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Notfallpraxis zieht ins Klinikum Lüneburg

Die Notfallpraxis der KVN in Lüneburg zieht in das Klinikum Lüneburg um (v.l.): Dr. Michael Moormann, Geschäftsführer des Klinikums, Dr. med. Jörg Cramer, Ärztlicher Direktor, und Dr. med. Kin-Arno Bohr, Kreisstellensprecher der KVN.

Die Notfallpraxis der KVN in Lüneburg zieht in das Klinikum Lüneburg um (v.l.): Dr. Michael Moormann, Geschäftsführer des Klinikums, Dr. med. Jörg Cramer, Ärztlicher Direktor, und Dr. med. Kin-Arno Bohr, Kreisstellensprecher der KVN.

Foto: Lena Thiele / HA

Engere Kooperation soll überfüllte Notaufnahme entlasten. Viele Patienten können ambulant behandelt werden.

Lüneburg.  Die Versorgung medizinischer Notfälle soll in Lüneburg künftig besser organisiert sein. Wer akute gesundheitliche Probleme bekommt, wenn gerade keine Arztpraxis geöffnet ist, kann bisher entweder direkt in die Notaufnahme des Klinikums fahren oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst der niedergelassenen Vertragsärzte in Anspruch nehmen. Diese helfen abends und an den Wochenenden in ihren Räumen an der Jägerstraße sowie mit einem Fahrdienst, der Patienten zu Hause behandelt.

Nun zieht die Notfallpraxis, deren Träger die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) ist, in das Klinikum Lüneburg um. Am 14. Oktober nehmen die niedergelassenen Ärzte und Kinderärzte ihre Arbeit in Räumen direkt neben der Zentralen Notaufnahme auf. Dies soll eine engere Kooperation ermöglichen und sowohl die Notaufnahme als auch die Notfallpraxis entlasten, indem die Patientenströme besser gelenkt werden.

Notaufnahme soll durch kürzere Wege entlastet werden

„Wir versprechen uns von diesem Schritt zwei Effekte“, sagte Dr. Jörg Cramer, Ärztlicher Direktor des Klinikums, bei der Vorstellung der Pläne. „Zum einen werden die Wege kürzer, was einen besseren Austausch ermöglicht und den Patienten Zeit spart. Zum anderen hoffen wir auf eine Entlastung, um uns in der Notaufnahme auf die Patienten zu konzentrieren, die einer spezialisierten Behandlung bedürfen. Bisher waren bei uns Patienten teilweise überversorgt.“

Etwa 45.000 Patienten werden jährlich in der Lüneburger Notaufnahme behandelt, mit steigender Tendenz. Längst nicht alle sind tatsächlich Notfälle. „Ungefähr ein Drittel dieser Patienten wird von uns als leichter erkrankt eingestuft und könnte von den Vertragsärzten ambulant behandelt werden“, sagt Cramer. So gehörten Menschen mit Ohrenschmerzen eher in die Notfallpraxis, sagt Dr. Michael Moormann, Geschäftsführer des Klinikums. Wer dagegen ein Röntgenbild benötigt, sei in der Notaufnahmen richtig aufgehoben. Bisher mussten Menschen, bei denen in der Notfallpraxis ein solcher Bedarf festgestellt wurde, anschließend ins Krankenhaus fahren und sich dort erneut vorstellen.

Bereitschaftsdienst behandelt 24.000 Patienten im Jahr

Von der Jägerstraße aus wurden im vergangenen Jahr 24.000 Menschen behandelt, rund 15.000 davon in der Praxis, etwa 3500 durch den Fahrdienst und die übrigen durch den kinderärztlichen Notdienst. Die durch den Umzug entstehende räumliche Nähe sei auch für den Bereitschaftsdienst von Vorteil, sagt Kin Arno Bohr, Sprecher der KVN-Kreisstelle und in Lüneburg niedergelassener Neurologe und Psychiater. Der Andrang in der Notfallpraxis sei in den vergangenen Jahren immer größer geworden, deshalb sei es wichtig, die Abläufe zu straffen.

„Die Menschen werden zunehmend unsicher in der Beurteilung der Schwere ihrer Erkrankung, sie wollen immer häufiger einen fachkompetenten Rat“, sagt Bohr. Dies gelte insbesondere auch für Eltern, die zum Beispiel mit ihren fiebrigen Kindern vorstellig werden. „Künftig können wir schnell und kompetent entscheiden, wo ein Patient am besten hingehört.“

Klinikum gehört zur Gesundheitsholding Lüneburg

Dass die Notfallpraxis an der Jägerstraße vor rund 15 Jahren außerhalb des Klinikums eröffnet wurde, hatte wirtschaftliche Hintergründe. Zu dieser Zeit wurden viele Krankenhäuser privatisiert, es war noch nicht deutlich erkennbar, wohin diese Entwicklung führen würde. „Deshalb hat man zunächst entschieden, die separaten Notfallpraxen zu eröffnen“, sagt Bohr. In Lüneburg wurde schließlich die Gesundheitsholding gegründet, zu der neben dem Klinikum unter anderem das Psychiatrische Klinikum, die Salztherme SaLü, das Reha-Zentrum und die Orthoklinik gehören. Mit mittlerweile rund 3400 Mitarbeitern ist die Gesundheitsholding Lüneburg der größte Arbeitgeber in der Region.

Zwar sei bald klar gewesen, dass der ärztliche Bereitschaftsdienst nahe der Notaufnahme besser aufgehoben wäre, sagte Bohr. Doch erst jetzt stehen die passenden Räumlichkeiten zur Verfügung, in denen pro Schicht ein Arzt sowie ein Kinderarzt ihre Patienten behandeln können. Sie nutzen Räume, in denen tagsüber eine vorstationäre Sprechstunde angeboten wird. Nachdem dort gereinigt wurde, öffnet die Notfallpraxis ihre Türen. Aus Datenschutzgründen nutzen die Vertragsärzte ein eigenes, vom System des Klinikums unabhängiges Computernetzwerk.

Wartezeiten wird es auch in Zukunft geben

Die Kooperationspartner versprechen sich durch den Umzug deutliche Verbesserungen für die Patienten – auch bei den Wartezeiten. Die Patienten dürfen weiterhin selbst entscheiden, ob sie in die Notaufnahme oder in die Notfallpraxis gehen wollen. „In Deutschland haben wir die freie Arztwahl, wir schicken also niemanden weg“, betont Moormann. „Aber wir versuchen, das soweit es geht zu lenken. Leute mit Bagatellerkrankungen haben immer die längste Wartezeit. Wenn wir diesen Menschen künftig den Hinweis auf die Notfallpraxis der KVN geben, die direkt nebenan liegt, geht es hoffentlich für alle schneller.“ Andersherum könnten sich Patienten in der Praxis sicher sein, sich bei einer notwendigen Krankenhausbehandlung nicht wieder ganz hinten anstellen zu müssen.

„Die Patienten werden auf jeden Fall in Zukunft besser versorgt“, sagt Moormann. Der Geschäftsführer warnt aber auch vor überzogenen Erwartungen. Man dürfe nicht vergessen, dass sich hier „eine überfüllte Notaufnahme mit einer überfüllten Notfallpraxis“ zusammentue. Wartezeiten gehörten in einem Notfall immer dazu. Wer nicht so lange warten wolle, müsse während der regulären Sprechzeiten zu seinem Hausarzt gehen. Allein durch eine verbesserte Organisation könnten die Herausforderungen durch eine andere Entwicklung nicht bewältigt werden. „Die Ansprüche der Patienten steigen, es ist eine Servicementalität zu beobachten. Viele erwarten, dass ihre Probleme innerhalb kurzer Zeit gelöst werden. So sind sie es aus anderen Bereichen gewohnt, aber so funktioniert Medizin nicht.“

Die Öffnungszeiten der Notfallpraxis Lüneburg

In der Notfallpraxis übernehmen niedergelassene Ärzte aus Stadt und Landkreis Lüneburg abends, nachts und an den Wochenenden wechselnde Schichten. Vom 14. Oktober an wird dieser Bereitschaftsdienst im Klinikum Lüneburg, Bögelstraße 1, angeboten. Er ist gedacht für Menschen, die außerhalb der Sprechstunden niedergelassener Arztpraxen auf ambulante ärztliche Hilfe angewiesen sind.

Die Öffnungszeiten sind Montag, Dienstag und Donnerstag von 19 bis 21 Uhr, Mittwoch und Freitag von 17 bis 20 Uhr sowie Sonnabend, Sonntag und Feiertage von 9 bis 13 und von 17 bis 20 Uhr.

Für Kinder gibt es zusätzlich den kinderärztlichen Bereitschaftsdienst: Montag, Dienstag und Donnerstag von 20 bis 22 Uhr, Mittwoch und Freitag von 16 bis 22 Uhr sowie Sonnabend, Sonntag und Feiertage von 10 bis 20 Uhr.

Unter der Telefonnummer 116 117 ist der Bereitschaftsdienst sowohl für Erwachsene als auch für Kinder zu erreichen. Die Ärzte helfen bei akuten, aber nicht lebensbedrohlichen Erkrankungen, und zwar Montag, Dienstag und Donnerstag von 19 bis 7 Uhr, Mittwoch und Freitag von 15 bis 7 Uhr sowie an Wochenende und Feiertagen von 8 bis 7 Uhr.