estetour verleihen.

Kanu-Rastplatz soll 40.000 Euro kosten

Für einen Stopp unterwegs plant die Stadt nun für immerhin 40.000 Euro einen Kanu-Rastplatz zwischen Buxtehude und Moisburg an einer Brücke im Estedorf Heimbruch. Auch eine Öko-Toilette soll dort gebaut werden. „Das wird in enger Absprache mit dem Naturschutz geplant“, sagt Tourismuschef Lange. Ziel sei, dass Kanufahrer nicht unterwegs „wilde“ Rastplätze schaffen.

Eine weitere Maßnahme für Kanus soll dann am alten Marschtorzwinger in der Altstadt umgesetzt werden. Dort will die Stadt für 5000 Euro einen früheren Kanuausstieg wieder sanieren. Von dort können Kanuten ihre Boote an einem Wehr über die Straße tragen und dann wieder im alten Hafen einsetzen.

Dort am Hafen soll jetzt für Sportboot zudem eine neue Stromzapfsäule installiert werden. Späteres Ziel am „Hafenkopf“ sei die Optimierung der Anlege-Situation, wie Buxtehudes Tourismuschef Lange sagt. Motorboote, Tuckerboote oder auch Barkassen könnten dann dort besser und in größerer Zahl anlegen – mit entsprechender Wertschöpfung für die Stadt. „Beim Wassertourismus wird das Geld an Land verdient“, so Lange.

Standup-Paddling wird im alten Stadthafen ermöglicht

So sieht das Konzept beispielsweise vor, einen rund 50 Meter langen Schwimmsteg zusätzlich zu schaffen. Aber auch für Kanus und den Trendsport Standup-Paddling könnte der alte Stadthafen mehr genutzt werden, schlägt Lange vor.

Tatsächlich dürfte diese historische Hafenanlage noch reichlich Ausbau-Potenzial besitzen. Zu diesem Schluss kamen jedenfalls die Gutachter in ihrem Wassertourismus-Konzept für Buxtehude und schlagen die Schaffung einer „maritimen Zeile“ dort vor, um das Wasser auch von Land aus für Besucher „erlebbar“ zu machen. Kanuverleih, Bootsbedarf oder auch ein Fisch-Restaurant könnten dort entsprechendes maritimes Flair schaffen.

Stelzenhäuser am Wasser fürs maritime Flair

Auch Ferienwohnungen am Wasser, Hausboote oder sogar Stelzenhäuser am Wasser können aus Sicht der Gutachter das maritime Flair stärken. Und noch ein weiteres ausbaufähiges maritimes Projekt benennen die Gutachter in dem Konzept: Zwar sei die Este für Barkassen wegen der teilweise niedrigen Wasserstände ein schwieriges Revier- doch eine Fahrt vom Hamburger Hafen in die schmale Este, vorbei an den Obsthöfen des Alten Landes bis in die historische Altstadt von Buxtehude wäre „theoretisch ein sehr attraktives Produkt“ – für das aber noch viel zu wenig Werbung gemacht werde.

Dieser untere Abschnitt der Este könnte im Sinne des Wassertourismus’ dann auch noch weiter gesichert und ausgebaut werden, schlagen die Gutachter in dem Konzept vor. Neben dem Ausbau von Liegeplätzen müsste es dazu aber auch eine Ausbaggerung geben, um nötige Wassertiefen sicherstellen zu können.

Und auch für Segelboote machen die Gutachter einen Vorschlag. Mit dem Bau der neuen A26-Brücken kann nämlich seit wenigen Jahren kein Schiff mit stehendem Mast mehr die Hansestadt erreichen. Abhilfe könnte ein neuer Anleger vor der Brücke sein, heißt es in dem Konzept, dessen Umsetzung nun aber wohl erst ganz am Anfang steht.

Das Boot im Fluss

Die Este ist für Bootsfahrer ein zweigeteilter Fluss: Im Oberlauf bis zum Mühlenteich ist sie ein beschauliches Gewässer, das sich an Wiesen und Wäldern vorbei schlängelt. Früher stieg man als Kanufahrer in Bötersheim ein und konnte einen Nachmittag lang mit der Strömung bis Buxtehude fahren. Heute gilt eine „Befahrensregelung“: Kanus dürfen nun erst ab Hollenstedt auf den Fluss.

Mehr als einen Meter breit und 5,50 Meter lang dürfen die Wasserfahrzeuge dort nicht sein, abends von 18 bis 9 Uhr ist das Befahren zudem verboten. Von Hollenstedt bis zur ersten Umtragestelle in Moisburg sind es etwa 6,8 Kilometer auf einem teils sehr flachen Gewässer (etwa 2 Stunden). Die acht Kilometer bis Buxtehude sind einfacher zu paddeln.

Am Wehr am Buxtehuder Mühlenteich ist dann meist Schluss, man kann aber auch hier umtragen und dann quer durch die Stadt paddeln. Kurz vor dem Hafen am alten Stadtturm muss erneut an einem Wehr umgetragen werden. Ab hier ist die Este bis zur etwa elf Kilometer entfernten Mündung in die Elbe bei Cranz ein Tidengewässer. Das heißt: ein Fluss mit Ebbe und Flut und teils harten Tidenströmen. Auf diesem Unterlauf sind dann auch eher Barkassen und Sportboote unterwegs. Aber auch geübte Paddler.