Harburg
Landkreis Harburg

Weniger Jugendliche suchen einen Ausbildungsplatz

Kerstin Kuechler-Kakoschke, Chefin der Agentur für Arbeit Lüneburg-Uelzen

Kerstin Kuechler-Kakoschke, Chefin der Agentur für Arbeit Lüneburg-Uelzen

Foto: HA

Zahl der Bewerber im Landkreis Harburg sind. Unternehmen bieten mehr Stellen an. IHK-Betriebe stellen Berufe in Schulen vor.

Winsen/Lüneburg.  Im Landkreis Harburg haben im Ausbildungsjahr 2018/2019 deutlich weniger Jugendliche einen Ausbildungsplatz gesucht als im Jahr zuvor. Die Zahl der angebotenen Stellen hat sich dagegen erhöht. Trotzdem blieben deutlich mehr Bewerber unversorgt als ein Jahr zuvor.

1422 Bewerbungen – 200 oder rund zwölf Prozent weniger als im Vorjahr – trafen auf 1120 Ausbildungsplätze, immerhin ein Plus von drei Prozent. 16 dieser Stellen blieben unbesetzt, im Vorjahr waren es noch rund doppelt so viele gewesen. 33 junge Menschen hatten zum Start des Ausbildungsjahres dennoch keinen Vertrag in der Tasche.

„Auch in diesem Jahr zeigen die Zahlen, dass Angebot und Nachfrage nicht komplett deckungsgleich sind“, sagte Kerstin Kuechler-Kakoschke, Chefin der Agentur für Arbeit im Bezirk Lüneburg-Uelzen, bei der Vorstellung der aktuellen Zahl in Lüneburg. Die Berufswünsche der Jugendlichen und das Lehrstellen­angebot in den Betrieben stimmten nicht immer überein.

Jugendliche konzentrieren sich auf zehn Berufe

Rund ein Drittel der Bewerber wünscht sich einen von zehn Berufen. So werden Verkäufer/in, Kauffrau/-mann für Einzelhandel oder Büromanagement, Medizinische Fachangestellte und KFZ-Mechatroniker/in genannt. Auch Tischler, Fachinformatiker oder Industriemechaniker wollen viele Jugendliche werden. Letztere zählen jedoch nicht zu den am häufigsten angebotenen Berufen. Gesucht werden dagegen Fachkräfte für Lagerlogistik, Bäcker und Kaufleute für Groß- und Außenhandel.

Deshalb hat die Agentur für Arbeit in diesem Jahre ihre Berufsberatung in den Schulen ausgeweitet. Zudem rät die Agenturchefin jungen Menschen, die in den Beruf starten wollen, neben ihrem Erstwunsch einen Plan B parat zu haben. „Jugendliche haben heute vielfältige Möglichkeiten. Wichtig ist, die Chancen, die sich für eine duale Ausbildung und auch ein duales Studium in der Region bieten, zu entdecken“, sagte Kuechler-Kakoschke. Sie appellierte an Arbeitgeber in der Region, offene Ausbildungsstellen zu melden. Jugendliche sollten sich ebenfalls frühzeitig beraten lassen.

Das Handwerk bietet viele Möglichkeiten

Im Handwerk werden einige Stellen auch nach Start des Ausbildungsjahres besetzt. „Für junge Menschen, die Lust auf Eigenständigkeit und Karrieren im Handwerk haben, ist noch alles möglich“, sagte Günter Neumann, Leiter Berufliche Bildung bei der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade. Gesucht werde in allen Berufen und Regionen. Das Handwerk biete attraktive Karriereoptionen bis hin zum Meister und der Gründung eines Betriebes. Klimaschutz, E-Mobilität und Smart-Home böten zudem neue Marktfelder. Rund die Hälfte aller Ausbildungsanfänger im Handwerk hat die Realschule, ein knappes Drittel die Hauptschule abgeschlossen, zehn Prozent haben (Fach-)Abitur.

Die Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg setzt ebenfalls auf Berufsorientierung und Ausbildungsmarketing. „Oft fällt es Bewerbern schwer, einen Beruf zu finden, der zu ihren Interessen und Stärken passt, weil sie falsche oder keine Vorstellungen von den mehr als 300 Berufen haben, die IHK- und Handwerksbetriebe bieten“, sagte Sönke Feldhusen, Leiter des Bereichs Menschen bilden. Im Zuge des neuen IHK-Projekts „Berufe erleben – praxisnah orientieren“ planen deshalb regionale Unternehmen Workshops zu Fachthemen, die in Klassen der Stufe 7 bis 11 aller Schulformen angeboten werden. Davon sollen sowohl die Schüler als auch die Betriebe profitieren.