Harburg
Nahverkehr

Hamburgs Süden: Neuer Bestellbus Ioki soll im Herbst starten

Ein Elektro-Shuttle der Bahntochter Ioki, die künftig auch im Süden Hamburgs ihren Service – mit Kleinbussen – anbieten soll.

Ein Elektro-Shuttle der Bahntochter Ioki, die künftig auch im Süden Hamburgs ihren Service – mit Kleinbussen – anbieten soll.

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Bahntochter will Fahrgäste mit Shuttle zu Haltestellen von Bussen und Bahnen bringen. Fünf Städte stehen zur Wahl.

Kreis Harburg/Harburg.  Vom Oktober an will die Bahntochter Ioki im Süden Hamburgs einen neuen Nahverkehr anbieten. Kooperationspartner ist das Verkehrsunternehmen KVG in Stade. Kleinbusse mit voraussichtlich knapp zehn Sitzplätzen sollen dann Fahrgäste von Haltepunkten aus zu Haltestellen von Bussen, U-Bahnen, S-Bahnen und Regionalbahnen oder umgekehrt wieder in Richtung der eigenen Wohnung bringen. Geprüft wird das Angebot für die fünf Städte Lüneburg, Stade, Buxtehude, Buchholz und Winsen.

„Welche dieser Städte ausgesucht wird, ist noch völlig offen“, sagt Olaf Krüger, Alleinvorstand der Wirtschafts- und Regionalentwicklungsgesellschaft Süderelbe AG, der das Projekt koordiniert. „Aber es wird in jeden Fall eine Stadt ausgewählt. Möglichweiser sind es auch zwei.“

Shuttle soll Gewerbegebiete in der Region ansteuern

Das Projekt unter dem Arbeitstitel „Mobilitätslösungen für den ländlichen Raum“ nahm im Oktober 2019 Fahrt auf, als sich die Hamburger Hochbahn bei der Süderelbe AG meldete. Die Entwicklungsgesellschaft gilt schon deshalb als zentraler Ansprechpartner, weil die drei Landkreise Lüneburg, Harburg und Stade zu ihren Hauptaktionären zählen.

Im Mittelpunkt steht bei dem Projekt die Frage, wie Arbeitnehmer aus den umliegenden Gemeinden künftig sicher und rechtzeitig ihre Arbeitsplätze in den Gewerbegebieten erreichen können. Die Mobilität ist ohnehin ein Thema bei der Süderelbe AG. So will sich ihr Beirat in zwei Sitzungen im Frühjahr mit betrieblichen Mobilitätsmanagement befassen.

Bund könnte Kosten zum Teil übernehmen

Süderelbe-Chef Krüger will nun bis Ende Januar einen Förderantrag beim Bundesverkehrsministerium einreichen. Der Hintergrund: Bis zum ITS-Weltkongress für intelligente Verkehrssysteme im Oktober 2021 in Hamburg will das Bundesverkehrsministerium Geld bereit stellen. Es soll in Projekte fließen, die in knapp zwei Jahren zum Kongress auf–zeigen können, wie sich das Umland besser an die Metropole anbinden lässt. Dabei können die Kosten vom Bund voraussichtlich zumindest anteilig übernommen werden.

„Die Förderrichtlinien liegen zwar bei uns noch nicht vor“, sagt Krüger. Er ist aber optimistisch. Auch in Ahrensburg (Kreis Stormarn) ist man zuversichtlich, dass Ioki bereits von September an einen Shuttle anbieten wird. Das Konzept für den allgemeinen Busnah­verkehr hatte der Ioki-Partner Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) zuletzt in einer gemeinsamen Sitzung des Bau- und Umweltausschusses der Schlossstadt vorgestellt.

Testbetrieb soll von Herbst an für ein Jahr laufen

Für den Förderantrag für die fünf Städte im Süden Hamburgs rechnet Süderelbe-Chef Krüger, ein Diplom-Kaufmann und promovierter Wirtschafts­historiker, mit einer Entscheidung des Bundes innerhalb der kommenden sechs bis acht Wochen. Danach soll möglichst rasch die Analyse von Ioki klarstellen, welcher Bereich sich am besten für ein Angebot eignet. Dafür sollen sechs bis acht Monate ausreichen. So könnte die Untersuchung bis zum Oktober abgeschlossen sein. Daran würde sich der für ein Jahr geplante Testbetrieb anschließen. Die Bewertung sollen Experten der Technischen Universität Hamburg in Harburg übernehmen.

Am von der Süderelbe vorangetriebenen Projekt für den Anschluss von Gewerbegebieten ist unabhängig vom Vorstoß in Ahrensburg auch der Landkreis Stormarn beteiligt. Er hat für sein Gebiet die VHH, das zweitgrößte norddeutsche Busunternehmen, als Partner.

Ioki könnte auch kaum besetzte Nachtbusse ersetzen

Im Süden Hamburgs ist die KVG Partner der Bahntochter Ioki, die für den Betrieb ihre Linienkonzession nutzen kann. Die Stader könnten auch die Fahrzeuge erwerben. Weitere Einzelheiten wie die neuen Haltepunkte für den Dienst, eine App oder mögliche Auswirkungen auf die Fahrpläne stehen aber noch nicht fest. „Allerdings hat Ioki schon Erfahrungen gesammelt. Inzwischen sind Fahrzeuge bundesweit in 27 Regionen unterwegs“, sagt Krüger.

Klar ist: Kann die Nachfrage von Fahrgästen effizient gebündelt werden, würde sich nicht nur der Nahverkehr verbessern und Arbeitnehmer einfacher zu ihren Arbeitsplätzen gelangen. Die Verkehrsunternehmen würden zudem wirtschaftliche Vorteile erzielen. Kaum besetzte Nachtbusse etwa würden künftig durch kleinere Shuttlebusse ersetzt.

HVV-Passagiere zahlen einen Euro Aufpreis

Wer mit den Kleinbussen der Bahntochter Ioki fahren will, wird sich zunächst eine App herunter­laden müssen. Es existiert kein fester Fahrplan. Nutzer geben Start- und Zielort ein und bekommen dann angezeigt, wann ein Shuttle zur Verfügung steht.

Das System soll in den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) integriert werden. Passagiere können sich von vorgegebenen Haltepunkten, die noch festgelegt werden müssen, zu einer Haltestelle von Bus, U-, S- oder Regionalbahn fahren lassen und umgekehrt. Fahrten sollen möglichst gebündelt werden, um die Kapazität effizient zu nutzen.

In Hamburg benötigen Passagiere ein HVV-Ticket und zahlen dann für Ioki einen Aufpreis von einem Euro. Nachts entfällt dieser teilweise. Die Bezahlung funktioniert zum Beispiel per Kreditkarte oder Vorab-Überweisung.