Harburg
Maschen

„Wir wollen ein Zentrum für alle werden“

Gerrit Wimmert, Leiter des Jugendzentrums, und Erzieherin Ljudmila Schnar vor dem Haus an der Horster Landstraße, in dem das „Village“ seit 1997 beheimatet ist.

Gerrit Wimmert, Leiter des Jugendzentrums, und Erzieherin Ljudmila Schnar vor dem Haus an der Horster Landstraße, in dem das „Village“ seit 1997 beheimatet ist.

Foto: Lena Thiele / HA

Maschen: Jugendfreizeitstätte Village macht Platz für Kita und zieht in den Ortskern. Pädagogen erarbeiten neues Konzept.

Maschen.  Das Maschener Jugendzentrum wird im kommenden Jahr umziehen und stellt sich in diesem Zuge neu auf. Künftig sollen ältere Jugendliche wieder besser erreicht werden, zugleich will sich die Einrichtung durch möglichst vielfältige Kooperationen noch stärker für alle Altersgruppen öffnen.

Der Umzug in die Ortsmitte wird nötig, weil die Gemeinde Seevetal eine Kita in den Räumen an der Horster Landstraße einrichten will. Das Jugendzentrum bezieht dafür voraussichtlich im Frühjahr 2020 die Räume neben der Grundschule und der Kreisvolkshochschule. Das dort jetzt ansässige Regenbogenkinderland zieht in einen Neubau am Moorweidendamm.

„Wir sehen großes Potenzial in dem neuen Standort“, sagt Gerrit Wimmert, Diplom-Sozialpädagoge und Leiter der Jugendfreizeitstätte. Die Besucherstruktur hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Mittlerweile kommen vor allem Kinder und Jugendliche zwischen neun und 15 Jahren. „Eines unserer Ziele ist es, die älteren Jugendlichen bis Mitte 20 wieder für unsere Arbeit zu gewinnen“, sagt Wimmert. Dafür ist das Team um den 46-Jährigen auch bereit, die lieb gewonnenen Räume an der Horster Landstraße zu verlassen. „Das Haus ist wunderschön. Aber wir sind hier leider ab vom Schuss.“

Seit 1997 ist das „Village“ in einem damals neu gebauten und von Jugendlichen mitgeplantem Gebäude zu Hause. Es ist wie ein Wohnhaus aufgebaut, hat mehrere Räume auf zwei Stockwerken sowie eine Küche. Herz des Gebäudes ist ein großer Raum mit Tischen zum Kickern, Airhockey und Billard spielen und einer großen Sofaecke. Hier können die Besucher nach einem langen Schultag erst einmal zur Ruhe kommen.

„Die Einführung des Ganztags an den Schulen hat viel verändert“, sagt Wimmert. Seien früher viele Schüler zum Mittagstisch ins Jugendzentrum gekommen, trudelten die meisten mittlerweile erst ab 16 Uhr ein. Wenn sie überhaupt noch kämen, denn der Weg von den weiterführenden Schulen zum „Village“ sei recht weit.

Am Dorfplatz ist das „Village“ näher an den Jugendlichen

Zum Außengelände gehören ein Fußballplatz, ein Knick mit Beerensträucher, Gemüsebeete in ausrangierten Schrotttrommelfässern und eine insektenfreundliche Blumenwiese. Die Besucher können auf großen Kettcars ums Haus fahren und im Garten lebt ein Bienenvolk. Eine Fläche von rund 270 Quadratmetern steht hier zur Verfügung.

Am neuen Standort werden es nur noch rund 150 Quadratmeter sein. Dafür gibt es einen unschlagbaren Vorteil für die Arbeit der Pädagogen: die viel größere räumliche Nähe sowohl zu potenziellen Besuchern als auch zu Kooperationspartnern für die pädagogische Arbeit.

Diese Nähe will das Team nutzen. Zum einen wollen die Mitarbeiter die Jugendlichen, die sich am frühen Abend am Dorfplatz treffen, mit offenen Angeboten erreichen. „Wenn wir zum Beispiel den Kicker rausstellen, werden wir sofort im Gespräch sein. Dann ist das Haus auch abends wieder voll“, sagt Wimmert. Auch auf die Anwohner will er zugehen, Konflikte hält er allerdings für unwahrscheinlich. „Die Jugendlichen machen in der Regel keinen Riesenradau, die wollen vor allem chillen. Ich denke eher, dass es ein Gewinn ist, wenn wir sie ins Haus holen. Denn wir arbeiten nach dem Prinzip Vertrauen gegen Verantwortung.“

Nachmittagsangebot richtet sich an die jungen Besucher

Nachmittags sollen die Angebote stärker auf jüngere Besucher ausgerichtet sein. Darüber hinaus sollen weitere Altersgruppen angesprochen werden. Schon jetzt gibt es eine Gruppe für junge Eltern mit Kleinkindern und auch die Töpfergruppen, die teilweise für Eltern und Kinder angeboten werden, sind stets gut besucht. Im „Village“ seien Besucher von drei bis 99 Jahre willkommen, betont Wimmert. Dieses Profil soll in Zukunft noch stärker ausgebaut werden. „Wir wollen ein Zentrum für alle sein.“

Dafür soll die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen intensiviert werden, zum Beispiel mit der Kreisvolkshochschule, der Musikschule sowie den Schulen und deren Sozialarbeitern. Einige Kooperationen gibt es bereits, zum Beispiel mit der Grundschule Maschen.

Dort bietet Ljudmila Schnar aus dem „Village“-Team eine Kreativ-AG und eine Mädchengruppe an. An diesem Nachmittag sind zehn Schülerinnen zum Basteln und Reden gekommen. Mit Hilfe von Karten, die bunte Figuren in verschiedenen Stimmungen zeigen, sagen die Dritt- und Viertklässlerinnen in einer Anfangsrunde kurz, wie es ihnen heute geht. Fröhlich, müde, wütend, entspannt oder traurig sind die Mädchen. Sie berichten von Streit, der ihnen zu schaffen macht, und Verabredungen, auf die sie sich freuen.

Die Gruppe beschäftigt sich mit verschiedenen Themen, die sie gemeinsam aussuchen. Sie reden über Bienen und Mobbing, machen Seife oder gehen Eis essen. Diesmal nähen sie Eulen aus buntem Stoff. Nebenbei können sie mit Ljudmila Schnar über Probleme reden und Konflikte klären. „Es geht viel um Vertrauen“, sagt die Erzieherin.

Die Erfahrungen in der Beziehungsarbeit will das Team in das neu aufgestellte „Village“ einbringen. „Wir kriegen viel mit“, sagt Wimmert. „Im Moment habe ich zum Beispiel den Eindruck, dass in den Grundschulen eine neue Generation von Sprayern entsteht. Wenn wir da rechtzeitig ein passendes Angebot machen können, haben wir alle was davon.“

Die Kinder- und Jugendarbeit der Gemeinde

Die Gemeinde Seevetal unterhält drei Kinder- und Jugendeinrichtungen, in denen pädagogisches Fachpersonal die jungen Besucher betreut.

Das „Village“ in Maschen ist Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, junge Erwachsene und Eltern, Vereine und Gruppen. Es ist montags von 15 bis 18 Uhr und dienstags bis freitags von 15 bis 20 Uhr geöffnet.

Im „Meckziko“, dem Meckelfelder Jugendzentrum, treffen sich vor allem Jugendliche aus den weiterführenden Schulen. Es ist montags bis donnerstags von 16 bis 20 Uhr geöffnet, außerdem gibt es einen Hausaufgabentreff nach der Schule und weitere Gruppenangebote mit Anmeldung.

Auf dem Aktiv-Spiel-Platz (AKI) in Meckelfeld werden Schüler der Ganztagsschule betreut. Ab 16 Uhr gibt es offene Angebote sowie Kurse mit Anmeldung für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren. Der offene Bereich des AKI ist auch sonnabends von 10 bis 14 Uhr geöffnet.