Harburg
Seevetal

Fleestedter Kreisel: Freie Fahrt im Dezember

Der neue Kreisverkehr an der bisherigen Kreuzung Winsener Landstraße/Jesdal in Fleestedt zählt zu sechs Bauprojekten von Gemeinde, Kreis und Land, die zeitlich aufeinander abgestimmt wurden.  v.l.: Cord Westermann (Gemeinde Seevetal Straßenbau), Thomas Schmidt (Landkreis Harburg, Betrieb Kreisstraßen) und Wolfram Wäsche (Gemeinde Seevetal Verkehr)

Der neue Kreisverkehr an der bisherigen Kreuzung Winsener Landstraße/Jesdal in Fleestedt zählt zu sechs Bauprojekten von Gemeinde, Kreis und Land, die zeitlich aufeinander abgestimmt wurden.  v.l.: Cord Westermann (Gemeinde Seevetal Straßenbau), Thomas Schmidt (Landkreis Harburg, Betrieb Kreisstraßen) und Wolfram Wäsche (Gemeinde Seevetal Verkehr)

Foto: Lena Thiele / HA

Das Großprojekt gehört zu den ersten Herausforderungen für Susanne Dahm – sie ist die neue Verkehrskoordinatorin im Landkreis Harburg.

Winsen/Fleestedt.  Auf dem Bildschirm vor Susanne Dahm ist das ganze Dilemma zu erkennen. Zahlreiche farbige Linien überziehen das Straßennetz im Landkreis Harburg. Jede Linie steht für ein Bauvorhaben. Ist sie rot, geht es um aktuelle Arbeiten, orange steht für das kommende Jahr, gelb für das Jahr darauf. Grün signalisiert: Das dauert noch ein wenig. Auf dem Bildschirm leuchten viele rote Linien.

Neue Stelle seit Anfang des Jahres

Susanne Dahms Job ist es, die Baustellen aufeinander abzustimmen, so dass der Verkehr möglichst gut weiterfließen kann. Die 45-Jährige ist Verkehrskoordinatorin beim Landkreis Harburg, eine Stelle, die erst Anfang dieses Jahres geschaffen wurde. Dieses Jahr hatte es gleich in sich: Allein in der Gemeinde Seevetal mussten sechs geplante Baustellen, die sich zeitlich überschnitten, in Einklang gebracht werden.

In Fleestedt ballen sich die Baustellen

Zuerst wurde ein Teil des Horster Autobahn-Dreiecks saniert, die Umleitung lief über Fleestedt. „Das musste unbedingt fertig sein, bevor es in Fleestedt losging“, sagt Dahm. Dort wurden dann gleich drei Vorhaben gleichzeitig angegangen, um mehrere Sperrungen zu vermeiden. Ein Teil der Winsener Landstraße wird saniert, die Lärmschutzwand an der Hittfelder Straße erneuert und am Ortseingang ein Kreisverkehr gebaut. Für Kanalarbeiten ist zudem die Straße Im Alten Dorf gesperrt und auch die K 79 zwischen Fleestedt und Maschen sollte saniert werden. „Das haben wir dann aber auf das kommende Jahr verschoben“, sagt Dahm.

Sie muss für die Koordination mit vielen Beteiligten sprechen. Behörden von Land, Kreis und Gemeinden sind für den Bau und die Sanierung verschiedener Straßen zuständig. Darüber hinaus melden die sogenannten Leitungsträger – unter anderem für Wasser, Strom, Gas – regelmäßig Arbeiten an. Zwischen allen zu vermitteln, sei nicht immer leicht, sagt die Koordinatorin. „Jeder hat natürlich seine eigenen Vorgaben, wie schnell die Arbeiten erledigt sein sollen.“

Vor allem Pendler sollen wenig Probleme haben

Ihre Perspektive ist dagegen eine andere. Zeiten und Umleitungen sollten so abgestimmt werden, dass die Situation vor allem für Pendler entspannt wird, sagt Dahm, die selbst in der Elbmarsch wohnt. Dafür sammelt sie unentwegt Informationen über geplante Baustellen, die den Landkreis betreffen könnten, unter anderem von den Nachbarkreisen, den Ländern Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg, den Wasserverbänden und Stromkonzernen, dem HVV und der Bahn. Sie durchsucht lange Listen und führt viele Gespräche, unter anderem zweimal im Jahr bei einer länderübergreifenden Konferenz. So wünscht sie sich unter anderem, dass die drei Länder ein gemeinsames System für die Baustellenübersicht einführen.

„Koordination ist vor allem Kommunikation“, sagt die promovierte Raumplanerin, die nach einigen Jahren in England in den Landkreis Harburg zurückgekehrt ist. Manchmal beneidet sie die Kollegen in Hamburg. Da dort viele beteiligte Organisationen in städtischer Hand sind, ist es viel einfacher, Vorhaben zu verschieben. „Bei uns läuft es immer auf Verhandlungsbasis.“

Eine Baustellenampel sorgt für Entlastung

In Fleestedt laufen die Absprachen bisher gut. Rund um die Großbaustelle für den fünfarmigen Kreisverkehr sind drei Auftraggeber beteiligt. Die Lärmschutzwand ist abgebaut, die Winsener Landstraße neu asphaltiert, der Kreisel nimmt Form an. Die besondere Herausforderung sei die Verkehrsführung gewesen, sagt Thomas Schmidt, zuständig für die Ausführung von Kreisstraßen, bei einem Ortstermin. „Wir brauchten Lösungen für Anwohner, Busse und Schülerverkehr.“ Jetzt fahren die Fahrzeuge abwechselnd von zwei Seiten über einen Teil des Kreisels. Schwierig ist es vor allem im Marquardtsweg, der seit Beginn der Arbeiten Mitte September als Umleitungsstrecke dient. Um die Situation dort zu entlasten, habe man mit einer Ampel und zusätzlichen Parkverboten nachgesteuert, sagt Wolfram Wäsche, zuständig für Verkehr bei der Gemeinde Seevetal.

Cord Westermann steht mitten auf der Baustelle, seine Warnweste leuchtet, im Hintergrund rollen die Baufahrzeuge hin und her. Der 49-Jährige ist bei der Gemeinde für Straßenbau zuständig, dies ist „seine“ Baustelle und er ist zufrieden mit dem Fortschritt der Arbeiten. An diesem Tag ist der Boden noch sandig, am Tag darauf wird die erste von drei Schichten der Asphaltdecke aufgebracht. „Wenn der Asphalt drauf ist, sieht das für den Laien fertig aus. Aber dann müssen noch viele Dinge getan werden, wie die Verkehrsinseln an den Fußgängerüberwegen und die Pflasterarbeiten.“

Nur wenige Anwohner beschweren sich

Am Rand wird ein vier Meter breiter Fuß- und Radweg gebaut, die Insel in der Mitte soll bepflanzt werden. Mindesten zwölf Mann arbeiten gleichzeitig auf der Baustelle, bisher spielt auch die Witterung mit. „Das Wetter ist unser größter Gegner“, sagt Westermann. Bleibt es mild und trocken, sollen die Bauarbeiten bis Weihnachten soweit abgeschlossen sein, dass zumindest zwei fertige Arme für den Verkehr geöffnet werden können und die Zufahrt zur Winsener Landstraße möglich ist. Bisher habe es allerdings kaum Beschwerden von Anwohnern gegeben, sagt Westermann. „Das ist bemerkenswert.“

Für Koordinatorin Susanne Dahm ist das eine erfreuliche Nachricht. Bei ihr landen viele der Mails und Anrufe, in denen Anwohner und Pendler ihrem Ärger Luft machen oder Fragen stellen. „Die Bürger möchten viel mehr Informationen als früher“, sagt Dahm. Sie versuche stets, innerhalb von 48 Stunden zu antworten. „Wenn wir etwas ändern können, machen wir das auch.“ Nicht immer gibt es eine Lösung, mit der alle zufrieden sind. Gerade in diesem Jahr sei die Situation angespannt, sagt Dahm. „Wir haben einfach wahnsinnig viele Baustellen.“

Demnächst müssen zahlreiche Brücken saniert werden

Für die kommenden Jahre erwartet die Koordinatorin neue Herausforderungen. „Deutschland hat ein Brückenproblem. Viele Bauwerke stammen aus der Nachkriegszeit und sind für die heutige Last nicht ausgerichtet.“ Deshalb beschäftigt sie sich intensiv mit der Frage nach einer weiteren Elbquerung. Eine Fähre könnte vielleicht zwischen Krümmel und Tespe, Altengamme und Stove oder Marschacht und Geesthacht eingesetzt werden. Auch ein sogenannter Amphibienbus sei eine Möglichkeit, ebenso wie die Offenhaltung von Radwegen während der Bauzeit, sagt Susanne Dahm. „Auch wenn es nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, wollen wir den Pendlern irgendetwas anbieten.“