Harburg
Ehestorf

Schlachtfest wie vor 100 Jahren

Die Darsteller der Gelebten Geschichte feiern ihr eigenes Schlachtfest. 

Die Darsteller der Gelebten Geschichte feiern ihr eigenes Schlachtfest. 

Foto: Foto: Michael Schmidt

Spezialitäten vom bunten Bentheimer Schwein im Freilichtmuseum am Kiekeberg. Fleischer erläutert das alte Handwerk.

Ehestorf.  Grützwurst, Wellfleisch und Schlachtbrühe vom Bunten Bentheimer Schwein – das Freilichtmuseum am Kiekeberg begeht das traditionelle Schlachtfest. Fleischer Wolfram Siemann zeigt Besuchern das alte Handwerk und erklärt, wie er das ganze Schwein verarbeitet. Besucher erleben, wie er ein Schwein fachmännisch zerlegt. Siemann informiert auch über Qualität und Verwendungsmöglichkeiten der einzelnen Fleischteile und führt die Wurstherstellung vor. Außerdem gibt es eine kleine Ausstellung zu Schlachtgeräten und einen Schlachtfilm in der Museumsbrennerei.

Bei einem winterlichen Rundgang über das Museumsgelände erleben große und kleine Besucher zudem die Darsteller der Gelebten Geschichte 1804. Sie zeigen die typischen Arbeiten, die im Winter vor 200 Jahren auf einem Hof anfielen: Die Frauen spinnen oder weben Flachs und Wolle, Männer versorgen das Vieh oder reparieren verschiedene Gerätschaften. Ganz wie früher stellen sie Grützwurst am offenen Feuer her und mischen scharfen Senf. In der alten Museumsschmiede führt ein Schmied sein altes Handwerk vor. Kinder können Futterherzchen für Vögel basteln.

Die Besucher können beim Schlachtfest rote und weiße Grützwurst, Wellfleisch, Schlachtbrühe oder Bratwurst frisch vor Ort verkosten. Wer mag, kann zudem eingemachte Wurst im Glas oder Mettwurst mit nach Hause nehmen. Als fleischlose Alternative oder Ergänzung stehen gedämpfte Kartoffeln mit Kräuterquark bereit. Für den kleinen Hunger eignen sich Schmalzbrote, Kaffee und Kuchen.

Die Landbevölkerung hielt Schweine bis in das 20. Jahrhundert hinein als die wichtigsten Schlachttiere. Sie ergaben eine hohe Schlachtausbeute. Das Fleisch wurde gepökelt, geräuchert oder in sauer eingelegt. Nur an wenigen Tagen im Jahr wurde es frisch genossen, etwa zu den Hausschlachtungen im Winter. Waren die anstrengenden Arbeiten beendet, fand ein Schlachtfest, plattdeutsch „de Slachtköst“, statt.

Im Freilichtmuseum am Kiekeberg werden Bunte Bentheimer Schweine gehalten, wie es um 1900 auf dem Land üblich war. Die robuste Rasse ist jedoch vom Aussterben bedroht. Vereine und private Züchter engagieren sich deshalb für den Erhalt der schwarz-weißen Tiere. Am Kiekeberg leben die Schweine artgerecht im rund 300 Jahre alten Schweinestall eines Heidebauernhofs. Hier können die Tiere selbst wählen, ob sie im Stall bleiben oder hinaus ins Freie wollen, wo sie sich sonnen und suhlen können. Darüber hinaus werden sie, anders als in der Massentierhaltung, über ein Jahr alt.

Sonntag, 27. Januar, 11 bis 16 Uhr, Freilichtmuseum am Kiekeberg, Ehestorf, Eintritt 9 Euro für Besucher ab 18 Jahre. Geöffnet ist von 10 bis 18 Uhr