Harburg
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30 Jahre alter Macintosh in der Ausstellung „Hot Stuff“

Michael Strehlow (l.) hat mit seinem ersten Apple-Rechner, dem Macintosh SE/30, das interessanteste Objekt zur "Hot Stuff"-Leseraktion beizusteuern. Museumsdirektor Prof. Rainer-Maria Weiss nahm den Rechner entgegen.

Michael Strehlow (l.) hat mit seinem ersten Apple-Rechner, dem Macintosh SE/30, das interessanteste Objekt zur "Hot Stuff"-Leseraktion beizusteuern. Museumsdirektor Prof. Rainer-Maria Weiss nahm den Rechner entgegen.

Foto: Jan-Eric Lindner / HA/Lindner

Mit seinem ersten Apple-Rechner hat Michael Strehlow die Leseraktion von Abendblatt und Archäologischem Museum gewonnen.

Harburg. Fast 30 Jahre hat das gute Stück im dunklen Keller verbracht, eingepfercht zwischen alten Plattenspielern, Lautsprechern und aussortierten PCs. Und sicherlich hätte der Macintosh SE/30 von Michael Strehlow auch die kommenden drei Jahrzehnte dort sein Dasein gefristet, hätten nicht das Archäologische Museum Hamburg und die Abendblatt-Redaktion anlässlich der laufenden Ausstellung „Hot Stuff - Archäologie des Alltags“ die Leser dazu aufgefordert, ihre alten Schätze herauszukramen. Im Rahmen der „Hot Stuff-Leseraktion“ förderten sie Schallplattenspieler und Tonbandgeräte, Super-8-Kameras, Rechenmaschinen und sogar eine Höhensonne ans Tageslicht. Jetzt hat eine Jury aus Abendblatt- und Museumsmitarbeitern das beste Leser-Schätzchen gekürt: ein Macintosh SE/30 der Firma Apple, der bis heute teuerste und leistungsfähigste Würfelmac, Baujahr 1989.

Michael Strehlow bewarb sich erst mit einer Rechenmaschine

Inhaber ist Abendblatt-Leser Michael Strehlow, der sich ursprünglich mit einer Rechenmaschine seines Onkels aus den 1970er Jahren für die Teilnahme an der Ausstellung beworben hatte. Bei der Besichtigung des Objekts kam das Gespräch auf die Computersammlung des 51-Jährigen, darunter der Macintosh SE/30. „Das Ding gehört in die Ausstellung!“, das war für Museumsdirektor Rainer-Maria Weiss sofort klar. „So einen Rechner wollten damals alle haben.“

Ab heute in der Vitrine im Museum

Ab heute kann der SE/30, das Kompaktmodell von Apple, im Foyer am Museumsplatz 2 bestaunt werden. Prominent platziert unter gläserner Vitrine, gewährt der Super-Rechner mit dem Codenamen „Roadrunner“ den Besuchern Einblick in das bis dahin stärkste System der monochromen Mac-Welt, in das zum ersten Mal ein Motorola 68030 integriert worden war. Als Massenspeicher kam zum ersten Mal ein 1,44 MByte HD-Laufwerk zum Zuge. Zusätzlich erhielt der Käufer eine Festplatte mit 40 MByte Fassungsvermögen. Der Rechner kostete damals 6500 Dollar. Das waren umgerechnet 12.220 Mark.

„Apple war damals Hot Stuff und ist es noch heute“, sagt Rainer-Maria Weiss, der es liebt, in privaten Sammlungen zu stöbern. Der Museums-Chef ist überzeugt davon, dass der Neuzugang nicht nur die ältere Generation, sondern auch die Kinder und Jugendlichen begeistern und auf eine gemeinsame Zeitreise führen wird.

Bei Apple-Fans ein begehrtes Gerät

Besitzer Michael Strehlow aus Hanstedt kam Anfang der 1990er Jahre aus beruflichen Gründen zum der bei Apple-Fans heiß begehrten Kiste. „Den SE konnte ich damals günstig bekommen und das Upgrade ebenso, wobei günstig immer relativ war. Genutzt habe ich ihn zu Hause zum rumprobieren und um Software zu testen“, sagt er. Von dem DG/UX Server, einem der ersten Unix-Systeme und den DLT Tape Libraries, in den 1980er Jahren als magnetische Speichermedium für die Datensicherung und Archivierung digitaler Daten im Einsatz, hat er sich – zu seinem heutigen Bedauern – getrennt. Den SE/30 aber hat er vor der Schrottpresse bewahrt.

Viele Geräte aus der Druckerbranche

Viele der Geräte hat der gebürtige Weinheimer von Kunden bekommen, deren alte Technik durch neue Systeme ersetzt wurden. Auch heute noch funktionieren die meisten dieser Sammlerstücke einwandfrei. Sie liegen, umrahmt von Disketten, Laufwerken, Kabeln und Tastaturen, im Keller des Einfamilienhauses. Auch ein Dos/Windows 3.11 Intel 386 Rechner ist unter den Sammlerstücken sowie einer der ersten tragbaren Computer, der Vobis LCD 386, der 1991 für knapp 4000 D-Mark auf den Markt kam. „Die Rechner wurden alle im grafischen Bereich als Workstation oder Server eingesetzt und stammen aus der Zeit, als ich noch diese Rechner installiert und repariert habe“, sagt Strehlow, der damals in der Druckerbranche tätig war. Heute ist der 51-Jährige in der Verpackungsindustrie im Vertrieb unterwegs.

Bis April wird Michael Strehlow nun auf seinen Macintosh SE/30 verzichten müssen. Solange nämlich soll das Gerät in die Ausstellung des Archäologischen Museums integriert werden.