Harburg
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AfD Harburg-Land wirbt mit Kunze-Video – Künstler wehrt sich

Liedermacher Heinz Rudolf Kunze möchte nicht mit der AfD in Verbindung gebracht werden.

Liedermacher Heinz Rudolf Kunze möchte nicht mit der AfD in Verbindung gebracht werden.

Foto: imago / Becker&Bredel

Warum er als überzeugter Demokrat von Rechtspopulisten Beifall erhält, könne er sich nicht erklären, sagt der Liedermacher Kunze.

Buchholz. Ein Video des Liedermachers Heinz Rudolf Kunze sorgt für Wirbel: Die AfD Harburg-Land hat den Mitschnitt eines Sprechtextes, der bei einem Live-Auftritt des Künstlers in Teltow (Brandenburg) entstanden ist, ohne Genehmigung auf ihrer Facebook-Seite publiziert – offenkundig, um mit Kunze zu werben.

Warum ausgerechnet er als überzeugter Demokrat von Rechtspopulisten Beifall erhält, könne er sich nicht erklären, sagt Kunze. Er habe von dem Vorgang erst nach entsprechenden Recherchen des Hamburger Abendblattes, erfahren. Kunze: „Alles was ich bisher wusste, ist, dass rechte Kreise versuchen, den Sprechtext in ihrem Sinne umzudeuten.“ Kunze fühlt sich gründlich missverstanden.

Beifall, sobald das Wort „Fremde“ auftaucht?

Sein Text beginnt mit den Zeilen: „Wir sind die Menschen, denen bei dem Wort ,Volk’ eher das Wort ,Pack' einfällt als das Wort ,Gemeinschaft'. Wir sind die Menschen, die mit Jimi Hendrix und David Bowie aufgewachsen sind, nicht mit den Finstertaler Zipfellutschern und DJ Hirni."

„Wie, bitteschön, kann man das als Rechts auslegen?“, sagt Kunze. An anderer Stelle heißt es: „Wir sind die Menschen, die offen sind für die Welt (...). Wir sind die Menschen, die nicht verbockt und miefig unter sich bleiben wollen, die weder etwas gegen Fremde haben, die bei uns zu Gast sein wollen noch gegen Fremde, die zu uns kommen, um irgendwann nicht mehr Fremde zu sein, sondern zu uns gehören wollen, indem sie alle Spielregeln akzeptieren, die bei uns gelten."

„Anscheinend reicht es aus, dass Rechtspopulisten Beifall klatschen, sobald das Wort ,Fremde’ in einem Text auftaucht. Dabei lobe ich die Migranten, die alle Spielregeln achten – das Grundgesetz, unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung.“ In einer anderen Passage nimmt Kunze „durchgeknallte Sekten“ aufs Korn, die mit „veganem Schaum vorm Mund am liebsten alle SUV-Fahrer kreuzigen möchten“. Eindrucksvolle Bilder, die auch bei Klima-Leugnern der AfD wirken dürften. „Ich spreche niemandem die Seriosität des Klima-Protests ab, mit Ausnahme der Radikalen“, stellt Kunze klar.

„Muss Halskrause tragen vor lauter Kopfschütteln“

Mit den Worten „Wir sind weder Moralpächter noch Correctness-Klugscheißer noch rechtsdrehende Ratten für diesbezügliche Fänger (...). Wir sind die Menschen", endet Kunzes Einleitung zu dem Lied „Ganz normale Menschen“ (Album: „Schöne Grüße vom Schicksal“). Dass sich die AfD seinen Sprechtext zu eigen mache, sei ein „Irrsinn“. „Entweder sie sind so dumm, dass sie nicht begreifen, worum es in dem Text geht. Oder sie wollen mich bei allen demokratischen Menschen in Misskredit bringen. Ich muss wohl bald eine Halskrause tragen vor lauter Kopfschütteln.“

Inzwischen kümmert sich der Justiziar des Künstlers um den Fall. Zwei weitere AfD-Kreisverbände haben das Video ebenfalls auf ihre Facebook-Seite gestellt. „Das Ganze ist sehr ärgerlich“, sagt Stefanie Göthel, Mitarbeiterin des Kunze-Managements. Es sei schwierig, etwas dagegen zu unternehmen: „Wir prüfen rechtliche Schritte.“

Schon einmal hatten Anhänger der AfD versucht, ein Lied Kunzes („Willkommen, liebe Mörder") für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Kunze hatte damals in einem Interview mit der "Hannoverschen Allgemeine Zeitung" klargestellt, dass sich das Lied gegen die richte, die es „missbraucht haben“. Kunze: „Ich verbiete mir Beifall von deren Seite.“

Kreisvorsitzender der AfD Harburg-Land ist sich keiner Schuld bewusst

Der Kreisvorsitzende der AfD Harburg-Land, Rainer Sekula, ist sich keiner Schuld bewusst. „Ich bin der Meinung, es ist nichts dagegen einzuwenden, ein Video auf Facebook zu teilen", sagte Sekula dem Abendblatt. „Heutzutage werden ständig Mitschnitte gemacht – auch bei Partei- und Sportveranstaltungen. Als Künstler muss man damit rechnen, dass so etwas tausendfach geteilt wird."

„Eine Frau“ (Name i. d. Red. bekannt), habe das Video in Teltow gemacht und gepostet. „Unser Administrator hat es auf unsere Seite gesetzt. Es gefiel ihm. Wir haben es lediglich geteilt. Ich selbst kenne das Video gar nicht“, so Sekula. Er habe den Administrator beauftragt, das Video von der Seite zu löschen.