Harburg
Stadtweit einzigartig

Die neue AKH-Notaufnahme ist fertig

Chefärztin Sara Sheikhzadeh (v. rechts) erläutert Caroline Roos,  Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks und Asklepios-Vorstand Joachim Gemmel das Raum- und Organisationskonzept

Chefärztin Sara Sheikhzadeh (v. rechts) erläutert Caroline Roos,  Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks und Asklepios-Vorstand Joachim Gemmel das Raum- und Organisationskonzept

Foto: Lars Hansen / xl

In der neuen Station werden Patienten unabhängig von der Schwere ihrer Beschwerden zügig aufgenommen und weiterbehandelt.

Hamburg.  Mit seiner neuen zentralen Notaufnahme nimmt das Asklepios Klinikum Harburg (AKH) eine Entwicklung vorweg, für die Gesundheitspolitik auf Bundesebene gerade erst in den Gesetzgebungsprozess eingetreten ist: Die Krankenhausstation, in der klinische Notaufnahme und hausärztliche Notfallpraxis vereint ist, ähnelt schon sehr den „Integrierten Notfallzentren“, die den Bundespolitikern vorschweben. Am 1. Februar nimmt die neue Notaufnahme den Betrieb auf. Gestern wurde sie schon einmal der Öffentlichkeit vorgestellt und symbolisch eingeweiht. Mit dabei waren unter anderem Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) und Caroline Roos von der der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg.

In der neuen Notaufnahme werden Patienten unabhängig von der Schwere ihrer Beschwerden zügig aufgenommen und weiterbehandelt. Diese Behandlung erfolgt zwar differenziert nach Dringlichkeit und Leidensart, aber der Patient bekommt das nicht mit.

Immer mehr Patienten mit leichten Beschwerden

Bereits 2017 hatte die Kassenärztliche Vereinigung (KV) auf dem Gelände des AKH eine Notfallpraxis eröffnet. Damit sollte ein Problem aufgefangen werden, das in seinem Ausmaß immer weiter wächst: In die Notaufnahmen der Krankenhäuser kommen Patienten, die eigentlich gar nicht ins Krankenhaus gehören, sondern zum Hausarzt. Diese binden Platz- und Personalkapazitäten, die eigentlich für echte Notfälle gebraucht werden.

„Man will diese Patienten ja nicht wegschicken“, sagt Asklepios-Sprecher Matthias Eberenz, „denn die meisten sind nun einmal wirklich krank. Dass sie in der Notaufnahme falsch aufgehoben sind, können sie nicht immer selbst beurteilen.“

Allerdings führte das vor 2017 oft dazu, dass die „nur kranken“ Patienten, wenn sie sich nicht überzeugen ließen, ihren Hausarzt oder eine hausärztliche Notfallpraxis aufzusuchen, lange in der Notaufnahme warten mussten, weil jeder wirklich dringende Notfall selbstverständlich vorgezogen wurde. Mit der Notfallpraxis der KV änderte sich das: Etwa 22 Prozent der Notaufnahmepatienten wurden an die Notfallpraxis weitergeleitet und ließen sich dort behandeln. Das ist etwas mehr, als das Krankenhaus geschätzt hatte, aber weniger, als die KV angenommen hatte.

Gefühl der Abweisung in einer Situation des Leidens

Einen Pferdefuß hatte diese Lösung allerdings: Die Notfallpraxis befand sich zwar auf dem Klinikgelände, aber nicht direkt bei der Notaufnahme, sondern in einem anderen Haus. Für Patienten, die dorthin geschickt wurden, ergab sich deshalb oft ein Gefühl der Abweisung in einer Situation des Leidens. Außerdem mussten sie hier erneut aufgenommen werden und ihre Beschwerden schildern.

Wenn dann noch der Notarzt bei der Untersuchung feststellte, dass der Patient doch ins Krankenhaus gehörte, und sei es nur für eine weitergehende Untersuchung, war die Frustration bei den Patienten groß. Das soll nun alles ein Ende haben.

Dafür hat unter anderem Sara Sheikhzadeh gesorgt. Die habilitierte Medizinerin ist Leiterin der AKH-Notaufnahme. Sie hat das Konzept, das jetzt in Harburg zum Einsatz kommt, erarbeitet. Damit nicht genug: Sie hat es auch gegen die Zweifler, die es in jedem Klinikbetrieb gibt, durchgesetzt.

„Dies ist die Art Notfallstation, von der ich immer geträumt habe“, sagt sie.

Notfallpraxis ist nun räumlich in die Notaufnahme integriert

Die KV-Notfallpraxis ist nun räumlich in die Notaufnahme integriert. Um den neuen Anforderungen zu entsprechen, wurden 13 neue Räume eingerichtet, alleine acht für die Ersteinschätzung, drei Funktionsräume sowie je einer für Demenzkranke und psychiatrische Patienten sowie drei neue Wartezimmer.

Künftig gibt es nur noch eine zentrale Anlaufstelle für fußläufige Patienten im Asklepios Klinikum Harburg. An einem zentralen Tresen nehmen zwei Medizinische Fachangestellte des AKH die Ersteinschätzung der ankommenden Patienten vor. Diese Fachangestellten waren bislang vom AKH an die KV-Praxis „ausgeliehen“, kennen also beide Systeme.

„Boarding Pass“ für Patienten

Liegende Notfallpatienten, also solche, die mit dem Rettungswagen gebracht werden, haben künftig einen eigenen Eingangsbereich mit großer Umlagerungszone für den Transfer von Transportliege zu Klinikbett. Die Patienten müssen nicht mehr an anderen Patienten vorbeigeschoben werden. Liegende und fußläufige Patienten kommen erst im Untersuchungsbereich zusammen.

„Neu ist auch, dass Patienten eine Art „Boarding Pass“ erhalten, auf dem sie den geplanten Ablauf der Untersuchungen und Behandlung erkennen können, inklusive der voraussichtlichen Wartezeiten“, sagt Sara Sheikhzadeh. „Der Patient wird durch mehrere Wartezonen gelotst. Dabei gibt es eine Zone speziell für psychiatrische Patienten. Das transparente Kommunikationskonzept erhöht die Patientenzufriedenheit.“