Harburg
Buxtehuder Bulle

Ein Preis, für ein Buch über Gewalt und Verdrängung

Preisträgerin Amy Giles (l.) und Buxtehudes Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt enthüllen die die Gedenktafel in der Breiten Straße

Preisträgerin Amy Giles (l.) und Buxtehudes Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt enthüllen die die Gedenktafel in der Breiten Straße

Foto: Axel Tiedemann / AT

Jugendbuch-Preisträgerin Amy Giles kam mit Töchtern und Mann aus New York – und blieb gleich ein paar Tage

Buxtehude. Wenn eine eher kleine Stadt einen eigenen Buchpreis ausschreibt, dürfte sich Interesse meist auf eine rein lokale Beachtung beschränken. Nicht so beim Jugendbuchpreis „Buxtehuder Bulle“, der nun schon seit den 1970er Jahren verliehen wird und als einer der wichtigsten Literaturpreise seines Genres gilt. Aktuelle Preisträgerin ist die US-Amerikanerin Amy Giles, die mit Mann und den beiden Teenager-Töchtern auf Long Island in New York lebt und zur eigentlichen Preisverleihung mit ihrer Familie nach Buxtehude gereist ist. Und zwar gleich für ein paar Tage:

Eine Lesung gemeinsam mit ihrer Übersetzerin Isabel Abedi in der Stadtbibliothek stand dabei schon zuvor auf dem Programm und natürlich am Donnerstag die traditionelle Enthüllung „ihrer“ Messingplatte in der Breiten Straße. „Ich bin total geehrt, jetzt praktisch Teil dieser Stadt zu sein“, sagte die New Yorker Autorin sichtlich gerührt.

Die Kinder ihrer Kinder könnten nun eines Tages nach Buxtehude kommen, um hier Spuren ihrer Großmutter zu entdecken. Buxtehudes Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt indes bedankte sich im Namen der Stadt für den persönlichen Besuch der Autorin: „Dass Sie zu uns gekommen sind, zeigt, wie bedeutend unser Preis ist.“

Michael Ende und Jostein Gaarder sind auch Preisträger

Rund 50 solcher Platten erinnern mittlerweile im Stadtbild an die Preisträger des „Buxtehuder Bullen“, darunter viele bekannte Namen von Autoren wie beispielsweise Michael Ende, Lauren Oliver, Jostein Gaarder, Stephanie Meyer oder auch David Safier. Zu den preisgekrönten Titeln gehörten Romane wie „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ (2012), „Die Tribute von Panem“ (2009) oder ganz Anfang „Die grüne Wolke“.

Oft schon stand der Preis am Beginn einer viel beachteten Autorenkarriere. Und so könnte es auch diesmal sein: „Jetzt ist alles, was wir haben“, beschäftigt sich mit dem Thema häuslicher Gewalt. Nicht am unteren sozialen Ende der Gesellschaft, sondern in einer reichen und sehr angesehenen Familie.

Roman beginnt mit einem Flugzeugabsturz

Im Mittelpunkt steht dabei die 17-jährige Hadley, die unter einem gewalttätigen und überehrgeizigen Vater leidet. Wobei Giles, die sonst als Werbetexterin arbeitet, in ihrem Debütroman von 2018 nicht gerade einen sanften Einstieg wählt, sondern gleich mit einem Flugzeugabsturz startet und dann mit Rückblicken arbeitet.

Das Ganze verdichtet sie zu einer äußerst spannenden Handlung, die sowohl bei der Jugendlichen- wie auch Erwachsenen-Jury die höchsten Punktzahlen bekamen. „Das war mit Abstand die spannendeste Handlung, man konnte gar nicht aufhören zu lesen“, sagte etwa Jury-Mitglied Hendrikje Schulze (17). Aber nicht nur der Plot, auch das Thema Gewalt und Verdrängung selbst zog die Jury wohl in ihren Bann. „Mich hat das noch tagelang beschäftigt“, so das 16-jährige Jury-Mitglied Marlene Kossin.

Auch Jugendliche entscheiden mit

Der Jugendbuchpreis „Buxtehuder Bulle“ wurde 1971 von dem Buchhändler Winfried Ziemann (2010 verstorben) initiiert, der kurz zuvor eine Buchhandlung in Buxtehude gegründet hatte. Seine besondere Idee dabei ist die paritätische Zusammensetzung der Jury aus elf Jugendlichen und elf Erwachsenen. So sollte eine Art Schnittstelle zwischen literarischer Qualität und Vorlieben jugendlicher Leser geschaffen werden.

Anfangs wurde in der Branche über diese Art der Preisfindung noch gelächelt, inzwischen gilt der „Buxtehuder Bulle“ als einer der renommiertesten und traditionsreichsten seiner Art. Dotiert ist der Preis mit 5000 Euro und eben einer Stahlplastik – den „Buxtehuder Bullen“. Vorbild dafür war im Gründungsjahr des Preises der friedliebende Stier „Ferdinand“ aus dem gleichnamigen Kinderbuch des US-amerikanischen Schriftstellers Munro Leaf.