Harburg
Serie: Hot Stuff

Sein erster Apple-Rechner kostete 12.220 Mark

Michael Strehlow hat in seiner Sammlung technischer Geräte auch mehrere alte Rechenmaschinen seines Onkels.

Michael Strehlow hat in seiner Sammlung technischer Geräte auch mehrere alte Rechenmaschinen seines Onkels.

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Jede Menge Kultobjekte der 1970er, -80er und -90er Jahre hat Michael Strehlow im Keller. Dinge, die er damals unbedingt haben musste

Hanstedt. Wenn Michael Strehlow die Zeit hätte, könnte er ein eigenes kleines Museum eröffnen mit Dingen, die vor Jahren heiß begehrt waren und heute zum alten Eisen zählen. Jede Menge Kultobjekte der 1970er, -80er und -90er Jahre hat der Hanstedter in seinem Keller stehen. Dinge, die er damals unbedingt haben musste, weil sie technisch der neueste Schrei waren.

Eines der ersten schnurlosen Telefone steht dort, ein Panasonic Kx-T3860. „Ein richtiger Knochen, so wie man ihn aus den Achtziger-Jahre-Serien Dallas und Denver Clan kennt“, sagt Michael Strehlow. „Funktioniert immer noch.“ Gleich daneben im Regal hat Strehlow seinen Macintosh SE/30 platziert. Das Rechnermodell der Firma Apple erreichte den Handel im Januar 1989 und kostete in der Basisausstattung mit 40MB Speicher, Motorola CPU und einer 16MHz-Takrate damals solide 6500 Dollar, umgerechnet 12220 Mark.

Heute liegt der Wert des Rechners bei 400 Euro. Der Macintosh SE/30 ist nicht der einzige Computer, der unter Tage sein Dasein fristet. In den Regalen stehen Rechner unterschiedlichster Baujahre, umrahmt von Tastaturen, Kabeln und alten Disketten. Auch einer der ersten tragbaren Computer ist darunter, der Vobis LCD 386, der 1991 für knapp 4000 D-Mark auf den Markt kam.

„Das Gerät war mein treuer Begleiter.“

„Das Gerät war mein treuer Begleiter. Ich habe es zu jedem Kunden mitgenommen.“ Damals arbeitete der gebürtige Weinheimer, Jahrgang 1968, in der Druckerbranche. Heute ist er in der Verpackungsindustrie als Vertriebler unterwegs, in der Tasche das Tablet und sein Smartphone.

Doch die Dinge von damals, deren Funktion sein Sohn Paul, Anfang 20, nur noch von Erzählungen und aus dem Fernsehen kennt, lassen Michael Strehlow bis heute nicht los. Er hat alles aufbewahrt, auch wenn die Familie nur mit dem Kopf geschüttelt hat. Jetzt ist er froh, dass er nichts weggeschmissen hat. Schließlich könnte er das ein oder andere Stück bestens in die aktuell laufende Ausstellung im Archäologischen Museum Hamburg integrieren.

„Hot Stuff - Archäologie des Alltags“ heißt sie und zeigt Dinge, die noch vor 30 Jahren zum Alltag gehörten, in zwischen aber fast in Vergessenheit geraten sind. Anlässlich der Ausstellung rief das Abendblatt die Leser auf, in den eigenen Schätzen der Vergangenheit nach einem Stück zu stöbern, dass möglicherweise noch in der Ausstellung fehlt. „Ich habe sofort an die Rechenmaschinen meines Onkels gedacht“, sagt Martin Strehlow. Die Canola MP1214 von Canon, Jahrgang 1975, ist noch immer voll funktionstüchtig. Ebenso die Olympia AE, die noch zehn Jahre älter ist.

Kindheitserinnerungen kommen hoch

Wenn Strehlow mit den Fingern die Zahlen auf der beigebraunen Tastatur eintippt, kommen Kindheitserinnerungen hoch. „Mein Onkel und meine Tante hatten ein Steuerberaterbüro. In den Ferien war ich häufiger bei ihnen zu Besuch.

Da sie keine Kinder und damit auch kein Spielzeug im Haus hatten, ließen sich mich zum Zeitvertreib auf den Rechenmaschinen herumtippen.“ Und der kleine Michael tippte. So eifrig, dass schließlich die 6000 Mark teure Maschine ihren Geist aufgab. „Die Geschichte musste ich mir auch noch 30 Jahre später anhören“, sagt er.

Als seine Tante vor fünf Jahren starb, schuf Michael Strehlow für die längst veraltete Technik Platz in seinem Keller. Zu den Erbstücken gehört auch der „Chess Champion MK I - ihr stets verfügbarer Schach-Partner“. Den Schachcomputer, ausgezeichnet mit dem „König-Diplom“ des Deutschen Schachbundes, hatte sich Onkel Albert 1975 angeschafft. Manchmal dauerte es Tage, bis der Rechner einen Zug ausgerechnet hatte.

Die Welt habe damals eben langsamer getickt, sagt Strehlow

Die Welt habe damals eben langsamer getickt, sagt Strehlow. Man habe sich mehr Zeit für die Dinge genommen und sie bewusster genossen. Und das sei auch gut so gewesen, findet er. Also versucht der 51-Jährige selbst, bewusst gegen die Schnelllebigkeit gegenzusteuern.

Er hört Schallplatten, macht selbst Musik und fotografiert hin und wieder noch mit Film. Die entsprechende Technik hat er selbstverständlich aufbewahrt. Sie steht in einer Vitrine im Schlafzimmer und enthält knapp 20 verschiedene Spiegelreflexkameras, darunter eine Leicaflex von 1964, eine Minolta SRT 303 von 1973 und die Leica R3 bis Leica R7 von 1976 – 1997.

Dass sich Hightech und Nostalgie durchaus ergänzen, zeigt sich im Wohnzimmer des Technikfreaks. Dort befindet sich neben dem Elac Miracord 50 H, einem Hi-Fi-Plattenspieler mit schwerem, ausgewuchtetem Zinkdruckguss-Plattenteller, Jahrgang 1970, der Flachbildfernseher neueren Datums, umrahmt von sechs Dolby-Surround-Standlautsprechern.

An der Decke hängt außerdem ein Beamer für noch größeres TV-Spektakel. Und natürlich sind die Strehlow-Männer Kunden von DAZN, Amazon-Prime, Netflix. „Aber ich benutze das nicht“, sagt Michael Strehlow. „Das ist alles für meinen Sohn.“