Hamburg

Politiker warnen vor Verkauf von Krankenhäusern

Erzbischof Stefan Heße im Mariendom

Erzbischof Stefan Heße im Mariendom

Foto: Marcelo Hernandez

Die Finanzkrise im Erzbistum könnte auch Folgen für katholische Krankenhäuser haben – „Verheerendes Signal“.

Hamburg.  Das Erzbistum Hamburg steckt in einer schweren Finanzkrise und sucht mit Hochdruck nach Lösungen. Nach der geplanten Schließung von katholischen Schulen hält die Bistumsverwaltung auch den Verkauf von katholischen Krankenhäusern für nachdenkenswert. Erzbischof Stefan Heße hatte im Abendblatt-Interview auf die Frage, ob ein Krankenhaus verkauft werden könne, gesagt: „Möglich ist vieles. Wir sollten keine Option ausschließen. Natürlich müssen wir uns die Frage stellen, was verantwortbar ist und wem es am Ende nützt.“

Besorgnis bei Politikern

In ersten Stellungnahmen reagierten Hamburger Politiker mit Besorgnis. Deniz Celik (Die Linke), Mitglied der Bürgerschaft und Fachsprecher für Gesundheit und Gewerkschaftspolitik, sagte: „Der mögliche Verkauf an einen privaten Investor wäre ein verheerendes Signal für die Krankenhausversorgung.“ In diesem Zusammenhang erinnerte er an die Asklepios Kliniken. „Sie wurden privatisiert und belegen im Ranking der Patientenzufriedenheit laut Krankenhausspiegel alle zusammen die letzten Plätze.“ Deniz Celik befürchtet, dass eine weitere Privatisierung in Hamburg für die Patienten zu Verschlechterungen führen würde. „Der Verkauf eines katholischen Krankenhauses sollte, wenn überhaupt, nur an die Stadt Hamburg erfolgen. Damit würde ein Krankenhaus, mit dem die Hamburger überdurchschnittlich zufrieden sind, in öffentliche Hand kommen, und die Qualität könnte wie im UKE auch hoch bleiben“.

Katholische Schulen: Die Krise als Chance

Im Hamburger Krankenhausspiegel 2017 belegen die konfessionellen Krankenhäuser – darunter das katholische Marienkrankenhaus – in der Patientenzufriedenheit vordere Plätze. Das Marienkrankenhaus bekommt 86,6 Punkte, während etwa die Asklepios Klinik Nord mit 75,9 von 100 Punkten auf dem vorletzten Rang rangiert.

Acht katholische Krankenhäuser

Im Erzbistum Hamburg, zu dem auch die Gemeinden in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gehören, gibt es acht katholische Krankenhäuser. Sie sind eigene Körperschaften, befinden sich in der Trägerschaft des Malteser Fachverbandes, wurden einer Kirchengemeinde oder dem Erzbistum direkt unterstellt. In Hamburg gibt es drei katholische Kliniken: Das Marienkrankenhaus (586 Betten) als größtes konfessionelles Krankenhaus in der Stadt, das Kinderkrankenhaus Wilhelmstift in Rahlstedt mit jährlich 11.000 stationären Patienten und das Krankenhaus Groß-Sand in Wilhelmsburg.

Die Geschäftsführungen dieser Kliniken wollten sich auf Anfrage zum Interview des Erzbischofs nicht äußern. „Wir möchten Ihnen mitteilen, dass sämtliche Anfragen, die unmittelbar das Erzbistum Hamburg betreffen, auch durch dieses beantwortet werden“, hieß es in der Antwort.

Kein Kommentar der Gewerkschaft Ver.di

Auch eine Sprecherin der Gewerkschaft Ver.di wollte das nicht kommentieren: „Die Ausgangssituation an den einzelnen katholischen Krankenhäusern und auch bei Investoren ist jeweils sehr unterschiedlich, sodass die Folgen eines Verkaufs für die Beschäftigten sich je nach Konstellation sehr unterscheiden würden.“ Der Hamburger FDP-Bundestagsabgeordnete Wieland Schinnenburg plädierte dafür, die Trägervielfalt bei den Kliniken zu erhalten. Und fügte hinzu: „Keinesfalls darf ein Krankenhaus von der Stadt Hamburg übernommen werden. Die hat beim Landesbetrieb Krankenhäuser einen großen Schuldenberg hinterlassen.“

Ökumenische Kooperation angedacht

Im Abendblatt-Interview hatte Erzbischof Heße zudem angeregt, dass in Einzelfällen katholische und evangelische Gemeinden kirchliche Gebäude gemeinsam nutzen. Hamburgs und Lübecks Bischöfin Kirsten Fehrs begrüßt grundsätzlich die ökumenische Kooperation, weist aber auch darauf hin, dass das jeweils vor Ort in den Kirchengemeinden entschieden werden muss. Wie Nordkirchen-Sprecher Stefan Döbler sagte, feiere das Erzbistum regelmäßig zu besonderen Gelegenheiten katholische Gottesdienste in evangelischen Hamburger Hauptkirchen, darunter traditionell die Schlussvesper der katholischen St.-Ansgar-Woche in der evangelischen Hauptkirche St. Michaelis und Schulgottesdienste zum Beispiel in der Hauptkirche St. Petri. Die Kooperationen seien aber immer Angelegenheit der einzelnen Kirchengemeinden vor Ort, betonte Döbler. Sie sind Eigentümerinnen der Kirchengebäude und entscheiden, ob und inwieweit sie ihre Räume mit anderen Kirchengemeinden teilen.