Harburg
Gesundheit

Klinik in Winsen baut für 18 Millionen Euro neues Bettenhaus

So soll das neue Bettenhaus der Klinik Winsen nach den Vorstellungen der Architekten aussehen.

So soll das neue Bettenhaus der Klinik Winsen nach den Vorstellungen der Architekten aussehen.

Foto: Büro reichardt+partner architekten

Neubau soll Zukunft des Krankenhauses sichern. Die Kapazität wird aber nicht erhöht. Drei-Bett-Zimmer sollen abgeschafft werden.

Winsen.  Vier Maurerkellen hat Torsten Riemer, Wirtschaftsleiter bei den Kreiskrankenhäusern Winsen und Buchholz, schon bereit gelegt. Sie sind gedacht für Bernd Althusmann, Rainer Rempe, André Wiese und Norbert Böttcher. Der stellvertretende Ministerpräsident, der Landrat, der Bürgermeister und der Krankenhausgeschäftsführer werden an diesem Freitag den Grundstein für das neue Bettenhaus legen und gleichzeitig eine Kupferkassette mit Tageszeitungen wie dem Abendblatt einmauern. Grund zum feiern im Krankenhaus, das mit dem Gebäude seine Großprojekte für die Sanierung vorerst abschließen wird. „Es ist ein Meilenstein für unsere Entwicklung“, sagt Böttcher überzeugt.

Niedersachsen gibt zwölf Millionen Euro

Keine Frage. Denn allein in den Anbau fließen 17,8 Millionen Euro. Zwölf Millionen Euro kommen vom Land, weitere sechs Millionen Euro übernimmt der Landkreis Harburg, als Eigentümer der Krankenhausgesellschaft, zu der auch der Standort Buchholz zählt. Deshalb werden sowohl Althusmann als auch Landrat Rempe heute vor Ort sein.

Entscheidend ist aber, dass die Investition dazu dient, die „Systemrelevanz der Häuser zu erhalten“, wie Geschäftsführer Böttcher sagt. Zur Erinnerung: Erst im Juli vergangenen Jahres hatte die Bertelsmann-Stiftung mit einer Studie aufhorchen lassen, nach der Deutschland statt mit 1400 auch mit 600 Kliniken auskommen könne. Die Ressourcen im Gesundheitsbereich sollten in größeren Zentren zusammengefasst werden. Kleinere und mittlere Krankenhäuser hätten dann das Nachsehen.

Landkreis setzt weiterhin auf zwei Klinik-Standorte

Im Landkreis Harburg hält man dagegen. Seit 2016 und noch bis 2022 werden allein in das Haus in Winsen mehr als 40 Millionen Euro für einen weiter steigenden Standard geflossen sein. Welchen Stellenwert diese Summe hat, lässt sich daran ermessen, dass der Neubau des Hauses, das 1974 in Betrieb ging, damals knapp 50 Millionen D-Mark gekostet hat.

Platz für 66 neue Bettenstellplätze

Der aktuelle Ausbau begann mit dem neuen Notfall- und Diagnostikzentrums. Es folgte die Erweiterung des OP-Bereichs. Jetzt steht der Anbau an das Bettenhaus an, der die Gesamtfläche um 2950 Quadratmeter oder zehn Prozent erweitert. Im Erdgeschoss entsteht die neue Intensivstation. Die drei Geschosse bieten Raum für 66 neue Bettstellplätze.

Der Komfort soll sich verbessern

Allerdings wird sich an der Zahl der Planbetten nichts ändern. Sie bleibt bei 255. Vielmehr dient der Ausbau dazu, künftig vor allem Zwei-Bett-Zimmer und bei Bedarf Räume mit nur einem Bett vorzuhalten. Sie sollen Zimmer mit drei Betten ablösen. „Der Komfort steigt“, fasst Geschäftsführer Böttcher zusammen. Anfang 2021 soll alles fertig sein.

Danach soll im anschließenden Altbau eine neue Überwachungsstation (Intermediate Care-Station/IMC) aufgebaut werden. Sie ist für Patienten konzipiert, deren Erkrankung einen hohen Überwachungs- und Betreuungsaufwand verursacht, die jedoch nicht auf intensive Pflege angewiesen sind. Sowohl die Intensivstation als auch die IMC werden jeweils zwölf Betten haben.

Messplatz für Links-Herz-Katheder

Als vorerst letzte derzeit geplante Neuerung soll ein Links-Herz-Katheder Messplatz installiert werden, den es bisher in der Kreis-Krankenhausgesellschaft nur zwei Mal in Buchholz gibt. Es dient der qualifizierten Akutversorgung von Herzinfarktpatienten. Verengte Gefäßabschnitte werden aufgespürt und meist unmittelbar therapeutisch versorgt, so dass der Blutfluss – und damit die Sauerstoffversorgung – gewährleistet ist. In manchen Fällen wird ein Stent implantiert, der den Gefäßinnenraum sichert und somit den Blutdurchfluss gewährleistet.

Alle Investitionen sowie geplante 60 Millionen Euro für Buchholz innerhalb des laufenden Jahrzehnts sollen die Standorte sichern. Doch zur Strategie gehört auch eine Kooperation mit der Jesteburger Waldklinik sowie ein von der Krankenhausgesellschaft initiierter Vorstoß zum Schulterschluss mit dem UKE, dem Albertinen Krankenhaus sowie dem Allgemeinen Krankenhaus Harburg. Die Gespräche sind noch in einem frühen Stadium. Angepeilt wird, die Digitalisierung sowie künstliche Intelligenz zu nutzen, um künftig rasch auf Patientendaten zurückgreifen und Heilungschancen gemeinsam beurteilen und danach handeln zu können.

Fachpersonal von den Philippinen

Die Zahl der Betten in Winsen steigt zwar mit dem Bettenhaus-Anbau nicht an. Doch Fachpersonal ist auch in der Kreisstadt immer gesucht. „Wir stehen mit unserem Werben aber wohl etwas besser da als an anderen Orten“, sagt der Krankenhaus-Geschäftsführer. So werden Ende Januar insgesamt zwölf philippinische Fachkräfte beginnen, die alle in ihrer Heimat einen Bachelor-Abschluss erworben haben. Sie kommen über eine Hamburger Personalagentur in den Kreis und werden unbefristet eingestellt.

„Wir finden also Personal für unsere neuen Räume“, sagt Böttcher. Fünf der neuen Mitarbeiter werden in den nächsten Jahren auch Patienten im neuen Bettenhaus versorgen.