Harburg
Pilotprojekt für Jesteburg

Samtgemeinde soll digital zusammenrücken

CDU-Kommunalpolitiker Henning Buss (l.), Christiane Kremer-Stöckl vom Bürger- und Gewerbeverein Jesteburg und SPD-Mann Steffen Burmeister setzen sich für eine digitale Nachbarschaftsplattform für die Samtgemeinde ein.

CDU-Kommunalpolitiker Henning Buss (l.), Christiane Kremer-Stöckl vom Bürger- und Gewerbeverein Jesteburg und SPD-Mann Steffen Burmeister setzen sich für eine digitale Nachbarschaftsplattform für die Samtgemeinde ein.

Foto: Hanna Kastendieck / HA

SPD-Antrag fordert ein Konzept der Nachbarschaftsplattform nebenan.de für Bürger, Verwaltung und Gewerbetreibende aus der Region.

Es soll ein Pilotprojekt für die Samtgemeinde Jesteburg werden und ein Vorzeigebeispiel für andere Samtgemeinden der Republik. Mit einem neuen, auf die ländliche Region maßgeschneiderten digitalen Nachbarschaftsportal sollen sich Bürger, Verwaltung und Gewerbetreibende künftig einfacher miteinander austauschen und verknüpfen können. So jedenfalls sieht es ein Antrag der SPD-Fraktion vor, der jetzt zur Abstimmung in den Ausschuss für Soziales und Kultur gehen soll.

In dem Antrag geht es konkret um die Modifizierung der bereits in der Region von rund 300 Anwohnern genutzten Internetplattform nebenan.de. Das Portal, das sich als „das Private Netzwerk für deine Nachbarschaft“ bezeichnet, ermöglicht seinen Mitgliedern mit der Hausgemeinschaft, der Nachbarschaft oder den angrenzenden Nachbarschaften zu kommunizieren.

Auf diese Weise kommen die Menschen in Kontakt, finden Gleichgesinnte, tauschen Sachen aus oder bieten Hilfe an. Für die Samtgemeinde soll das Angebot von nebenan.de so angepasst werden, dass auch die Verwaltung und Gewerbetreibende über die Plattform kostenfrei kommunizieren können.

Plattform an Ansprüche einer Samtgemeinde anpassen

„Wir wollen, dass die Verwaltung zielführende Konzeptions- und Vertragsgespräche mit dem Betreiber der Plattform, der Good Hood GmbH in Berlin, aufnimmt“, sagt Steffen Burmeister. „Dabei geht es vor allem darum, die Plattform an die Ansprüche einer Samtgemeinde anzupassen und die Nutzer aus Jesteburg, Bendestorf und Harmstorf zusammenführen. Darüber hinaus soll die Plattform erweitert werden, so dass Verwaltung, Handel und Gewerbe das Portal als soziales Medium zur schnellen Kommunikation nutzen können.“

So könne die Verwaltung den Bürger dann über nebenan.de beispielsweise auf direktem Wege über Straßenbauarbeiten, Veranstaltungen und wichtige Termine informieren. Gewerbetreibende hätten die Möglichkeit, Angebote und Dienstleistungen zu platzieren. „Der Bürger wiederum kann sich direkt mit Anliegen an die Verwaltung wenden, erfährt, was in der Nachbarschaft angeboten wird und kann selbst aktiv werden“, so Burmeister. Eine „Win-win-Situation“ sei das für alle Seiten.

Doch die wiederum kostet Geld. „Die Implementierung einer individuell angepassten Variante von nebenan.de für die Samtgemeinde führt zu Strukturkosten“, heißt es in dem SPD-Antrag. „Die Samtgemeinde wird einen geringfügigen jährlichen Beitrag von überschlägig 0,50 bis 0,80 Euro pro Einwohner tragen.“ Das bedeutet für die Gemeinde bei 13.000 Einwohnern: 10.000 Euro Kosten pro Jahr.

„Das ist eine Investition in die Infrastruktur der Samtgemeinde“, sagt Steffen Burmeister. CDU-Kollege Henning Buss ergänzt: „Die Menschen hier leben zwar in einer kleinen Gemeinde, haben aber dennoch häufig keinen Kontakt zu den Nachbarn. Wir wollen uns mit der maßgeschneiderten Nachbarschaftsplattform dafür einsetzen, den Gemeinschaftscharakter in der Gemeinde wiederzubeleben und das Zusammengehörigkeitsgefühl weiter zu stärken.“

So können die Bürger beispielsweise über die Plattform Skatbrüder finden, Kleider tauschen, Garagenflohmärkte organisieren, zu gemeinsamen Spieleabenden aufrufen, Lebensmittel teilen oder Mitfahrgelegenheiten anbieten. „Über die Plattform entstehen erste Kontakte. Alles weitere läuft dann im direkten Gespräch weiter“, so Buss.

Die Idee von SPD-Ratsmitglied Burmeister und seinem CDU-Kollegen Buss sieht vier Themenfelder für die Samtgemeinde-Plattform vor. So soll die Plattform, die Bürger kostenfrei nutzen können, für die Bewohner der Samtgemeinde individualisiert werden. Für Handel und Gewerbe, die die Plattform bislang nur kostenpflichtig nutzen dürfen, soll Jesteburg eine kostenfreie Basisleistung anbieten.

Kosten können über Förderungsmittel gedeckt werden

Auch für die Vereine, die nebenan.de kostenfrei nutzen können, soll es ebenfalls individuelle Features geben. Mögliche Kosten könnten über Förderungsmittel gedeckt werden. Zuletzt sollen die Inhalte der Verwaltung auf der Plattform bereit gestellt werden.

Ebenfalls sollen die Inhalte des „Jesteburg-Kalender“ über eine Schnittstelle integriert werden. Erste Gespräche mit dem Plattformbetreiber in Berlin haben bereits stattgefunden. Dort wird der Vorstoß aus Jesteburg mit Interesse verfolgt. „Dieses Konstrukt hatten wir bislang noch nicht“, sagt Anne Gottwald, zuständig für die Kooperation von Städten und Gemeinden bei nebenan.de. „Das Projekt könnte als Vorreiter für andere Samtgemeinden in Deutschland dienen.“

Ob es tatsächlich umgesetzt wird, hängt nun von den Abstimmungsergebnissen in Ausschuss und Samtgemeinderat ab. Sollte diese positiv ausfallen, könnte das maßgeschneiderte Nachbarschaftsportal bereits Mitte kommenden Jahres an den Start gehen. Samtgemeinde-Bürgermeister Hans-Heinrich Höper begrüßt die Idee. „Eine örtliches soziales Netzwerk ist eine Chance für die Samtgemeinde“, sagt er. „Die Idee gefällt mir gut.“

Die Plattform

nebenan.de ist eine Plattform der Good Hood GmbH, Berlin, die Dienstleistungen zu Aufbau und Förderung von sogenannten Nachbarschaften anbietet. Ein Benutzerkonto erhält man nur in der (nachgewiesenen) eigenen Nachbarschaft. Nur mit dieser und angrenzenden Nachbarschaften kann man in Kontakt treten.

Das Netzwerk wurde von einem sechsköpfigen Gründerteam rund um Christian Vollmann aufgebaut und Ende 2015 in Betrieb genommen. Die Plattform finanziert sich durch Einnahmen aus lokaler Werbung und aus freiwilligen Beiträgen, so wie Gebühren für sogenannte Organisationsprofile.

Ziel des Netzwerkes ist es, in der Umgebung des eigenen Wohnsitzes Nachbarn kennen zu lernen, Kontakte aufzubauen und zu vertiefen, sich gegenseitig zu helfen.

Die Plattform unterscheidet sich von Konkurrenten wie Facebook durch seine Lokalität: Es soll Menschen aus der Nachbarschaft zusammenbringen – und damit Leute, die in der Nähe wohnen, sich aber nicht kennen.