Metropolregion Hamburg

3,5 Millionen Euro für Gründernetzwerk Startup Port

Sie gehören zum Harburger Gründercampus (hintere Reihe, v.l.): Berater Felix Krieg mit Cedrik Dudek,Paul Coch und Philip Schenk vom Startup Generato; vorn: (v.l.): Sandra Sukola (Plattform Beyourpilot), Berater Sebastian Bartosch, Nils Neumann (Hamburg Innovation) und Christian Salzmann (Startup Dock).

Sie gehören zum Harburger Gründercampus (hintere Reihe, v.l.): Berater Felix Krieg mit Cedrik Dudek,Paul Coch und Philip Schenk vom Startup Generato; vorn: (v.l.): Sandra Sukola (Plattform Beyourpilot), Berater Sebastian Bartosch, Nils Neumann (Hamburg Innovation) und Christian Salzmann (Startup Dock).

Foto: Angelika Hillmer / HA

Der Startup Port in Harburg soll für potenzielle Existenzgründer im Wissenschaftsbereich Ansprechstelle sein.

Harburg.  Sie heißen Jetlite, Nüwiel, Vilisto oder Bentekk und stehen für Erfolg: Es sind Startups (junge Technologie-Unternehmen), die ihre innovativen Ideen im Gründercampus an der Harburger Schloßstraße in Geschäftsmodelle umsetzten und ihre Marktnische fanden. Die Bandbreite reicht von Lichtkonzepten für Flugzeuge, die auf Fernflügen Jetlags reduzieren (Jetlite) bis hin zu Fahrradanhängern mit eigenem Antrieb (Nüwiel). Die Nüwiel GmbH will mit ihrem Produkt 2020 in Serie gehen.

Jetzt wird sich die lebendige Hamburger Gründerszene noch weiter vernetzen und in der Metropolregion eine zentrale Ansprechstelle schaffen, an die sich alle findigen Köpfe wenden können, die mit ihren innovativen Ideen Unternehmen gründen wollen. Die neue Marke heißt Startup Port. Anfang Dezember erhielt die Initiative vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) die Zusage über 3,5 Millionen Euro Förderung. Ihr wichtigster Standort ist und bleibt das Channel-Gebäude an der Harburger Schloßstraße 6–12.

Sieben Hochschulen aus der Metropolregion machen mit

Hinter dem Startup Port stehen sieben Hochschulen: die Universität Hamburg, die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW), die Technische Universität (TUHH) und die Helmut-Schmidt-Universität kooperieren mit dem Universitätsklinikum Eppendorf, der Leuphana Universität Lüneburg und der Fachhochschule (FH) Wedel. Aus der freien Wirtschaft sitzen Nordmetall und ContiTech mit im Boot.

Andere Unternehmen mit großem Bedarf an technischen Innovationen arbeiten seit vielen Jahren mit einzelnen Hochschulen eng zusammen, vergeben Forschungsprojekte und fördern Existenzgründer – bestes Harburger Beispiel ist die Kooperation der TUHH mit Airbus. Das Teilchenforschungszentrum Desy in Bahrenfeld und das Helmholtz-Zentrum Geesthacht sind ebenfalls Teil des Gründernetzwerks.

Leuphana Universität Lüneburg kommt als etabliertes Gründerzentrum hinzu

„Die Hamburger Hochschulen arbeiten seit Jahren eng zusammen, um innovativen Teams, die ihre Ideen auf den Markt bringen wollen, optimal zu unterstützen. Das wird im Startup Port noch besser gelingen, denn wir haben mit der Leuphana und der FH Wedel neue Partner gewonnen. Vor allem die Leuphana ist bereits ein etabliertes Gründerzentrum“, sagt Christian Salzmann, Geschäftsführer vom Startup Dock. Das ist der Vorgänger es nun weiter wachsenden Netzwerks.

Nicht nur die in Gründung befindlichen Unternehmen sind auf finanzielle Unterstützung angewiesen, auch der Startup Port selbst braucht Räume, Berater und weitere Mitarbeiter, um effektiv Hilfestellungen geben zu können. Über vier Jahre werden nun insgesamt 3,5 Millionen Euro für das Hamburger Verbundprojekt „Startup Port – Wissensbasiertes Unternehmertum in der Metropolregion Hamburg“ zur Verfügung stehen. Die gemeinsame Bewerbung war beim Förderschwerpunkt „Regional vernetzen“ des EXIST-Programm erfolgreich, mit dem das BMWi die Gründerkultur in Deutschland stärken will. Zwei weitere Schwerpunkte lauten „Potenziale heben“ und „International überzeugen“. Insgesamt werden 142 von 220 Hochschulen, die sich beworben haben, mit 150 Millionen Euro gefördert.

„Bislang gab es in der Region Hamburg verschiedene Inseln, die Angebote für Gründerinnen und Gründer machen“, sagt Salzmann. „Der Startup Port fasst sie alle zusammen. Im Hintergrund arbeiten die sieben Hochschulen, Technologietransfer-Unternehmen wie Hamburg Innovation und sonstige Partner Hand in Hand, um für jedes Gründerteam die besten Startbedingungen auszuloten. Aber sie treten nicht einzeln in Erscheinung – der zentrale Ansprechpartner wird der Startup Port werden.“

Fünf der sieben Hochschulen werden zudem als Institutionen gefördert

Zusätzlich zu den 3,5 Millionen für das regionale Gründer-Netzwerk erhalten drei Hochschulen weitere Millionen aus dem EXIST-Programm: die Uni Hamburg, HAW und FH Wedel. Sie werden zu damit zu „EXIST-Gründerhochschulen“ und tragen einen Titel, den die TUHH und die Leuphana bereits seit 2013 inne haben. Salzmann: „Damit sind fünf der sieben Hochschulen unseres Konsortiums Gründerhochschulen. Die Region Hamburg wird in dieser Förderrunde des EXIST-Programms besonders stark profitieren. Das ist wichtig, damit wir uns gegenüber den viel stärkeren Regionen Berlin und München behaupten können.“

Das Herz vom Startup Port wird in Harburg schlagen, auch zur Freude von Professor Ed Brinksma, Präsident TUHH: „Die Technische Universität Hamburg ist stolz als Projektkoordinator den Startup Port mit auf den Weg bringen zu dürfen und freut sich auf sichtbare Resultate in gesunden und inhaltlich spannenden Startups in der Metropolregion Hamburg.“

Etwa ein Dutzend potenzieller Newcomer sind in der Harburger Schloßstraße derzeit unter den Fittichen der TUHH am Werk. Darunter Generato: ein Drei-Mann-Team, das Software entwickelt, mit der sich andere Software schneller und preiswerter entwickeln lässt. Oder LignoPure: Das Start­up will dem Biokunststoff Lignin zum Durchbruch verhelfen, damit er etwa beim 3D-Druck, in Klebestreifen oder Kosmetika aus Erdöl produzierte Kunststoffe ersetzt. Lignin ist ein Abfallprodukt der Zuckerindustrie, steckt aber auch in Holzresten und Stroh.

Das Ziel: Region Hamburg zum Startup Hotspot machen

Auch Brinksmas Kollege Prof. Sascha Spoun, Präsident der Leuphana Universität, freut sich über den Geldsegen aus Berlin: „Als eine der gründungsfreundlichsten Universitäten Deutschlands wird die Leuphana ihre Expertise in den Hochschulverbund einbringen. Gemeinsam mit den Partnern wollen wir das Gründungsgeschehen in der Metropolregion signifikant verbessern.“ Carsten Wille, Gründungsberater an der Lüneburger Universität, wird konkreter: „Die Leuphana ist eine eher geisteswissenschaftlich ausgerichtete Universität. Durch die Zusammenarbeit mit technisch-naturwissenschaftlich oder medizinisch ausgerichteten Wissenschaftseinrichtungen erhoffen wir uns zusätzliches Innovationspotenzial.“

Christian Salzmann vom Startup Dock freut sich auf die kommenden Jahre: „Jetzt haben wir die Möglichkeit, die Region Hamburg zum Startup-Hotspot auszubauen.“

Gründerhochschulen in Harburg und Lüneburg

Seit 2011 können sich Hochschulen beim Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) für eine Förderung als Gründerhochschule bewerben. Dies geschieht im Rahmen des Programms EXIST, mit dem das BMWi sowohl die Gründungskultur an Hochschulen als auch einzelne Projektteams mit marktfähigen innovativen Ideen zu Unternehmern fördern will.

Drei Wettbewerbsrunden für Hochschulen gab es bislang. 2011 und 2013 wurden 22 Hochschulen zu EXIST-Gründungshochschulen ernannt. Die dritte Runde lief in diesem Jahr.


Die Leuphana Universität in Lüneburg war in der Förder­pha­se 2013-2018 EXIST-Gründer­hoch­schu­le und wird weiterhin gefördert.

Die TU Hamburg in Harburg wurde ebenfalls 2013 eine der 22 Gründerhochschulen und fünf Jahre lang gefördert. Daraus entstand das Startup Dock. Es wird nun in der dritten EXIST-Förderrunde zum Startup Port weiterentwickelt.