Harburg
Seevetal

Musical Company spielt bald im eigenen Haus

Geschäftsführer Pascal F. Skuppe im neuen Proben- und Bühnenraum mit 110 Sitzplätzen. Der goldene Käfig ist ein Überbleibsel des Discobetriebs.

Geschäftsführer Pascal F. Skuppe im neuen Proben- und Bühnenraum mit 110 Sitzplätzen. Der goldene Käfig ist ein Überbleibsel des Discobetriebs.

Foto: Lena Thiele

The Musical Company ist ins ehemaliges Studio Maschen gezogen. Hier soll ein neues Theater für die Region Seevetal entstehen.

Maschen.  Die blauen Lichter an der Außenwand sind nicht ganz sein Geschmack. Ein Überbleibsel der Diskothek, die in dem Gebäude zuletzt untergebracht war. „Aber immerhin weisen sie darauf hin, dass hier was los ist“, sagt Pascal F. Skuppe. Denn in den von außen ansonsten unscheinbaren Kasten am Maschener Rübenkamp ist vor einigen Monaten die Seevetaler Musical Company gezogen.

Der Geschäftsführer steht im Halbdunkeln vor der schweren Eingangstür, bereit für eine kleine Tour durch das neue Reich der Truppe. Hinter ihm liegen aufregende Monate, in denen es etliche Hürden zu überwinden galt. Das Potenzial, das das neue Haus ihnen bietet, war zunächst kaum zu erkennen. „Die Discoleute haben hier noch eine Abrissparty gefeiert und dann einfach die Tür abgeschlossen. Es lagen noch volle Aschenbecher herum, kaputte Gläser und eine umgekippte Dekopalme“, sagt Skuppe. „Das war abenteuerlich, ein totales Chaos.“ Etwa ein Jahr hatte das Gebäude leergestanden, als die Company im vergangenen Sommer begann, ihm neues Leben einzuhauchen.

Sogar Roger Whittaker spielte im Studio Maschen

Die neue Nutzung passt durchaus zur Geschichte des Hauses. In den 1970er-Jahren hatte das Studio Maschen hier seine große Zeit, Künstler wie Roger Whittaker spielten hier mit Produzent Joe Menke ihre Stücke ein. Die Band Truck Stop, die mit deutschsprachigen Countryliedern große Erfolge feierten, setzte dem Studio 1980 ein musikalisches Denkmal. Als das Studio Jahrzehnte später die großen Räume nicht mehr benötigte und ins kleinere Nachbarhaus umsiedelte, zog für knapp drei Jahre der Club Maschen ein – bis zur Abrissparty.

Die Räume sind mittlerweile aufgeräumt, im großen Proben- und Bühnenraum mit seinen hohen schwarzen Wänden und einer Empore im hinteren Bereich sind bereits Stühle für die Zuschauer aufgereiht. Einiges erinnert noch an die frühere Nutzung, wie die goldenen Disco-Tanzkäfige an der Wand des Bühnenraums und im Obergeschoss der ausladende Billardtisch aus Studio-Zeiten. „Der ist einfach zu groß, den konnten wir nicht rausbringen“, sagt Skuppe. Trotzdem bleibt genug Platz für einen weiteren Probenraum, ein Büro und Lagerfläche für die Requisiten und Kostüme.

Lange Transporte des Equipments entfallen

Das sei ein großer Vorteil gegenüber ihrem früheren Standort an der Maschener Schulstraße, sagt der Geschäftsführer. „Dort waren wir zwar schön sichtbar im Ortszentrum, aber für Aufführungen mussten wir immer alles hin und her transportieren.“ In Zukunft soll im neuen Musical-Studio alles Notwendige jederzeit griffbereit sein. Um Kosten zu sparen, soll irgendwann auch die Technik, die bisher für jede Produktion ausgeliehen wird, fest angeschafft werden.

Sein Ziel sei es, ein „Theater vor Ort“ zu schaffen, sagt Skuppe. Eine Spielstätte mit eigenem Musical-Ensemble, die Menschen aus allen Ecken in Seevetal zusammenbringt. Langfristig kann er sich auch vorstellen, Gastproduktionen einzuladen und weitere Veranstaltungen auszurichten. „Wir wollen weiterhin eine große Aufführung im Jahr in der Burg Seevetal machen. Mit diesem Haus wollen wir darüber hinaus eine neue Spielstätte mit einer eigenen Identität etablieren.“

Räume sind bereit für die erste Aufführung

Umso glücklicher ist der Geschäftsführer, dass die Räume nun bald bereit für die erste große Aufführung sind. Noch müssen einige fehlende baulichen Vorgaben für den Spielbetrieb erfüllt werden, und so bald wie möglich soll auch eine Möglichkeit geschaffen werden, dass die Darsteller von der Bühne direkt in den Backstagebereich gelangen. An einigen Stellen wird erst einmal improvisiert, nicht alles muss von Anfang an perfekt sein.

Nur beim Inhalt macht Pascal F. Skuppe keine Abstriche. An seine Schüler stellt er hohe Ansprüche, er will herausholen, was an Musicaltalent in ihnen steckt. Etwa 150 Teilnehmer aller Altersklassen proben jede Woche in den verschiedenen Projekten der Musical Company. Die meisten sind Laien, einige haben auch Profi-Ambitionen. Die meisten bringen pro Woche drei Stunden Zeit für die Proben auf, dazu kommen dem Chef zufolge etwa drei Stunden selbstständige Vorbereitung plus natürlich die intensiven Aufführungszeiten.

Der nächste Termin der Musical Company ist das Neujahrskonzert am 5. Januar in der Burg Seevetal. Karten für die Vorstellungen um 15 und 20 Uhr gibt es ab zehn Euro. Als erstes Musical im eigenen Haus wird im Frühjahr „Joseph“ von Andrew Lloyd Webber auf die Bühne gebracht. Das Kids-und-Teens-Projekt hat am 21. März Premiere. Weitere Produktionen im kommenden Jahr sind die schwarze Komödie „Zum Sterben schön“, „in concert“ mit Chor und Orchester und „Saturday Night Fever“.

Für Mitte Februar ist zudem ein Tag der offenen Tür geplant, um möglichst vielen Besuchern Gelegenheit zu geben, das neue Musical-Studio Maschen kennenzulernen.

Musical Company

The Musical Company (TMC) gibt es seit 2016. Die Produktionen haben einen hohen künstlerischen Anspruch und werden mit großem Aufwand auf die Theaterbühne gebracht.

Die Darsteller werden in der Regel in Castings ausgesucht. Die meisten Sänger, Tänzer und Musiker sind Amateure, es wirken aber auch semi-professionelle Musicaldarsteller mit.


Die TMC bereitet talentierte Teilnehmer auf die Aufnahmeprüfung für Musical-Studiengänge an einer staatlichen Hochschule vor.


Der Unterricht
wird von der Musikschule Seevetal angeboten. Für die Aufführungen, bei denen die Teilnehmer das Erlernte zeigen können, ist seit Anfang 2019 die TMC als Veranstalter zuständig.


Weitere Informationen zur Musical Company, den Produktionen, Workshops, Castingterminen und weiteren Angeboten gibt es im Internet unter der Adresse www.themusicalcompany.de.