Harburg
Hallenbad Neugraben

Wie Herr Erdogan einem kleinen Mädchen das Leben rettete

Nedim Erdogan rettete einem Kind das Leben, als er mit seiner Tochter Melin im Neugrabener Schwimmbad war. Dafür dankten ihm nun Polizei und Feuerwehr, vertreten durch Dirk Flocke und Uwe Rehmke.

Nedim Erdogan rettete einem Kind das Leben, als er mit seiner Tochter Melin im Neugrabener Schwimmbad war. Dafür dankten ihm nun Polizei und Feuerwehr, vertreten durch Dirk Flocke und Uwe Rehmke.

Foto: Corinna Panek

Dramatische Minuten im Hallenbad Neugraben mit glücklichem Ende – Polizei und Feuerwehr würdigen den Einsatz des Buxtehuders.

Neugraben. Einfach einen schönen Tag im Schwimmbad verbringen – das wollten Nedim Erdogan und seine fünf Jahre alte Tochter Melin am Sonntag vor gut drei Wochen. Doch beim Besuch des Hallenbads in Neugraben wurde der Buxtehuder unverhofft zum Lebensretter: Er erkannte, dass ein vierjähriges Mädchen zu ertrinken drohte, und griff sofort ein. Dafür wurde er gestern von der Polizei Neugraben und der Feuerwehr Süderelbe ausgezeichnet.

Nedim Erdogan kann sich an die dramatischen Minuten im Nichtschwimmerbecken des Neugrabener Hallenbades noch ganz genau erinnern. „Wir waren schon etwa zwei Stunden im Bad, in dem es sehr voll war. Es wurde am späten Nachmittag langsam dunkel, die Unterwasserbeleuchtung ging an. Wir tauchten zu den Leuchten – das macht meiner Tochter immer besonders viel Spaß. Beim Auftauchen sah ich einen reglosen Körper, in sitzender Position mit Kopf unter Wasser“, beschreibt er die Situation. Dem kleinen Mädchen hingen die langen Haare im Gesicht. „Ich zog ihm die Haare nach hinten und sah, dass das Kind schon blau angelaufen war, habe es sofort aus dem Wasser getragen und mit der Wiederbelebung begonnen. Es hatte schon Schaumblasen am Mund.“

Gerettetes Mädchen war mit Vater und Geschwistern im Schwimmbad

Gleich darauf wurde er von den Schwimmmeistern unterstützt, das kleine Mädchen kam wieder zu sich und wurde von den inzwischen eingetroffenen Rettungskräften ins Krankenhaus gebracht. Wie sich herausstellte, war das beinahe ertrunkene Mädchen mit seinem Vater und zwei Geschwistern im Bad gewesen, das zu diesem Zeitpunkt sehr voll war. „Zuerst dachten die Retter, das Kind gehöre zu mir“, sagt Erdogan. Schnell wurde der Vater des Kindes herbeigeholt.

Wie lange die ganze Rettungsaktion gedauert hat, weiß Nedim Erdogan nicht mehr. „Das Kind war vielleicht zehn Minuten lang bewusstlos, mir kam das aber sehr viel länger vor. Als wir endlich gingen, war das Bad leer.“ Für Erdogans Tochter Melin, die die ganze Zeit dabei war, war das ein aufregender Nachmittag. „Sie hat zu Hause ihrer Mutter erst einmal alles genau erzählt“, sagt ihr Vater.

Erdogan erhält Blumen und Geschenk als Dankeschön

Inzwischen geht es dem geretteten Mädchen wieder gut, die Familien stehen in Kontakt miteinander. „Sie haben uns Fotos geschickt und wir wollen uns in den nächsten Tagen treffen“, sagt Nedim Erdogan. Melin freue sich schon, sie hatte in der Nacht nach dem Unglück unruhig geschlafen. „Ich denke, es ist für sie gut zu wissen, dass alles gut ausgegangen ist und es dem Mädchen wieder gut geht“, sagt er.

Polizei und Feuerwehr bedankten sich bei dem 39-Jährigen für seinen Einsatz mit einem Blumenstrauß und einem kleinen Geschenk: „Er bekommt eine Powerbank, dann hat er immer genug Akkuladung für sein Handy, damit er uns im Notfall anrufen kann“, sagt der Neugrabener Dienststellenleiter Uwe Rehmke. Auch Melin bekam ein Geschenk: den „Bünabär“ in Polizeiuniform, „der soll auf sie aufpassen“, so Rehmke. Er lobt die Fünfjährige außerdem dafür, dass sie ihre Adresse auswendig weiß.

Retter hatte Angst, Fehler zu machen

Das gerettete Mädchen hatte das besondere Glück, dass ihr Retter in Erster Hilfe sehr versiert ist: Er konnte die Symptome richtig deuten und hat eingegriffen – denn entgegen der landläufigen Meinung strampeln Ertrinkende nicht oder rufen um Hilfe. „Ich hatte schon ein bisschen Angst, Fehler zu machen. Aber der größte Fehler ist, gar nichts zu machen“, sagt Nedim Erdogan.

Der Buxtehuder gibt sich bescheiden. Seine Kenntnisse in Erster Hilfe frischt er regelmäßig auf: „Ich habe eine Fahrschule, da besuchen wir immer wieder Fortbildungen in Erster Hilfe. Wir müssen ja wissen, was wir den Leuten beibringen“, sagt der ehemalige Bundeswehrsoldat, der auch Auslandseinsätze bei der Marine absolvierte und so schon früher belastende Situationen erlebte..