Harburg
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Winsener Straße nur noch dreispurig?

Enge Bebauung, viel Verkehr: An der Winsner Straße ist die Schadstoffbelastung besonders hoch

Enge Bebauung, viel Verkehr: An der Winsner Straße ist die Schadstoffbelastung besonders hoch

Foto: Hansen / xl

Grüne entwickeln neue Ideen für die Harburger Magistralen B 4 und B 73. Auch eine Verkehrszählung wird angedacht.

Harburg.  Sie sind die beiden wohl verkehrsreichsten bewohnten Straßen im Bezirk Harburg: Die Cuxhavener Straße (B 73) und die Winsener Straße (B 4) An ihnen zu leben, ist weder angenehm, noch einfach. Die Harburger Grünen würden das gerne ändern: Wenn man die Breite dieser Straßen reduzieren könnte, würde man an den Seiten Platz gewinnen, der allen zugute käme, die kein Auto fahren. In zwei Anträgen fordern sie, dass diese Möglichkeit geprüft wird.

Konkrete Vorstellungen für die Winsener Straße

Für die Winsener Straße haben die Grünen schon konkrete Vorstellungen: Der besonders belastete nördliche Abschnitt, der vierspurig von der Jägerstraße zur Hannoverschen Straße führt, soll um eine Spur reduziert werden. Die dann neue mittlere Spur soll dabei wechselseitig die Funktion einer Linksabbiegespur erhalten.

Verkehrszählung auf der Cuxhavener Straße

Was die Cuxhavener Straße angeht, gibt es noch keine Pläne. Der Antrag dazu fordert, während der Zeit, in der wegen der Kreuzungsbaustelle an der Waltershofer Straße die Fahrbahn ohnehin auf zwei Spuren verengt ist, eine Verkehrszählung vorzunehmen. Sie soll dazu dienen, die Verkehrsflüsse hier und in den umgebenden Straßen zu untersuchen, um die Auswirkungen einer dauerhaften Zweispurigkeit abzuschätzen.

Keine Infrastruktur für Radfahrer

„Der nördliche Teil der Winsener Straße ist einer der verkehrsreichsten und autogerechtesten Straßenzüge des Bezirks“, sagt Michael Sander, Bezirksabgeordneter der Grünen und Vorsitzender des Mobilitätsausschusses. „Für den Radverkehr dagegen besteht keinerlei Infrastruktur. So ist das einzig verkehrsgerechte Verhalten für Radfahrende die Nutzung der Fahrbahn inmitten des 4-spurig fließenden Verkehrs mit zahlreichen Bussen und Lkw.“ Laut Sander sieht sogar die Polizei ein, dass dies für viele Radfahrer nicht zumutbar ist, und bestraft Radler, die in der Winsener Straße den Gehweg nutzen, nur selten. Offiziell kann der Gehweg nicht für den Radverkehr frei gegeben werden, denn er ist an einigen Stellen eigentlich schon für die Fußgänger zu schmal. Aus dem selben Grund kann man dort auch keinen Hochbord-Radweg einrichten.

„Deshalb ist eine Umgestaltung der Winsener Straße erforderlich, die für den Rad- und Fußverkehr geeigneter Wege schafft“, sagt Sander, „durch die dichte Bebauung ist dies nur möglich, wenn der Kfz-Verkehr auf drei statt vier Fahrspuren geführt wird. Dies dürfte bei geschickter Umsetzung den Verkehrsfluss nicht verschlechtern, denn schon jetzt stockt der Verkehr durch zahlreiche Linksabbieger in die Nebenstraßen, die den hinter ihnen fahrenden Autos die Weiterfahrt versperren, während sie die Lücke im Gegenverkehr abwarten.“

Mittlere Spur für Linksabbieger

Die Aufgabe einer Kfz-Fahrspur würde bedeuten, dass pro Richtung weiterhin ein Fahrstreifen zur Verfügung steht. Zwischen diesen würde zu jeder Einmündung einer Nebenstraße ein Linksabbiegestreifen angeordnet werden können. „Der gewonnene Straßenraum würde ausreichen, auf beiden Seiten einen Radstreifen einzurichten und die Gehwege mit der Mindestbreite von jeweils 1,50 Meter auszustatten“, sagt Michael Sander.

Eine ähnliche Idee hatte es bereits vor zehn Jahren in der Harburger SPD gegeben. Danach sollte auf dem mittleren Fahrstreifen mittags die Richtung gewechselt werden, so dass der Berufsverkehr jeweils zwei Spuren behalten hätte. Frank Wiesner und Torsten Fuß waren die Verfechter dieses Plans, erhielten aber frühzeitig eine Absage aus der Verkehrsbehörde. „Es kann ja sein, dass sich die Beurteilung der Verkehrsbehörde mittlerweile geändert hat“, sagt Frank Wiesner, „deshalb ist es gut, das noch einmal zu versuchen. Ich vermisse in dem Grünen-Konzept eine Busspur.“

Die Idee, den Verkehr auf der Cuxhavener Straße zu zählen, hatte die Grünen-Bezirksabgeordneten Britta Ost. „Ich kann es selbst schwer beurteilen, weil ich nicht Auto fahre“, sagt sie, „aber ich hatte bei der letzten einspurigen Bauphase beim Vorbeiradeln den Eindruck, dass der Verkehrsfluss darunter nicht allzu sehr gelitten hat.“

Auch der Ausweichverkehr aus dem Alten Land zählt

Ost betont, dass sie sich eine ergebnisoffene Untersuchung wünscht. Und sie möchte, dass auch der Ausweichverkehr über die Neuwiedenthaler Straße oder das Alte Land mitgezählt wird. „Erst dann wissen wir, ob wir uns Gedanken über eine Spurverengung machen können“, sagt sie. Wie die Wunschvorstellung aussieht, wird jedoch schon im Eingangstext des Antrages klar: „Was wäre, wenn die B 73 nur noch zwei Fahrstreifen für den Kfz-Verkehr hätte? Wenn auf beiden Seiten Platz für breite, abgetrennte Fahrspuren für Radfahrende wäre, die das Fahren mit dem Rad bequem, sicher und schnell machen? Wenn die Schadstoff- und Lärmbelastung sinken würde und so das Wohnen an der Magistrale attraktiver würde?“